The Rocky Horror Show

Musical von Richard O’Brien

Die Transsylvanier kehren zurück: Vierzehn Jahre nachdem die ›Rocky Horror Show‹ dem Theater Ingolstadt seinen bislang größten Publikumserfolg bescherte, kommt das kultige Popmusical zurück auf die Bühne des Großen Hauses. Freuen Sie sich auf die Neuinszenierung des frech-frivolen Rock’n- Roll-Musicals, das seit seiner Uraufführung 1973 in London besonderen Kultcharakter genießt. Mit der Filmversion, der ›Rocky Horror Picture Show‹ wurde das Musical ab Mitte der siebziger Jahre auch in Deutschland ein Hit! Der Film läuft beispielsweise in München bis heute (seit über 30 Jahren) ununterbrochen im selben Kino! Die Story: Nach einer Hochzeitsfeier gesteht Brad Majors der Angebeteten Janet Weiss seine Liebe. Um die Verlobung perfekt zu machen, beschließen sie, gemeinsam zu ihrem ehemaligen Lehrer Dr. Scott zu fahren, in dessen Unterricht sie sich kennen lernten. Doch die Autofahrt in einer stürmischen Gewitternacht endet mit einem geplatzten Reifen in einer recht unwirtlichen Gegend. Sie erreichen ein rätselhaftes Schloss, ›The Frankenstein Place‹, in dem seltsame Gestalten eine wilde Party feiern. Doch statt der erhofften Gelegenheit zum Telefonieren begegnet ihnen hier reichlich Unerwartetes: Der exzentrische außerirdische Wissenschaftler Dr. Frank’n’Furter vom Planeten ›Transsexual‹ aus der Galaxie ›Transsylvania‹ präsentiert seinen Mitbewohnern in dieser Nacht seine neueste und bisher größte Schöpfung, das blonde und muskelbepackte Retortenwesen ›Rocky‹, das er in erster Linie zu seinem – auch sexuellen – Vergnügen erschaffen hat. Brad und Janet werden unfreiwillig Zeugen dieser Enthüllung: Was da im Labor aus dem Ei schlüpft, ist ein Supermann; blond, braungebrannt und muskulös begeistert er die Menge. Während der Nacht führt Frank’n’Furter nacheinander Brad und Janet in die Geheimnisse der Liebe ein. Janet ist so begeistert, dass sie ihre neu erworbenen Kenntnisse sogleich mit Rocky in die Tat umsetzt. Doch Frank’n’Furter treibt sein Spiel zu weit. Als dann noch Dr. Scott auftaucht, der sich auf der Suche nach seinem Neffen Eddie befindet, der für Frank’n’Furter als Lieferjunge gearbeitet hat, eskalieren die Ereignisse. Die anderen Transsylvanier, angeführt von Riff Raff und seiner Schwester Magenta, wollen Frank’n’Furter festsetzen und zum Heimatplaneten zurückkehren. Die Nacht gerät aus den Fugen ... Die ›Rocky Horror Show‹ ist ähnlich wie das Musical ›Hair‹, an dem der Autor und Komponist Richard O’Brien in London selbst als Darsteller mitwirkte, ein spätes Kind der 68er. Die schillernde Revue aus Rock, Trash und schriller Provokation verband O’Brien mit einem Bekenntnis zu sexueller Freizügigkeit. Richard O’Brien verknüpfte in seiner ›Rocky Horror Show‹ seine Vorliebe für B-Movies, Science-Fiction-Klassiker und Low- Budget-Horrorfilme, aus denen er seine mit vielen Filmzitaten gespickte Geschichte zusammenbaute, mit ›dirty old Rock’n'Roll‹. Im Frühsommer 1973 brachte O’Brien seine ›Rocky Horror Show‹ im kleinen Londoner ›Theatre Upstairs‹ erstmals auf die Bühne, schon bald wechselte die Show wegen des ungeheuren Erfolges aber bereits ins Londoner West End. Bis heute lebt die ›Rocky Horror Show‹, sei’s auf der Bühne oder auch auf der Leinwand, von der aktiven Mitwirkung des Publikums, die einen wesentlichen Teil des ›Rocky Horror‹-Kults ausmacht. ›Rocky Horror‹-Fans wissen genau, welche Kostüme und Gerätschaften zum Mitspielen ins Theater mitgebracht werden müssen, damit alle gemeinsam eine ganz besondere Party feiern können: »Let’s do the Time Warp again!«
Regie: 
Peter Rein
Musikalische Leitung, Arrangements, Einstudierung: 
Tim Allhoff
Ausstattung: 
Bodo Demelius
Video: 
Thomas Wolter
Premiere am ,
Großes Haus
Dauer: 165 Minuten, mit Pause
AUGSBURGER ALLGEMEINE – 04.10.2010
SCHRILLE FREIHEIT
