Ritterland

Kindermusical von Margit Sarholz & Werner Meier (»Sternschnuppe«) ab 5 Jahren

Das Kindermusical ›Die Kuh, die wollt’ ins Kino geh’n‹ begeisterte bei seiner Uraufführung in Ingolstadt 2006 junges wie jung gebliebenes Publikum. Wir freuen uns nun darauf, auch das neueste Kindermusical ›Ritterland‹ von Margit Sarholz und Werner Meier (›Sternschnuppe›) als Uraufführung in Ingolstadt präsentieren zu können. Die Geschichte: Die »Brezn-Beißer-Bande«, drei Jungs und ein Mädel aus dem Dorf sind ganz aufgeregt und pirschen am Wochenende durch die leeren Baustellen und Rohbauten. Auf einmal hört man einen Laster herfahren und hupen. »Da ziehen doch glatt schon die ersten ein!« – »Ab ins Versteck!« Man hört Stimmen und geschäftiges Hin und Her. Ein Junge, Ferdinand, schlappt auf die Bühne und schiebt missmutig einen Karton vor sich her. Daheim in der Stadt, da war er nämlich Ober-Ritter und Burgherr vom Hinterhof, mit vielen Ritterfreunden. Er will nix wie zurück in die Stadt. Aber da macht Ferdinand eine kuriose Entdeckung: Das Straßenschild! Die neue Straße, in der sie jetzt wohnen heißt Ritterland. Ritterland! – Das gibt’s ja nicht! Und er beginnt mit sich allein ein wildes Ritter-Fantasiespiel mit Accessoires von der Baustelle. Da springen die Dorfkinder plötzlich aus ihren Verstecken, machen sich über ihn lustig und zeigen ihm gleich mal so richtig, dass sie auf den eingebildeten Stadtschnösel verzichten können. Bis Rosalie, das Mädchen aus der Bande, die anderen ausbremst, weil sie das Ganze zu gemein findet. Und ein bisschen auch, weil der fremde Junge gar nicht so übel ist. Schließlich springt das Ritterfieber auf alle über: Weil die neue Straße im Dorf schließlich Ritterland heißt, will auf einmal jeder ein Original-Ritter-Nachfahre sein! Aber die Rivalität zwischen Ferdinand und Max, dem Chef der »Brezn-Beißer-Bande« bleibt. Plötzlich platzen ein echter Ritter und sein Knappe in die Kinderritterspiele. Zuerst will der aufbrausende Ritter dieses ganze respektlose Jungvolk zu Brei schlagen, aber dann überredet ihn sein findiger und listiger Knappe, diese doch lieber zu Rittern zu schlagen, damit sie ihm helfen ins Mittelalter zurückzufinden. Ritter Zahnstein ist nämlich vor lauter Zahnweh und aus Angst vor den brutalen mittelalterlichen ‚Brecheisen und Hammer-Behandlungsmethoden’ aus dem Mittelalter geflüchtet zu einem Zahnarzt in der Neuzeit. Aber nun finden die beiden nicht mehr den Weg zurück ins Mittelalter ... Ein lustiges Abenteuer beginnt! Margit Sarholz schreibt Theaterstücke, Bücher und Lieder für Kinder, 1986 gründete sie das Kindertheater ›Sternschnuppe‹. Werner Meier ist mit Leib und Seele bayerischer Kabarettist und Liedermacher (Autor von ›Mir san mir‹ 2008). 1993 kam den beiden Künstlern die Idee, ihre Erfahrungen und Talente aus dem Kabarett, dem Kindertheater und dem eigenen Elternsein in einen Topf zu werfen. Mit viel Spaß am Reimen, Texten und Komponieren, am Spielen und Spinnen entstand daraus die erste Kinderlieder-Produktion ›Taxi Maxi‹. Die Lieder von Margit Sarholz und Werner Meier erzählen vom prallen Kinderleben und stecken voller Wortwitz und Fantasie. »Kinder sind gute Zuhörer. Sie hören sich Lieder in einer Intensität und Häufigkeit an, wie es Erwachsene nie tun würden. Solchen Zuhörern gebührt, dass man ihnen bestes Hörfutter anbietet.« Davon ist Margit Sarholz überzeugt. Die Musik ist vielfältig und bunt gemischt: Rock, Rap und Reggae, Tango, Salsa und Walzer gesellen sich mühelos zum bayerischen Zwiefachen.
