Peter Pan

Kinderstück von James Matthew Barrie

ab 6 Jahren

Peter Pan ist ein Junge, er kann fliegen, lebt auf der Insel Nimmerland und ist der Anführer der Bande der ›Verlorenen Jungens‹, die sich einen ständigen Kampf mit Seeräubern und Kapitän Jack Haken liefern. Und Peter Pan will nie erwachsen werden. Doch eines Nachts tauchen Peter und seine Freundin, die Fee Klingklang, bei den unwissenden Kindern Wendy und John Darling auf, um sie mitzunehmen. Peter Pan hofft nämlich, dass Wendy für ›Die Verlorenen Jungens‹ eine gute Ersatzmutter und Geschichtenerzählerin sein wird. Mit Hilfe von ein bisschenFeenstaub macht er die Geschwister flugtüchtig und fliegt mit ihnen zur Zauberinsel Nimmerland, die nur für Kinder sichtbar ist. Dort gibt es wunderschöne Lagunen, die Piraten und ein großes, tickendes Krokodil, das mal eine Uhr verschluckt hat. Es warten viele Abenteuer! Peter Pan ist das erste Kinderstück in der Theatergeschichte. Mit überbordender kreativer Energie vereinigte Barrie in Peter Pan das Thema des vogelfreien Jungen, der sich weigert, erwachsen zu werden, und des Niemalslands, der verzauberten Insel inklusive Piraten und Krokodil. Den Rahmen des Stücks bildet jedoch die Familie Darling.
Regie: 
Tim Heilmann
Bühne: 
Marion Hauer
Kostüme: 
Marion Hauer
Musikalische Leitung: 
Andreas Dziuk
Premiere am ,
Großes Haus
Dauer: 75 Minuten
KULTURKANAL INGOLSTADT – 13.11.2008
Peter Pan
Niemals erwachsen zu werden, in einem Fantasieland, in dem keine Eltern oder Lehrer das Sagen haben. Ewig Kind sein zu dürfen an einem Ort, an dem es nie langweilig wird, weil es immer neue Abenteuer zu bestehen gibt. Ein bisschen Feenstaub, und sogar der Traum vom Fliegen wird wahr: "Peter Pan“ von James Matthew Barrie ist das diesjährige Weihnachtsmärchen für Kinder ab 6 Jahren im Großen Haus des Theaters Ingolstadt. Eine Geschichte über die Sehnsucht nach Freiheit und Abenteuer und über das Aussteigen aus dem Alltag, aber auch über den Wunsch, zurückkehren zu wollen in die Vertrautheit und Geborgenheit des Zuhause. Regisseur Tim Heilmann hat mit seinem Ensemble ein differenziertes, vielschichtiges Märchen ohne modischen Schnickschnack inszeniert. Auf fast leerer Bühne beginnt die Fantasiereise ins Traumreich Nimmerland. Aus den naturfarbenen Leinwandkulissen sind zwei hintereinander gestaffelte Hauskonturen ausgeschnitten. Und der Kopf von Peter Pan lugt surreal in die Seitenwand. Davor das Haus en miniature, die vielseitig bespielbare Hundehütte. Minimalistisch und dennoch mit poetischen Bildern zaubert Ausstatterin Marion Hauer eine Theaterwelt, die Raum für die Fantasie der Kinder lässt und dennoch Staunen macht, etwa wenn geheimnisvolle Lichter das noch schemenhafte Traumland erleuchten, das dann von überlebensgroßen schwarz-weißen Tierschablonen bevölkert ist, oder auf das zur magischen Lagunennacht Seifenblasen herunterregnen. Die englische Musterfamilie der Darlings könnte mit ihren hübschen hellen fin-de-siècle-Kostümen einem Bilderbuch der vorvorigen Jahrhundertwende entstiegen sein. Die Eltern Nik Neureiter und Manuela Brugger, die Kinder Julia Rani und Ole Micha Spörkel sind aber so tänzerisch beschwingt choreographiert, dass sofort ironischer Witz in die heile