Jesus Christ Superstar

Rock-Oper von Andrew Lloyd Webber / Tim Rice

„Jesus Christ Superstar, wer du auch bist, sag uns, bist du wahr?“ JESUS CHRIST SUPERSTAR gehört mit seinen Songs wie „Heaven on their minds“, „Ho-sanna“, „I don't know how to love him“ und „Gethsemane“ zu den frühen Bühnenstücken des englischen Komponisten und gilt bis heute als eine der bedeutendsten Rock-Opern. Inspiriert durch die „Jesus-People“-Bewegung im Amerika der 70er Jahre entwarf Andrew Lloyd Webber zusammen mit seinem Librettisten Tim Rice dieses Werk, dessen Musikstücke sich zunächst auf einer Doppel-LP millionenfach verkauften. Die daraufhin entstandene Bühnenfassung kam 1971 im Mark Hellinger Theatre, New York, zur Uraufführung. Es gelang dem Team, musikalisch so unterschiedliche Stilrichtungen wie Showsongs, Folkballaden, zeitgenössische Musik, choralartige Gesänge und Rock- und Popmusik miteinander zu verbinden. JESUS CHRIST SUPERSTAR beschreibt die letzten sieben Tage im Leben Jesu Christi aus der Perspektive des Judas Ischariot und zeigt dabei einen unsicheren, von menschlichen Schwächen gezeichneten Messias. Die wachsende Sorge darüber, dass die neue ethischreligiöse Bewegung um Jesus von fanatischen Anhängern manipuliert wird und ihre humanitäre Mission aus dem Auge verliert, treibt Judas zum Verrat des Aufenthaltsortes seinen Meisters an die jüdische Priesterschaft. Nach dem letzten gemeinsamen Abendmahl mit seinen Jüngern wird Jesus im Garten Gethsemane verhaftet. Aus Verzweiflung über seine Rolle bei der Vollendung von Jesu Bestimmung auf Erden begeht Judas Selbstmord. Die von den Priestern aufgewiegelte, enttäuschte Volksmenge zwingt den römischen Statthalter Pontius Pilatus schließlich zur Kreuzigung des Gefangenen. Andrew Lloyd Webber (seit 1992 Sir Andrew), geb. am 22. März 1948 im englischen Westminster, studierte in Oxford und London Musik. Bereits im Alter von neun Jahren verlegte er sein erstes Werk, eine Suite für Kindertheater. Die meisten seiner Erfolgsmusicals, „Joseph And The Amazing Technicolor® Dreamcoat“ (1967), „Jesus Christ Superstar“ (1971), „Evita“ (1978), „Cats" (1981), das im Januar 1996 zum am längsten laufenden Musical in der Ge-schichte des Londoner West Ends wurde, ebenso wie „Starlight Express" (1984), „Das Phantom der Oper" (1986) und „Aspekte der Liebe“ (1989), wurden im Londoner West End uraufgeführt. „Das Phantom der Oper" wurde im Januar 2006 zum am längsten laufenden Musical in der Geschichte des Broadway.
Regisseur: 
Pierre Wyss
Choreografie: 
Antonio Gomes
Bühne: 
Johannes Conen
Kostüme: 
Monika Zeller-Schömig
Premiere am ,
Großes Haus
Dauer: 135 Minuten, mit Pause
KULTURKANAL INGOLSTADT – 11.12.2007
RICE/WEBBER JESUS CHRIST SUPERSTAR
Jubel und Standing Ovations für das gesamte Ensemble, die Band und das Regieteam um Pierre Wyss und besonders für Peter Reisser als Jesus bei der Premiere der Rockoper „Jesus Christ Superstar“ im Theater Ingolstadt. Zu recht kann das Theater Ingolstadt stolz sein auf diese gelungene musikalische Bühnenshow eines reinen Schauspielhauses, die entsprechenden Produktionen von Dreispartenhäusern nicht nachsteht. Regisseur Pierre Wyss, der „Jesus Christ“ bereits zum dritten Mal inszeniert hat, und Choreograph Antonio Gomez beherrschen ihr Metier. Und das bedeutet, nicht das in Ingolstadt Unmögliche zu wollen, sondern das Mögliche perfekt und wirkungsvoll in Szene zu setzen. Ihr Erfolg liegt wie bereits bei "Cabaret" oder dem „Frankenstein“-Musical darin, dass sie alle Bühnenlösungen aus den spezifischen Ingolstädter Bedingungen entwickeln, aus den vorhandenen Kräften das Optimale herausholen und Profis und Amateure zu einem effektvollen Gesamt-Bild zusammen schweißen. Die bewährte Mischung aus hervorragend singenden Schauspielern, dazu engagierten 9 Tänzerinnen und 3 singende Discogirls, den Aposteln und einem Chor aus theaterbegeisterten und chorerfahrenen