Regie: 
Jürg Schlachter
Ausstattung: 
Isabell Heinke
Dramaturgie: 
Matthias Grätz
Premiere am ,
Großes Haus
Dauer: 70 Minuten
Kulturkanal – 15.11.2010
Ein herrlicher Spielplatz der Fantasie
Auf der großen Bühne des Theaters Ingolstadt wird eine Baustelle zum Ritterland „Ritterland“, das neue Kindermusical von „Sternschnuppe“ ist im reichen Theaterland von Regisseur Jürg Schlachter ein herrlicher Spielplatz der Fantasie für Kinder und Erwachsene. Eine Kreativ-Baustelle mit dem Baustellenschild „Ritterland“ ist der Schauplatz für das neue Kindermusical „Ritterland“ von „Sternschnuppe“, das letzten Freitag im großen Haus des Theaters Ingolstadt uraufgeführt wurde. Hier stranden zwei Zeitreisende aus dem Mittelalter, Ritter Zahnstein von Lahnstein und sein Knappe Knut, die sich – aus verständlichen Gründen – zu einem Zahnarzt der Gegenwart verirrt haben und nun nicht mehr zurückfinden durch den Zeitwald, nachhause ins Mittelalter. Und hier im Neubaugebiet „Ritterland“ entdecken Ferdinand, der Hinterhofritter aus der Stadt und die Jugendbande aus dem Dorf, wie man sich in die Zeit der ritterlichen Vorfahren hineinspielen kann, indem man das, was man auf der Baustelle findet umfunktioniert und umdeutet: Plastikrohre zu Schwertern, Maurerkübel mit Henkel zum Visier, Zementsäcke zu Kettenhemden, rot-weiße Absperrkegel zur Spitzhaube des Burgfräuleins. Und ein simpler Auflagebock wird mit Kabeln als Schwanz und Mähne zum begehrten Statussymbol für einen Ritter, sein Pferd. Das Urprinzip des Theaters, Requisiten und den Raum zu fiktiven Bedeutungen zu verwandeln, wird hier zum lustigen, überraschenden und fantasieanregenden Spiel, das aus dem profanen Alltag Sehnsuchtsbilder generiert, ganz ohne Fantasy-Perfektion. Die wechselseitige Durchdringung der beiden Zeitebenen ist ein intelligenter Kunstgriff des Autorenteams Margit Sarholz und Werner Meier, um Vergangenheit und Gegenwart mit witzigen Anachronismen zu beleuchten, entsprechend locker ritterliche Tugenden und Jugendgruppendynamik von heute zu spielerischen und herrlich absurden Handlungssträngen und Problemlösungen zu verschränken. Und Regisseur Jürg Schlachter, ein Feind aller billig-knalligen Kindertheater-Effekte, bietet alles auf, was die Kraft der Improvisation an Überraschungen für eine solche Fantasiereise an die Hand gibt. Aber es bleibt nicht bei der Ebene eines Abenteuerspielplatzes, aus Trash munteres Ritterspielen zu machen. Denn in dieser Verschränkung der Zeit- und Wirklichkeitsebenen ist es auch nicht ausgeschlossen, dass die Hexe Rapfurza sich wieder in ein schönes Mädchen verwandelt und ein Dixi-Baustellenclo zum Raumschiff-Start ansetzt. Komischer Slapstick von Peter Greif und Adelheid Bräu als Ritter und Knappe, Bühnenmagie mit Schattenspielen oder einem elektrisch gesteuerten Igel, Puppenspiel als Comedyshow des Ritters beim Zahnarzt, Gruseleffekte wie der Auftritt der Hexe, die unerwartet einschweb, mit halligem Raumklang singt und spricht, und die kleinsten unter den Zuschauern auch ein bisschen verängstigt, werden kontrastiert mit den reizenden Aktionen von zwei Stoff-Tieren, die wie in der Muppetshow aus der Loge der Baustelle das Geschehen beobachten und witzigen Gags, etwa wenn der alte Ritter mit einem Flaschenzug auf die oberste Baustellenetage gehievt wird. Lachen und Staunen kann man in dieser Aufführung, Vertrautes schmunzelnd wiedererkennen und sich von Unerwartetem bezaubern lassen – selbst als Erwachsener. Einen so verblüffenden Triumphzug wie ihn „Schwarte“ in einem Schubkarren als Triumphwagen erleben kann, erträumen nicht nur gehänselte Jugendliche sondern