Küss mich hinter Kaufhof

Jugendstück von Anne Habermehl ab ca. 14 Jahren

ab ca. 14 Jahren

„The Mosquito“ nennt sich ein in Großbritannien entwickelter Ultraschall-Störgeräuschsender, dessen Ziel es ist, mittels Schallwellen in hohen Frequenzbereichen herumlungernde Jugendliche von öffentlichen Plätzen zu vertreiben. Max und Alex sind zwei solcher Jugendlicher, die sich weigern, einen Platz in der Gesellschaft einzunehmen – und ihr Leben vor dem Supermarkt verbringen. Aber Klauen als Lebensgrundlage ist auf Dauer nicht durchführbar – und als sie von der Supermarktchefin vertrieben werden und sich Alex auch noch in Lia, die selbstbewusste hübsche Supermarktkassiererin verliebt, bekommt die Beziehung zwischen Max und Alex erhebliche Risse. Während Alex mit seiner Liebe zunächst erfolgreich scheint und fast wie nebenher auch noch einen Job im Supermarkt ergattert, versucht Max immer verzweifelter, noch die letzten Ressouren, die er hat, zu Geld zu machen, bis er sich schließlich an einen Einsamen als Sohn verkauft und in letzter Konsequenz seine gesamte Identität zum Kauf anbietet. Unter den argwöhnischen Augen der Filialleiterin des Supermarkts, die nichts mehr mit der Generation unter ihr gemein zu haben scheint und doch dieselben Sehnsüchte teilt, kämpfen wiederum Alex und Lia um ihre Beziehung. Eine Nacht mit Max und das Nicht-Finden einer gemeinsamen Lebensutopie mit Alex lassen Lia schließlich alleine zurück. Am Ende treffen sich Max, Alex, Lia, der Kunde und die Filialleiterin wieder in einer Welt, in der sie gemeinsam zurückgeworfen werden auf ihr eigenes Selbst. Anne Habermehls Figuren ringen um Orientierung in einer Gesellschaft, die ihre eigenen Spielregeln außer Kraft setzt, bis es nur noch um das nackte emotionale Überleben geht. Nicht nur die drei Jugendlichen verstecken sich hinter Schutzpanzern und versuchen gleichzeitig verzweifelt, ihre Identitäten zu wechseln und abzustreifen, um das Innere ihres eigenen Kokons zu fühlen – auch die offensichtlich Erwachsenen in »Küss mich hinter Kaufhof« verfangen sich permanent in verräterischen Selbstbetrugsformeln. Allen Figuren gemein ist dabei ihre Hilflosigkeit, der globalisierten Welt etwas anderes entgegenzusetzen als den Tausch, als den Deal mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln – einschließlich ihrer eigenen Gefühle. »Die Liebe«, erklärt Anne Habermehl als Vorbemerkung zu ihrem neuesten Stück »Daddy«, »ist der letzte Strohhalm in einer utopielosen Welt.« An diesen Strohhalm klammern sich alle ihre Figuren irgendwann. Allein um einander Halt zu geben, dafür ist jeder von ihnen selbst zu bedürftig. Die 29-jährige Berliner Autorin Anne Habermehl studierte szenisches Schreiben an der Universität der Künste Berlin. »Küss mich hinter Kaufhof« ist ihr erstes abendfüllendes Stück und wurde 2009 am Theater Chemnitz uraufgeführt. Ihr Stück »Letztes Territorium« wurde nicht nur im Rahmen der Hamburger Autorentage 2008 für eine Werkstattinszenierung ausgewählt, sie wurde auch zum Dramatikerworkshop des Berliner Theatertreffens 2008 eingeladen, aus dem sie als Preisträgerin für den Werkauftrag des tt Stückemarkts hervorging. Im Juni 2009 wurde zuletzt ihr Stück »Daddy« am Bayerischen Staatsschauspiel uraufgeführt.
Regie: 
Sebastian Hirn
Ausstattung: 
Sebastian Hirn, Sebastian Hirn
Kostüme: 
Constanze Knapp
Dramaturgie: 
Lene Grösch
Premiere am ,
Kleines Haus
Dauer: 80 Minuten