Tag der Menschenrechte 2026
Die Würde des Menschen. Anspruch und Wirklichkeit
Ein Gespräch mit der Sozialwissenschaftler*in und Autor*in Prof. Dr. Francis Seeck
Die Würde des Menschen ist unantastbar – so lautet das fundamentale Versprechen unseres Grundgesetzes. Doch was bedeutet diese Garantie in einer Gesellschaft, in der Armut wächst, die soziale Herkunft über Bildung, Gesundheit und Lebenschancen mitentscheidet und die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinandergeht?
Zum Tag der Menschenrechte fragt Prof. Dr. Francis Seeck, wie ernst es unsere Gesellschaft mit der Menschenwürde im Alltag meint. Im Mittelpunkt des Gesprächs steht der Klassismus: die Diskriminierung aufgrund sozialer Herkunft und sozialer Position. Sie trifft vor allem Menschen aus der Armuts- und Arbeiter*innenklasse, besonders erwerbslose, armutsbetroffene und wohnungslose Menschen, und begrenzt den Zugang zu Wohnraum, Bildung, Gesundheitsversorgung und Teilhabe. Ein Gespräch über die Lücke zwischen Verfassungsanspruch und gesellschaftlicher Wirklichkeit, über die Verantwortung eines wohlhabenden Staates gegenüber den Schwächsten und darüber, wie Menschenwürde für alle konkret eingelöst werden kann.
Francis Seeck hat eine Professur für Soziale Arbeit mit Schwerpunkt Demokratie- und Menschenrechtsbildung an der Technischen Hochschule Nürnberg. Seeck forscht, lehrt und publiziert zu Klassismuskritik, politischer Bildung sowie Gender und Queer Studies und arbeitet seit Jahren für Antidiskriminierungstrainings. Mit der Streitschrift „Zugang verwehrt. Keine Chance in der Klassengesellschaft" (2022) und dem Buch „Klassismus überwinden" (2024) hat Seeck die Debatte über soziale Herkunft als Diskriminierungsform maßgeblich geprägt – und verbindet dabei wissenschaftliche Expertise mit dem Blick auf die Praxis.