sicher auch manche Politiker. Ausstatterin Isabell Heinke hat mit ihrer mehrstöckigen Baustelle einen optimalen Spielort geschaffen, der nicht nur alle Utensilien zum Abenteuerspielen parat hält, sondern mühelos zum Fantasyraum für Zeitreisen, für Schattenspiele und Hexenauftritte mutiert. Manuela Brugger: Wie kann eine Hexe gleichzeitig so beängstigend zornig und so verführerisch sein? Christian Arndt, Robert Augustin, Maria Helgath, Karlheinz Habelt und Richard Putzinger: eine Jugendbande, gespielt von Erwachsenen, die ihre jugendliche Spielfreude wiederentdecken und nicht albern auf Kindlichkeit machen. Es sind nur acht individuell geführte Darsteller. Und dennoch gibt es soviel zu sehen wie oft bei gigantischen Massenszenen nicht. Weil Jürg Schlachter soviele poetische, witzige, skurrile Simultanaktionen erfunden hat, dass man fast mehrmals in „Ritterland“ gehen müsste, um dieses Theaterreich zwischen Märchenland und Abenteuerspielplatz noch besser kennenzulernen. Und natürlich haben „Sternschnuppe“ wieder eine ihrer Stärker ausgespielt: Hübsche Songs mit Anklängen an Rittersleut-Volkliedgut, Rap, Rock, Tango oder Polka mit super witzigen Sprachspielen und lustigen Reimen, die hier natürlich auch aus den Anachronismen und Missverständnissen zwischen Mittelalter und Gegenwart Nahrung finden. Noch reizvoller als „Die Kuh, die wollt ins Kino gehen“! - Also für die ganze Familie Karten besorgen für „Ritterland“ von Margit Sarholz und Werner Meier, inszeniert von Jürg Schlachter im Theater Ingolstadt. (Isabella Kreim)
Neuburger Rundschau – 16.10.2010
Zeitreise in der Dixie-Toilette
Ingolstadt (NR) Gruselig begann die Uraufführung von Ritterland im Stadttheater Ingolstadt im Großen Haus. An einem langen Seil hängend wetterte und schimpfte die Hexe Rapfurza (Manuela Brugger), so Angst einflößend, dass die meisten Kinder auf den Schoß der Mutter flüchteten, wenn nicht sogar heulend den Saal verließen. Wer durchgehalten hatte, durfte eine wunderbare, einfallsreiche Geschichte, mit Mut machenden Liedern aus der Feder von Margit Sarholz und Werner Meier erleben. Eine Zeitreise zwischen zwei Welten. Ritter mit dem weißen Hemd soll Zahnschmerzen heilen Ritter Zahnstein von Lahnstein (Peter Greif), der sich mit seinem Knappen Knut (Adelheid Bräu) in die Neuzeit geschlingelt hatte, um seinen Zahnschmerz von einem Ritter mit weißen Hemd wegzaubern zu lassen, traf auf eine Bande von Jungrittern, die der guten alten Zeit hinterher träumten. Das Bühnenbild, eine Baustelle, auf der „Eltern für ihre Kinder schuften“, bot jede Menge Entfaltungsmöglichkeiten. So wurde aus dem Baustellengerüst schnell eine Burg, und Eimer, alte Gießkannen und leere Zementsäcke wurden zu Ritterrüstungen unfunktioniert. Wir bauen uns ein Ritterland, so lautete die Devise. Dass in diesem Ritterland plötzlich ein echter Ritter auftaucht, war jedoch nicht geplant. Jetzt war Mut und Tapferkeit angesagt, denn der alte Ritter brauchte ritterliche Unterstützung in seinem Kampf gegen die Hexe Rapfurza. Ihr hatte er den Schlüssel zum Tor der Zeit geraubt, um durch den Zauberwald in die Neuzeit zu gelangen. Nun musste der Weg zurück gefunden werden. Da der Ort für die Rückkehr stinkend sein musste, wurde eine Dixi-Toilette für die Heimreise genutzt. Raketengeräusche und Lichteffekte sorgten für eine spektakuläre Reise in die Vergangenheit. Doch wer überraschenderweise den Ritter und seinen Knappen auf dem Weg in die Vergangenheit begleitete, sei nicht verraten. Eine wunderschöne Premiere, eines pädagogisch ausgefeilten Kindermusicals. Herzlich willkommen in Ritterland! (Claudia Vorndran)