Blues Brothers: Im Auftrag des Herrn!

Das Rhythm & Blues Musical

Sie tragen Sonnenbrillen, sie tragen schwarze Anzüge, ihr Tank ist immer voll! Sie sind im Auftrag des Herrn unterwegs. Und: Sie haben noch einen langen Weg vor sich. Um das Waisenhaus in Chicago, in dem die Brüder Jake und Elwood aufgewachsen sind, vor der Schließung zu retten, müssen bei der zuständigen Finanzbehörde innerhalb kürzester Zeit 5000 Dollar eingezahlt werden. Das Problem ist, dass die strenge Mutter Oberin der Institution darauf besteht, dass das Geld legal verdient wird. Zur Orientierung schickt ihr Ziehvater Curtis die beiden zu einem Gottesdienst des genialen Gospelpredigers Right Reverend Cleophus James. Da trifft Jake das Licht! Sie machen sich auf den Weg, immer entlang an den Wurzeln der schwarzen Musik. Sie trommeln die verstreuten ehemaligen Bandmitglieder zusammen, die inzwischen alle in unerträglich ehrenwerten Berufen vor sich hin vegetieren. Sie schaffen es innerhalb kürzester Zeit, eine Rekordzahl an Gesetzen zu brechen, was zur Folge hat, dass nicht nur die gesamte Polizei Chicagos, sondern auch die Armee und die Nationalgarde ihre Verfolgung aufnehmen. Sie landen im Palace- Hotel Ballroom, um in einem einzigen krachenden Auftritt die Verhältnisse gerade zu rücken … Sie sind die Blues Brothers. Sie haben ihre Musik. Sie haben eine Mission. Sie sind unterwegs. Im Auftrag des Herrn. Sie retten, was zu retten ist! Mit den ›Blues Brothers‹ findet ein mitreißender und anarchistischer Kultstoff der Filmgeschichte seinen Weg auf die Bühne. Erleben Sie die Geschichte von Jake und Elwood live in einer eigenen Musical-Fassung des Theater Ingolstadt. Erleben Sie alle Hits von ›Everybody Needs Somebody To Love‹, über ›Gimme Some Lovin‹, ›Think‹ bis hin zu ›Sweet Home Chicago‹ und lassen Sie sich elektrisieren von der einzigartigen Kraft des Rhythm‘& Blues!
Regie: 
Peter Rein
Musikalische Leitung, Arrangements, Einstudierung: 
Tim Allhoff
Bühnenbild und Kostüme: 
Bodo Demelius
Video: 
Thomas Wolter
Premiere am ,
Großes Haus
Dauer: 180 Minuten, mit Pause
Neuburger Rundschau – 23.11.2009
Im Namen der Gaudi
John Landis' furiose Filmkomödie "Blues Brothers" avancierte 1979/80 zum Kultstreifen einer ganzen Generation, vermittelte sie doch ein mitreißendes BIld des damaligen American way of life und besonders des Lebensgefühls der Rhythm-&-Blues-Fangemeinde in den Vereinigten Staaten. Nun brachte Ingolstadts Intendant Peter Rein eine Bühnenadaption des Stoffs auf die Bühne seines Hauses. Man kann ihm und seinem Hausdramaturgen Thomas Schwarzer bescheinigen, dass dieses nicht ganz unproblematische Vorhaben gelang. Selten gab es hier bei einer Premiere schon nach den allerersten Takten so viel Zwischenapplaus, so viele beschwingte Gesichter wie bei "Blues Brothers: Im Auftrag des Herrn!". Das lag natürlich in erster Linie an der Musik - Hits wie "Everybody Nees Somebody To Love", "Gimme Some Lovin" und "Sweet Home Chicago" (Einstudierung und am Keyboard: Tim Allhoff) begeistern auch heute noch. Rein und Schwarzer verließen sich aber klugerweise nicht alleine auf die zündenden Songs. Mit viel inszenatorischem Witz und überraschenden Gags - die Verpflichtung der "gelernten" Luftakrobatin Annika Titze als Rache-Girl Carrie beispielsweise - schufen sie fürs Große Haus ein ausgelassenes und überdrehtes Bühnen-Musical. Peter Reisser (Elwood) und Ingolstadt-Gast Oliver Fobe (Jake) waren zudem zwei Hauptakteure, denen die schwarzen Anzüge, Hüte und Sonnenbrillen der stilbildenden Ur-Brothers Dan Aykroyd und John Belushi perfekt passten. Unterstützt wurde die turbulente Regiekonzeption von Ausstatter Bodo Demelius und der mit prächtigen Ideen aufwartenden Choreografin Annette Taubmann. Nach drei Stunden dann Standing Ovations und Zugabe-Rufe des begeisterten Premierenpublikums. Sie wurden erfüllt. Von Peter Skodawessely
KULTURKANAL INGOLSTADT – 23.11.2009
BLUES BROTHERS: IM AUFTRAG DES HERRN!