Ingolstädter Amateuren funktioniert so überzeugend, dass man kein spezifisches Musical-Ensemble vermisst. Und das betrifft auch den Ersatz für ein Theaterorchesters. Anstatt der Webber-Instrumentierung hat der neue musikalische Leiter Andreas Dziuk für seine Band aus freien Musikern einen griffigen, direkten Rock-Sound arrangiert, der auch den eingängigen Songs weitgehend ihren Schnulzencharakter nimmt. Nur zwei Gäste waren für die Solopartien nötig. Martin Werth als Simon – er wird in einigen Vorstellungen auch den Judas singen. Und der kraftvolle, erfahrene Musicaldarsteller Alexander di Capri als Judas. Er sieht im Edelrocker-Outfit und als schwarzer Engel fantastisch aus, ist intensiv auch in seinen stillen, verzweifelten Momenten des Verräters aus Überzeugung. Und sein rockiger Tenor ist sensationell – man könnte sein Microport ruhig etwas herunter regeln, umso stärker käme die Expressivität seines Gesangs zum tragen. Doch als Superstar durchaus behaupten kann sich Peter Reisser als Jesus. Er hat das Charisma eines sanften Ausnahmemenschen, singt die schwierige Tenorpartie fantastisch und macht das Gethsemane-Bild zur darstellerisch eindrucksvollsten Szene des Abends. Eva Rodekirchen ist eine herbe, selbstbewusste Maria Magdalena im erotischen Outfit, die ausdrucksstark, aber völlig ohne Gefühlskitsch singt. Norbert Abele als Kaiphas führt mit voluminösem Bass das Priestertrio mit Aurel Bereuter und Clemens Haberl an, Rolf Germeroth singt und spielt einen zwischen Ängstlichkeit und Sarkasmus schillernden Pontius Pilatus. Blutbespritzter Schlächter im Rollstuhl und Transvestitenstar mit Highheels und Revuetanz ist Ulrich Kielhorn mit seiner frivolen Revuenummer des Herodes. Der Mut zur ekelhaften Dekadenz dieser Szene gibt den nötigen trashigen Pfeffer in die Aufführung. Denn obwohl die sieben letzten Tage Jesu nicht nur die bekannteste, sondern auch eine der besten Geschichten der Welt ist, „Jesus Christ Superstar“ auf die Bühne zu bringen, kann leicht in einer Mischung aus Hollywoodkitsch, oberflächlicher Broadwayshow und Oberammergau-Betroffenheit baden gehen. Tim Rice und Andrew Lloyd Webber erzählen vom Aufstieg und Fall des Superstars Jesus, indem sie die Passionsgeschichte in munterer Unbefangenheit für ihren eigenen Super-Erfolg ausschlachten. Die neue Idee dieser Bewegung und ihr Scheitern in den Augen des Judas bleiben vage. Die zur Entstehungszeit, Ende der 60er Jahre, auf der Straße liegenden sozialrevolutionären und politischen Deutungen des Stoffs geben gerade mal eine Simon-Arie her. Und wo der Text nicht Bibelzitat ist, wimmelt er von Plattitüden. Regisseur Pierre Wyss und sein Bühnenbildner Johannes Conen haben eine eindrucksvolle Bildwelt erfunden, die dem Religionskitsch von Rice/Webber wirkungsvoll entgegensteuert und der bekanntesten Ikonografie der Welt eine ganz und gar nicht pittoreske neue Optik gibt. Wir befinden uns in einer beinahe apokalyptisch öden Zukunft des 21. Jahrhunderts, graue Betonwände, graue mobile Wände. Rostige Ölfässer bilden die Spielrequisiten, mit denen Jesus und Judas heftig ihre Kontroversen austragen, Ölfässer bilden den Tisch des letzten Abendmahls. An den Wänden hängen überdimensionale Gemälde, moderne Versionen von Hieronymus-Boschs Horrorvisionen, die sich bereits von den Wänden zu lösen beginnen: Die neue religiöse Bewegung versucht sich im Zivilisations- und Kulturmüll unserer nahen Zukunft zu etablieren. Das Jesus-Revival beginnt in einem Museum, in dem die alten Figuren, die Priester, Herodes und Pontius Pilatus und auch Jesus, eingemottet unter Plastikplanen entdeckt und zu neuem Leben recyclet werden. Aus den Museumsbesuchern rekrutiert Jesus seine Jünger. Und natürlich läuft der neue Versuch genauso wie der alte vor 2000 Jahren. Auch Kostümbildnerin Monika Zeller-Schömig hat diesen Kontrast aus grotesk überzeichneten historischen Gewändern der