Tanztage 2026: Boléro | Millennials
MiR Dance Company Gelsenkirchen
Gastspiel im Rahmen der Ingolstädter Tanztage
Millennials
Die Unfähigkeit, sich verbunden zu fühlen
Freiheit, Offenheit und vielfältige Möglichkeiten prägen das Selbstverständnis der zwischen 1981 und 1999 geborenen Generation der Millenials. Erfahrungen, über die man posten kann, gelten als Messlatte für Erfolg und persönliches Glück – so steigt der Druck, die individuellen Freiheiten auch auszuleben. Die Angst davor sich festzulegen, zu verpflichten und zu binden führt in eine Einsamkeit, die durch überbordende digitale Vernetzung nur unzureichend kompensiert werden kann. Der Choreograf Marcos Morau, selbst Teil dieser Generation, richtet seinen Blick daher auf die Suche nach Verbundenheit und Sinn in unserer digital vernetzten Welt. In Millennials, das er 2018 für TänzerInnen seines experimentellen Theaters „La Veronal“ und des taiwanesischen Ensembles „B.Dance“ kreiert hat, erforscht er mit eindrucksvoller Bildsprache neue Formen von Nähe und Zwischenmenschlichkeit und macht sichtbar, wie Gemeinschaft und Identität heute neu verhandelt werden.
Hasard & Boléro
Zuerst war der Tanz
Der Tanzstil Bolero entwickelte sich im 18. Jahrhundert aus spanischen Volkstänzen und wurde später für die Bühne verfeinert. Maurice Ravels gleichnamiger Boléro, der den Puls des spanischen Tanzes aufgreift, entstand 1928 ursprünglich als Ballettmusik für Ida Rubinstein. Zwei Melodien werden 18-mal wiederholt, begleitet von einem gleichbleibenden Trommelrhythmus. Durch das kontinuierliche Crescendo steuert die Musik unaufhaltsam auf einen Höhepunkt zu. Schon bei der Uraufführung beeindruckte der Boléro mit seiner sinnlichen, tranceartigen Wirkung und wurde zum Inbegriff rhythmischer Ekstase. Im vorangestellten Stück Hasard greift Komponist Yehezkel Raz Ravels Themen auf, kehrt sie um, setzt sie einen Halbton tiefer und verlangsamt radikal den Rhythmus. Die Melodie ist kaum noch erkennbar; stattdessen entsteht eine ruhige Impulslosigkeit, die den TänzerInnen den festen Boden für ihre Schrittfolgen zu entziehen scheint.
Im zweiten Teil folgt der pulsierende Boléro. Dessen elementaren Beat erforscht Sita Ostheimer choreografisch und blickt dabei hinter Ravels Mythos – auf das, was uns Menschen antreibt. Denn alles Leben pulsiert im Rhythmus: Herzschlag, Atem und Schritte. Parallel zur Musik wächst auch die Choreografie zum körperlichen Crescendo: Vom feinen Fingerspiel steigert sich die Dance Company – immer schneller, höher, weiter – bis zur völligen Erschöpfung. Der Verzicht auf Bühnenbild und Illusion rückt den Menschen in den Mittelpunkt und lässt das Rohe und Unperfekte sichtbar werden – unser Sehnen, Scheitern und Wiederaufstehen. Klatschen und Stampfen verweisen dabei auf die volkstänzerischen Wurzeln des Bolero.
Tickets und weitere Infos hier: Tanztage - Kulturamt Ingolstadt