Spielplan 2019/2020

»… Liebe macht vor keiner Mauer halt, und was die Liebe kann, wird Liebe immer wagen.«
— Shakespeare, »Romeo und Julia«

Shakespeares Stück »Romeo und Julia« ist ein hitziger Liebesfieberwahn, der die Liebenden in kürzester Zeit vom höchsten Liebesglück in Tod und Vernichtung führt. Am Drehpunkt des Stücks phantasiert der todesahnungsvolle und zerrissene Mercutio über die Macht des Traums. In irrwitziger Verdichtung und alptraumhaften Bildern beschwört er Frau Mab, die Fee, die in der Nacht die Schlafenden mit Träumen überfällt und Glück vorgaukelt, das sofort zerrinnt. »Ich sprech von Träumen, / Den Kindern unbeschäftigter Gehirne, / Erzeugt von Blasen eitler Phantasie, / Die als Substanz so dünn ist als die Luft.« Auf Träume kann man nicht bauen und Träumer lassen sich durch Illusionen täuschen; sie lügen in der festen Überzeugung, nichts als die Wahrheit zu sagen. Nichts ist, wie es scheint. Romeo sieht die schlafende Julia und hält sie für tot. Er tötet sich selbst und Julia erwacht. Traum und Wirklichkeit verschwimmen. »Oh wunderschöne Nacht ! Ich hab so Angst, / Weil alles Nacht ist, alles sei nur Traum.«

Eine beunruhigende Botschaft zu Beginn einer neuen Spielzeit. Eine Botschaft, die lange nachhallt. Alle unsere Hoffnungen und Wünsche, Lebensentwürfe und Karrierepläne, Partnersuche auf Tinder, Parship oder sonstigen Plattformen, all unsere Lebens- und Überlebensstrategien könnten sich letztendlich als »eitle Phantasie« erweisen. Was für ein krasser Spiegel, den Shakespeare uns heute so rasend schnell lebenden, oft oberflächlich atemlosen und medial infizierten Menschen vorhält: Am Ende zerbricht die Illusion über die eigene Großartigkeit, über das so wunderbar gefeierte Leben, über den Karrieretraum oder die Liebe in unendlich viele Scherben, die sich dann nur noch als Zerrbild zusammenfügen lassen.

»Liebe« ist das Motto der Spielzeit 2019 / 20 – und gleich zu Beginn der Spielzeit ist es um die Liebe nicht gut bestellt. Marieluise Fleißer zeigt in ihrem wilden Frühwerk »Fegefeuer in Ingolstadt« junge Menschen, »die suchen müssen und noch lange nicht finden, die in die Irre laufen bis zur Todessehnsucht hin und da ist keiner, der ihnen helfen kann«. Junge Menschen begehren auf gegen eine verkrustete Stadtgesellschaft, leidenschaftlich und lebenshungrig – die Fleißer führt sie, wie Shakespeare, in die totale Katastrophe.

So ist das mit der Liebe: Sie dauert oder dauert nicht, wie Brecht lakonisch feststellt. Wir Menschen jagen ihr nach, voller Sehnsucht und Hoffnung, »Nach Moskau ! Nach Moskau« (Tschechow), und am Ende der Nacht, vor Sonnenaufgang, gestehen wir uns ein, dass wir gescheitert sind.

Aber dieser Widerspruch, die Sehnsucht und die Möglichkeit des Scheiterns, die Hoffnung, die Utopie eines
besseren Lebens, der Hunger und die Gier, das alles ist unser Leben und dieses Universum zeigt das Theater, indem es von eben diesem Leben erzählt. Deshalb brauchen wir Theater. Heute, morgen und übermorgen. Es fasst uns an, berührt uns und konfrontiert uns mit uns selbst. Und manchmal geht die Geschichte ja auch gut aus.