Ingolstadt (Augsburger Allgemeine) Bizarr, schrill, exzentrisch, sexy und herrlich geschmacklos – für all das steht seit 37 Jahren die „Rocky Horror Show“. Seit Samstag nun auch wieder, nach 14 Jahren, in Ingolstadt. „Freiheit“ lautet das Motto der neuen Spielzeit an der Donau, und so ist es nachvollziehbar, dass Peter Rein für die Saisoneröffnung im Großen Haus Richard O´Briens poppiges Kultmusical aussuchte. Der im nächsten Sommer Ingolstadt verlassende Intendant kann damit überdies zeigen, was sein Haus, sein Ensemble, seine Technik, seine Werkstätten alles leisten können. Und das war beeindruckend! Man scheute weder Kosten – verpflichtete etwa vier Luftartistinnen – noch Mühen, um den Zuschauern eine aufwendige Mitmachshow zu bieten. Die dankten es am Schluss, nach zweieinhalb amüsanten Stunden, mit verdienten Standing Ovations. Rein, deutlich auf die deutschen Musicalmetroploen Stuttgart und Hamburg schielend, setzte voll auf Entertainment. Feinheiten waren bei dieser Produktion seine Sache nicht, brauchten es auch nicht zu sein. Und trotz gelegentlicher leichter inszenatorischer Ermüdungserscheinungen, insbesondere nach der Pause, machte seine Regiearbeit Spaß, unterhielt prächtig. Souverän die Akteure auf der Bühne: Richard Putzinger als verschrobener Riff-Raff, Jan Gebauer als durchgeknallter Harley-Davidson-Eddie, O.J. Lynch als muskelbepacktes Retortenwesen Rocky sowie – „very british“ – Nik Neureiter als Erzähler in John-Steed-Manier. Nicht zu vergessen Maria Helgath und Enrico Spohn als anfangs schüchternes Pärchen Janet und Brad, das durch Zufall in die entfesselte, dekadente transsylvanische Gesellschaft gerät. Erwartungsgemäß aber wird die Show natürlich dominiert von Peter Reisser als wunderbar lasziver, bisexueller Dr. Frank`n`Furter in Strapsen, Nylons und hohen Pumps. (Peter Skodawessely)
Kulturkanal – 04.10.2010
HEUTE GEHTS UM EINE VERDAMMT GUTE SHOW
Der scheidende Intendant Peter Rein empfiehlt sich mit seiner Inszenierung der „Rocky-Horror-Show“ bundesweit als Regisseur für Musical-Shows. Mit enormem Aufwand ist ein mit allen Mitteln entfesseltes Bühnenspektakel entstanden, das mit kommerziellen Musical-Events mithalten kann. Eine Hochleistungsshow, in der aus Berlin eingekaufte Artistinnen, eine Dance-Company, das hauseigene Ensemble und eine Band um den Ingolstädter Theatermusiker und Jazzförderpreisträger Tim Allhoff zusammenwirken zu einem gemeinsamen: Seht und hört her, ihr Rocky-Horror-Film-Fans: Wir können‘s auch! Auf einer an der Zuschauerraum-Decke angebrachten Schiene schwebt die Artistin Annika Titze als Magenta ein und turnt akrobatisch an einem schwarzen Tuch hinauf und herunter. Zur Projektion von Sternenhimmel und Galaxien klettern und schwingen Luft-Artistinnen als blinkende Aliens auf dem eisernen Vorhang nach unten. Ein fantastisches Eingangsbild! Überhaupt spielt die Vertikal-Choreographie an roten Tüchern eine spektakulär belebende Rolle. Auch Frank‘n’ Furter schwebt in einem überdimensionalen Kronleuchter aus dem Bühnenhimmel zu seiner Party. Die Artistinnen singen und tanzen gemeinsam mit der Dance-Company in Annette Taubmanns turbo-erhitzter Choreographie, sodass ein Multitasking an unterschiedlichen Bewegungsabläufen auf der abgeschrägten Erdscheiben-Bühne und in der Vertikale an den roten Tüchern der Luft-Artistinnen entsteht. Für das Labor hat Bühnenbildner Bodo Demelius außerdem eine aufklappbare Glashaube auf die Schräge gestellt. Und selbstverständlich fehlt es auch nicht an den entsprechend überdrehten sexy-Outfits mit Strapsen, Korsetts und Highheels. Bildmächtig ist auch die Hochzeitsszene mit Brads Heiratsantrag, in der Frank‘n‘Furter als Christus am Kreuz hängt und seine Gehilfen makaber mit Särgen hantieren. Dass das Ingolstädter Ensemble, allen voran Peter Reisser als Frank‘n‘Furter mit Michael-Jackson- Charisma dabei als Darsteller, Sänger und Tänzer so glänzend bestehen kann, macht Freude. Richard Putzinger als buckliger, mit rauchiger Röhre singender Butler Riff Raff und Jan Gebauer als rockender Eddie auf dem Motorrad und der sexy Rocky von O.J. Lynch können sich sehen und hören lassen und bringen die Zuschauer nach jedem Song zum Kreischen. Denn auch der Jazz-Pianist Tim Allhoff leistet mit seiner Band ein mitreißendes Revival der bekannten Nummern und steuert zudem spacige Atmo-Sounds bei. Und hinterher dürfen die Putz-Kolonnen Sonderschichten einlegen. Reis und Toilettenrollen