Familienwelt kommt. Und zu dieser charmanten Parodie tragen natürlich auch Sebastian Gerasch als Neufundländer-Kindermärchen mit seinen herrlich jaulenden lautmalerischen Kommentaren und das kuriose männliche Dienstmädchen mit Riesenstaubwedel von Toni Schatz bei. Besonders in diesen ersten Familienszenen sind die Figuren mit vielen liebevollen Details gezeichnet, sodass das etwas viktorianisch dröge Erziehungssystem aus Zähneputzen und Medizinnehmen zu einer köstlichen Opera-Buffa-Komödiantik wird. Olaf Danner als Erzähler und die „verlorenen Jungs“ haben es da auf dem großen ansteigenden Bühnenpodest der Insel Nimmerland etwas schwerer. Aber die Bodenluken oder herabhängende Taue geben auch hier viel spielerische Freiräume für den ersehnten Abenteuer-Spielplatz. Und Nik Neureiter und Manuela Brugger sind ein komödiantisch-gefährliches Piratenpaar. Eine besonders originelle Figur ist die Fee Klingklang, die Manuela Brugger in ihrer dritten Rolle als zauberhaft flirriges, und ein wenig autistisches Wesen spielt, das ständig wie in Selbstgesprächen vor sich hin maulend oder vergnügt Töne absondert oder mit Fingerspielen gestikulierend Monologe hält. Louise Nowitzki ist ein burschikoser Peter Pan, ein trauriger, einsamer Junge, der hie und da so gerne mal den großen Helden spielt im mutigen Schwertkampf mit den Piraten. Regisseur Tim Heilmann, der bereits bei drei mobilen Kindertheaterproduktionen am Theater Ingolstadt, zuletzt dem „Beerenbärenmaler“ gezeigt hat, wie fantasievoll und einfallsreich er Situationen aus einfachen Requisiten entwickeln kann, setzt auch auf der Großen Bühne in erster Linie nicht auf die Illusionsmaschinerie der Bühnentechnik, sondern löst auch Umbauprobleme aus dem Spiel der Darsteller. Natürlich dürfen sich die zauberhafte Wendy und der etwas begriffsstutzige brave Junge John mit Peter Pan in Slowmotion-Flugbewegungen selbst das Körpergefühl des Fliegens erfüllen. Und wenn das Wasser die Lagune zu überschwemmen droht, fächelt Peter Pan das riesige blaue Seidentuch so begeistert spielerisch, bis es die Insel fast überspült. Für Wendy schwebt dann doch noch eine hilfreiche Tier-Gondel zur Rettung ein. Wenn Peter Pan selbst um sein Überleben in den Fluten ringt, so kämpft er so inbrünstig wütend mit dem Tuch, bis er es wieder in den kleinen Spalt zurückgedrängt hat, wo es hin muss, damit in der nächsten Szene wieder das leere Podest als Schiffsdeck imaginierbar wird: Ganz wunderbar sinnliche, aus dem Spiel der Darsteller und ihrer Situationen entwickelte szenische Mittel. Theatermusiker Andreas Dziuk hat schöne, leitmotivische Melodien im Stil der minimal music beitragen. Actionszenen fehlen ebenso wenig, wie die zarte Liebesgeschichte zwischen Wendy und Peter, Abschiedsschmerz und feine Komik, Traumbilder und skurille Situationen wie der Bankbeamte in der Hundehütte, Bühnenzauber und anrührende Figuren: Peter Pan ist Theater für Kinder zum Amüsieren, Staunen, Mitfiebern und Mitfühlen - und Sinnieren über das Ausleben von Kindheitsträumen und ihre Kehrseite, das Wiederentdecken der Vorzüge des vertrauten Familienalltags. Ein Spiel auf vielen Ebenen und mit allen Mitteln, die Theater so direkt und reizvoll machen. (Isabella Kreim)