Liebe steht gegen den Hass, den wir tagtäglich in wachsendem Ausmaß gesellschaftspolitisch und in den sozialen Netzwerken auf beunruhigende Weise erfahren. Die Liebe und das tragische Ende von Romeo und Julia befrieden die streitenden Parteien letztlich doch. Wir brauchen starke Geschichten, die uns bewegen und an denen wir Anteil nehmen wollen. Wir brauchen ein Ensemble, das die Stoffe leidenschaftlich, genau und glaubhaft erzählen kann. Wir brauchen Regisseure, die diese großen und kleinen Geschichten phantasievoll umsetzen können. Die haben wir. Wir freuen uns auf Claus Peymann und die neue Oberspielleiterin Mareike Mikat, auf Sebastian Kreyer, Donald Berkenhoff und Christoph Mehler, auf Jochen Schölch, Tobias Hofmann, Philip Moschitz, Maaike van Langen und Alexander Nerlich, auf Simon Dworaczek und Niko Eleftheriadis, Julia Mayr, Jule Kracht, Kathrin Lehmann, Linda Göllner, Christina Schelhas und Markolf Naujoks – sie alle arbeiten mit ihren Teams am Stadttheater Ingolstadt um Geschichten zu erzählen, die uns erregen und bewegen, die relevant sind und eine Stadtgesellschaft in produktive Unruhe bringen und mitunter den Pulsschlag erhöhen. Es sind Geschichten vom Leben, die in diesem Zauberhaus erzählt werden und – das ist fast das Schönste: Danach reden wir darüber, analog und leidenschaftlich. Deshalb brauchen wir ein funktionierendes Stadttheater im berühmten denkmalgeschützten Hämer-Bau und Kammerspiele, in denen als Bürgertheater für und mit der  Bürgerschaft Geschichten von unserem Leben erzählt werden. Alles wird gut.

 

Viel Spaß in der Spielzeit 2019 / 20 wünscht
 


Knut Weber

 

Großes Haus

 

The Black Rider. The Casting of the Magic Bullets

William S. Burroughs/Robert Wilson, Musik: Tom Waits

Regie: Brian Bell

Premiere: 28. September 2019 

 

Romeo und Julia

Tragödie von William Shakespeare

Regie: Mareike Mikat

Premiere: 18. Oktober 2019 

 

Der Revisor  

Komödie von Nikolaj Gogol

Regie: Sebastian Kreyer

Premiere: 7. Dezember 2019 

 

Welt am Draht  

Nach dem Film von Rainer Werner Fassbinder

Regie: Donald Berkenhoff

Premiere: 1. Februar 2020 

 

Hunger und Gier (Uraufführung)   

Ein Musikspektakel nach Motiven der Märchenoper »Hänsel und Gretel« von Engelbert Humperdinck

Regie: Knut Weber; Kevin und Tobias Schmutzler

Musikalische Leitung: Walter Lochmann 

Premiere: 21. Februar 2020 

 

Drei Schwestern   

Drama von Anton Tschechow

Regie: Christoph Mehler

Premiere: 27. März 2020 

 

Vor Sonnenaufgang   

Von Ewald Palmetshofer

Nach Gerhart Hauptmann

Regie: Jochen Schölch

Premiere: 24. April 2020 



 

Kleines Haus

 

In a Land called Honalee. Ein »Peter, Paul & Mary«-Abend

Regie: Niko Eleftheriadis 

Premiere: 10. Oktober 2019

 

Big Guns (Deutschsprachige Erstaufführung)

Von Nina Segal

Deutsch von Thomas Arzt 

Regie: Mareike Mikat

Premiere: 15. November 2019

 

Der kleine Horrorladen - Little Shop of Horrors

Musical in zwei Akten 

Musik von Alan Menken/Buch und Liedtexte von Howard Ashman/Nach dem Film von Roger Corman, Drehbuch von Charles Griffith/Deutsch von Michael Kunze

Regie: Philipp Moschitz 

Musikalische Leitung: Tobias Hofmann

Premiere: 6. Dezember 2019

 

Einige Nachrichten an das All 

Wolfram Lotz 

Regie: Maaike van Langen

Premiere: 7. Feburar 2020

 

Tyll 

Nach dem Roman von Daniel Kehlmann

Regie: Alexander Nerlich 

Premiere: 28. März 2020

 

 

 

Studio im Herzogskasten

 

Lenya Story

Ein Liebeslied

Torsten Fischer und Herbert Schäfer (Text), Kurt Weill (Musik) 