fliegen, beim Gewitter befördern nicht nur die Spritzpistolen der Zuschauer, sondern auch die Sprinkler-Anlage des Theaters die Mitmach-Rituale. Es waren bei der Premiere allerdings eher die Zuschauer in den hinteren Reihen die, bei Janet Weiss „sssz“ zischen und Nik Neureiter als sophisticated Erzähler zaghaft „boring“ entgegenrufen. Marie Ruback, neu im Ensemble, lässt als Columbia durch ihre Stimme aufhorchen, Rolf Germeroth ist ein amüsanter Dr. Scott in Albert-Einstein-Maske. Es ist eine ständig übertourig laufende Show – und die Story mit ihrem abstrusen Science-fiction-Ende ist eigentlich völlig wurscht. Man braucht keine Angst zu haben um Brad und Janet in dieser Grusel-Transvestiten-Welt. Obwohl Enrico Spohn als verklemmter College-Jüngling soviel aufgeweckten Charme versprüht und Maria Helgath eine Eyecatcher-Mischung aus Unschuldsengel mit untergründiger Erotik verkörpert. Ein hübscher Einfall sind die von versteckten Statisten bewegten Riesenkissen. Das Erwachen von Brads und Janets Sinnlichkeit durch Frank‘n’Furters Verführung und ihre Irritationen in diesem Transsilvania-Delirium können die Dauer-Entfesselung nicht zum Retardieren bringen. Was soll's auch. Provokation durch die (trans)-sexuelle Befreiung mag gestern, in den 70er Jahren, gewesen sein. Heute geht’s um nichts anderes als um eine verdammt gute Show. (Isabella Kreim)
MITTELBAYERISCHE ZEITUNG – 14.10.2010
DIE VERRUCHTEN VOM PLANTEN TRANSSEXUAL
Ingolstadt. Vor 15 Jahren hat das Ingolstädter Theater mit der „Rocky Horror Show“ Aufführungs- und Besucherrekorde gefeiert. An diesen Erfolg dürfte auch die Neuauflage anknüpfen. Bei der Premiere am Wochenende gab es Begeisterungsstürme, die Besucher sprangen von den Sitzen und erklatschten sich Zugabe um Zugabe. Der Kult um das 35 Jahre alte Musical funktioniert noch, auch wenn das Theater ein wenig geholfen hat. Feuerzeuge und Wunderkerzen waren zwar tabu, aber in den Einkaufstüten wurden die nötigen und dann auch ausgiebig genutzten Mitmach-Utensilien wie Reis und Wasserpistolen angeboten, so dass Happening-Stimmung aufkam, selbst wenn im Zuschauerraum bei der Premiere grelle Schminke und Strapse noch rar waren, es lediglich auffallend viele Stolas zu sehen gab. Es gibt eine Rocky-Horror-Welle an den deutschen Bühnen, denn die Aufführungsrechte waren über zehn Jahre gesperrt. Den Auftakt hatten im Sommer die Luisenburg-Festspiele gemacht. Nach Ingolstadt schließt sich im Januar auch das Regensburger Theater an. Das wird sich anstrengen müssen, um bei diesen prachtvollen Vorgaben mithalten zu können. Ingolstadt, wo Intendant Peter Rein selbst Regie führte, wartet mit einer überbordenden Opulenz auf. Turbulent geht es auf der Bühne zu, schier überwältigend ist die Flut der visuellen Eindrücke. Eine Dance-Company ergänzt die Darstellerschar, dazu präsentiert eine Artistinnen-Gruppe effektvolle Akrobatik. Die verruchte Truppe vom wilden Planeten Transsexual hat gehörig aufgerüstet. Der Star ist „Frank’n’Furter“, dessen Auftritt spektakulär beginnt, denn er schwebt an einem riesigen Leuchter herab. Peter Reisser ist sehr schön schrill und exzentrisch, reizt mit lasziven Posen - vor allem aber: Er hat auch eine tolle Stimme. Sehr gut bei Stimme ist auch Maria Helgeth, die dem Erweckungserlebnis der biederen Janet bei der Orgie im Sex-Schloss die nötige Portion Frivolität gibt. Und auch der spießige Brad (Enrico Spohn) weiß bald – schön komisch – um die Unterschiede von Männlein und Weiblein. Einfach eine Pracht ist der dunkelhäutige Rocky (O. J. Lynch). Der bedrohliche Riff-Raff (Richard Putzinger) wendet das Spektakel zum mörderischen und gruseligen Spuk, während die geheimnisvolle Magenta (Annika Titze) schließlich über die Köpfe der Zuschauer hinweg entschwebt. Nik Neureuter ist ein witziger Erzähler mit Schirm, Charme und Melone; Rolf Germer als Rollstuhl fahrender und bestrapster Dr. Scott entlockt viele Lacher. Auch der Sound der von Tim Allhoff geleiteten Band stimmt. Die Songs wie „Time Warp“ oder „Touch me“ sind fetzig wie eh und je. Wenn die Bestuhlung nicht wäre, würde das Publikum gewiss mittanzen! (Ulrich Kelber)