Wie sieht ein Bühnenbild aus, das ein Fitnessstudio, ein Gefängnis, eine Kathedrale und eine Gummizelle zugleich sein kann? Bei der Bauprobe zur Uraufführung „Gym“ wurde genau diese Frage erlebbar.
Mit Verena Keßlers Romanadaption bringt Regisseurin Jessica Weisskirchen eine Geschichte auf die Bühne, die mitten ins Herz unserer Leistungsgesellschaft trifft. Im Mittelpunkt steht eine namenlose Protagonistin, die ihren neuen Job im MEGA GYM mit einer Lüge beginnt. Was zunächst wie eine kleine Notlösung erscheint, entwickelt sich zu einer Spirale aus Ehrgeiz, Konkurrenz und Selbstoptimierung. Der Wunsch, dazuzugehören, verwandelt sich in den fanatischen Drang, immer die Beste zu sein.
„Was treibt uns an, immer weiterzugehen – bis ans Limit und vielleicht sogar darüber hinaus?“ Diese Frage steht im Zentrum der Inszenierung. Jessica Weisskirchen, die selbst aus einer „Gym-Family“ stammt, nähert sich diesem Kosmos mit großer Genauigkeit und persönlichem Blick. Gemeinsam mit Choreograf Hannes-Michael Bronczkowski entwickelt sie eine präzise Körpersprache, die den permanenten Leistungsdruck und das ständige Vermessen des eigenen Körpers eindrucksvoll sichtbar macht.
Auch die Ausstattung von Wanda Traub übersetzt diese Themen in starke Bilder: Ein cleaner Raum, der an eine Gummizelle erinnert und sich im Verlauf des Abends zunehmend auflöst. Ein begehbares Gerüst, überdimensionierte Sportgeräte, Spiegel und Drehtüren schaffen eine wandelbare Bühne, auf der sich Fitnessstudio, Gefängnis und sakraler Raum miteinander verbinden. Die organisch gestalteten „Muskelfaserkostüme“ verleihen allen Figuren eine gemeinsame Ästhetik und machen den Körper selbst zum Schauplatz des Geschehens.
Schon bei der Bauprobe wurde deutlich: „Gym“ wird weit mehr als eine Geschichte über Fitness. Es ist ein Theaterabend über Leistungsdruck, Schönheitsideale und die Sehnsucht nach Kontrolle – und darüber, was passiert, wenn Selbstoptimierung zur Ersatzreligion wird. Bewegung, Raum und Schauspiel greifen dabei eng ineinander und machen den körperlichen wie psychischen Wettkampf unmittelbar erfahrbar. Premiere ist am 13. November 2026 im Kleinen Haus!