Regie und musikalische Leitung: Tobias Hofmann

Premiere: 3. Oktober 2019

 

Furor

Lutz Hübner und Sarah Nemitz

Regie: Simon Dworaczek

Premiere: 29. November 2019

 

 

 

Freilicht im Turm Baur

 

In 80 Tagen um die Welt

Nach Motiven des gleichnamigen Romans von Jules Verne

Dramatisiert und mit Liedern von Peter Jordan und Leonhard Koppelmann

Regie und Musikalische Leitung: Tobias Hofmann

Premiere: 19. Juni 2020

 

 

 

Musiktheater Gastspiele

 

SIREN 

Danish Dance Theatre

Choreographie: Pontus Lidberg

Musik: Stefan Levin, Franz Schubert

Ab 24. Oktober 2019 im Großen Haus 

 

Die Schöne und das Biest 

Stadttheater Brno (Brünn)

Märchenmusical

Von Martin Doepke (Musik), Christian Bienieck (Buch), Andrea Friedrichs (Idee), Hans Holzbecher (Idee), Elke Schlimbach (Liedtexte) und Grant Stevens (Liedtexte)

Regie: Stano Slovák

Ab 4. Januar 2020 im Großen Haus 

 

Ein Amerikaner in Paris

Euro Studio Landgraf

Musik und Liedtexte von George und Ira Gershwin

Buch von Craig Lucas • Deutsch von Roman Hinze und Kevin Schroeder

Musikalische Leitung: Heiko Lippmann

Regie / Choreografie: Christopher Tölle

Ab 16. Januar 2020 im Großen Haus 

 

Classy Classics

Theaterhaus Stuttgart: Gauthier Dance

Choreographie: William Forsythe, Eric Gauthier, Marco Goecke, Ohad Naharin, Cayetano Soto

Ab 4. Februar 2020 im Großen Haus 

 

Ariadne auf Naxos 

Staatstheater Augsburg

Richard Strauss und Hugo von Hofmannsthal

Regie: Dirk Schmeding

Ab 3. April 2020 im Großen Haus 

 

Die Entführung aus dem Serail  

Meininger Staatstheater

Deutsches Singspiel in drei Aufzügen • Wolfgang Amadeus Mozart • Text von Christoph Friedrich Bretzner • In einer Bearbeitung von Johann Gottlieb Stephanie d. J.

Regie: Roman Hovenbitzer

Ab 3. Juni 2020 im Großen Haus 

 

 

 

Werkstatt/Junges Theater

 

Rose und Regen, Schwert und Wunde 

Von William Shakespeare

Ein Sommernachtstraum

Eine Bearbeitung für fünf Schauspieler von Beat Fäh

Deutsch von Erich Fried

Ab 14 Jahren

Regie: Julia Mayr

Premiere: 5. Oktober 2019 

 

Der Räuber Hotzenplotz  

Wintermärchen

Eine Kasperlgeschichte

von Otfried Preußler

Ab 6 Jahren

Regie: Tobias Hoffmann

Premiere: 16. November 2019 

 

Rosablau - Die Welt in zwei (Arbeitstitel) 

Projektentwicklung

Ab 7 Jahren

Empfohlen ab Jahrgangsstufe 1 bis 4

Regie: Christina Schelhas

Premiere: 15. Dezember 2019 

 

So groß - so klein

Ein clowneskes Spiel mit den Größenverhältnissen.

Projektentwicklung von Kathrin Lehmann für Kinder

Empfohlen ab 2 Jahren

Premiere: Winter 2019/2020 

 

Die Zertrennlichen (Les séparables) 

Fabrice Melquiot

Deutsch von Leyla-Claire Rabih und Frank Weigand

Empfohlen ab 9 Jahren

Regie: Jule Kracht

Premiere: 1. März 2020 

 

Moby Dick 

Herman Melville

Ab 13 Jahren

Regie: Markolf Naujoks

Premiere: April 2020 


 

Pressestimmen zum Spielplan 2019/2020

 

Kinder stürmen das Stadttheater (Donaukurier, 4. April 2019)

Kühne Träume von Mensch und Maschine (Donaukurier, 4. April 2019)