Fulminant beginnt und endet die "Blues-Brothers" –Produktion am Theater Ingolstadt. Dank der mitreißenden, rockigen Rhythm-&- Blues-Nummern. Und am Schluss steht alles auf, klatscht und wiegt sich zum zugabenseligen „Everybody needs somebody to love“. Die Blues Brothers haben die Bühne des Theaters Ingolstadt erobert. Und Regisseur Peter Rein ist es gelungen, theatergerechte Entsprechungen für den Aberwitz des Kultfilms mit seinen irren Verfolgungsjagden, entfesselten Massenszenen und trockener Gangster-Comedy zu finden. Das von Annette Taubmann choreographierte Tohuwabohu des in immer wieder neuen Rollen und Kostümen über die Bühne wirbelnden Tanzensembles, zuletzt als Cowboys mit Holzpferd als Teil der Verfolger-Meute, bildet den turbulenten Ersatz für dynamische Filmschnitte und Szenenwechsel. Die Bühne von Bodo Demelius ist in ständiger Bewegung, Gefängnisgitter werden tänzerisch bewegt, der Bühnenpodest-Wagen mit der Band fährt vor und zurück, Lichterketten mit den Umrissen von Waisenhaus oder Kirche senken sich herab. Vorhangschleier, Saunanebel und Explosionen, die atemberaubenden Trapezkünste von Annika Titze und ihr meterlanges rotes Kleid sorgen für optische Sensationen. Eine Wand aus Kartons und auf dem Boden verstreute Konsumgüter bilden blitzschnell den Supermarkt, in den das Duo spektakulär rast. Der auch in seiner Ray-Charles-Nummer stilgerecht singende und spielende Lemuel B. Pitts hat als Conferencier eine ganze Kindertruppe dabei, und die Videos von Tom Wolter mit amerikanischen Skylines und poppigen Comics ergänzen zudem die optische Actiondynamik dieser Aufführung. Unzählige Parallelhandlungen gibt es zu sehen, etwa wie Nik Neureiter und Jan Ole Stroka als Cops das Modell-Polizeiauto reparieren und mit viel komischem Slapstick die Verfolgung aufnehmen oder dem Drang, mitzutanzen, nicht widerstehen können. Und mittendrin, meist griesgrämig, supercool und mit Pokerface: Peter Reisser und Oliver Fobe als Elwood und Jake, die Blues Brothers. Aber merkwürdig: das mit riesigem Aufwand an beständiger Turbulenz betriebene, gewaltige Schwungrad dieser Produktion droht auch immer mal wieder zu erlahmen. Und kommt erst wieder so richtig in Schwung, wenn die Band unter der Leitung von Tim Allhoff mit dem Jailhouse –Rock und den Schlussnummern punkten kann und auch die Blues Brothers mit ihren tänzerischen Einlagen und dem Spiel mit den Mikrofonständern, wie man es von John Belushi und Dan Aycroyd vor Augen hat, so richtig loslegen. Dann begeistern Reisser und Fobe wie die Originale. Joan Orleans ersetzt mit ihrer wunderbaren Blues-Röhre gleich zwei Musikerstars des Films, James Brown als Reverend und Aretha Franklin als Imbissbesitzerin. Und Nadine Germann ist eine resolute Pinguintante vom Waisenhaus und eine attraktive Musicaldarstellerin in Gesang und Tanz. Ein Running gag dieser Inszenierung ist, wie Regisseur Peter Rein mit viel Witz und Einfallsreichtum bühnentaugliche Lösungen für den Hauptdarsteller Auto gefunden hat. Während Jake und Elwood zwei Stühle als neues Bluesmobil benutzen, zu dem Peter Reisser die Geräusche wie Türenschlagen, Motoranlassen, Fensterscheibe herunterkurbeln ins Mikro gurgelt, reparieren die beiden Cops ein ferngesteuertes Modell-Polizeiauto, mit dem sie die Blues Brothers dann verfolgen. Später steht ein scheinbar echtes Crash-Polizeiauto auf der Bühne, bis die Bandmitglieder aussteigen und Kühlerhaube, Türen und Dach als Einzelteile auseinander- und mitnehmen. Dann tragen Jake und Elwood wieder das Spielzeugauto zur nächsten Tankstelle, die im Miniaturformat auf einem Modelleisenbahntisch aufgebaut ist und statt von einem Tankwagen von einem an einer Schnur herein gezogenen Benzinkanister beliefert wird. Solche Theaterironie ist die richtige und eine sehr amüsante Antwort auf die uneinholbaren Filmsequenzen. Ein Wehrmutstropfen: Es ist doch eigentlich ein theaterpolitischer Wahnsinn, weil doch wohl ziemlich teuer, ein Stück auf den Spielplan zu setzen, bei dem nicht nur die Tänzer und Musiker von außerhalb eingekauft werden müssen, sondern gerade einmal zwei Akteure aus dem eigenen Ensemble besetzt werden können. Doch dies wird die Begeisterung des Publikums für diese „Blues Brothers“ nicht schmälern. (Isabella Kreim)