Zeitenwende und frech-modischen Alltagsklamotten von heute exzellent aufgegriffen und umgesetzt und auch für Jesus eine nicht allzu abgegriffene Lösung gefunden: ein exotisch zeitloser weißer Judo-Anzug. Wirklich stark ist das heikle Schlussbild mit Jesus am Kreuz. Eine Plastikfolie wird über den Gekreuzigten geworfen und verfremdet damit auf packende Weise das Ikonenbild unserer Kultur – unbrauchbar geworden bis zum nächsten Versuch: Bestes Beispiel für die geschmackssichere kreative Fantasie von Pierre Wyss und seines Ausstatters Johannes Conen über den souveränen Umgang mit dem gesamten szenischen Apparat, dem Einsatz des Corps de ballet als eigenständigem bewegten Bildelement und der geschickten Arrangements von Chor und Aposteln hinaus. Respekt für diese Aufführung eines in meinen Augen - trotz der mitreißenden Musik - doch ziemlich trivialen Bühnenwerks. Isabella Kreim
AUGSBURGER ALLGEMEINE – 10.12.2007
Geschichte erwacht
„Peter Reisser in der Titelpartie. Kurze schwarze Haare, Drei-Tage-Bart, kantiges Gesicht. Kein „Gottsohn“, sondern ein letzlich verzweifeltes Menschenkind. Eine prächtige, auch gesanglich hervorragende Interpretation. Ähnliches gilt für den vor allem körperlich ungemein präsenten Alexander di Capri, als Gast für die Rolle des Judas verpflichtet.“ (...) „Die Ingolstädter waren bei der Premiere von Webbers Jugendwerk begeistert und erklatschten sich eine Zugabe.“ (Peter Skodawessely)
DIE MUSICAL-LOUNGE: Das Musicalmagazin im Internet – 10.12.2007
„One thing I'll say for him - Jesus is cool“
„Jesus Christ Superstar“ ist ein Musical, daß viele Möglichkeiten zur Interpretation und Aufführung bietet. So kann man es zum Beispiel in der Zeit darstellen, in der es laut der Bibel angesiedelt ist, man kann es jedoch auch moderner gestalten und zum Beispiel aktuelle Themen darin verarbeiten. Es ist bisher immer ein „Entweder / Oder“ gewesen – bis zum 08.12.2007 in Ingolstadt. Denn hier wurde die Moderne und das Klassische gemischt, sehr zur Freude des Publikums, welches die Darsteller mit 15minütigen Standing Ovations belohnte und nach Zugaben verlangte. Natürlich wurde der Wunsch erfüllt und so gab es das Lied „Jesus Christ Superstar“ als Zugabe, wo es dann kaum mehr jemanden auf seinem Sitz hielt. Für die größten Lacher sorgte Ulrich Kielhorn als König Herodes, der mit seinem Outfit und seinem Auftritt an Frank'N'Furter aus der „Rocky Horror Show“ erinnerte. Während die Apostel (u. a. Martin Werth, Norbert Aberle und Aurel Bereuter), Maria Magdalena (Eva Rodekirchen) und Judas (Alexander di Capri) moderne Kleidung trugen, waren die Priester, Pontius Pilatus und auch Jesus so gekleidet, wie man es von diversen Bildern kennt. Wobei man zugeben muß, einen kurzhaarigen Jesus zu sehen, ist doch ein wenig gewöhnungsbedürftig, tut jedoch der gesamten Interpretation keinen Abbruch, und Peter Reisser war ein wunderbarer Jesus, egal ob er verzweifelt Gott anrief und nach dem Sinn seiner Taten oder ob er seine Jünger beruhigte, oder aber seinen erhitzen Kopf in Maria Magdalenas Schoß bettete. Reisser in seinem weißen Outfit und Eva Rodekirchen in schwarzem kurzem Rock und knappen Oberteil gaben einen wundervollen Kontrast, so daß sie immer aus der Reihe der Jünger herausstach. Ebenso wie auch Judas, der mit seiner Jeanshose und später mit der Lederhose und dem Netzhemd die Herzen des weiblichen Publikums höher schlagen ließ. Ein bunt gemischtes Ensemble sang und tanzte sich in die Herzen der Zuschauer, bezaubernde Tänzerinnen (Natalie Brockmann, Katharina Felling, Ariane Funabashi, Yasuko Kayamori, Iamnia Oberste-Lehn, Anne Christine Römeth, Sarah Schedl, Judith Seibert und Annette Taubmann) führten durch die Instrumentalteile und tanzten zu den Gesangsstücken im Hintergrund und die Soulgirls Verena Bauer, Claudia Ketzle und Barbara Seitle beeindruckten durch ihre gewaltigen Stimmen. Die Musiker unterstützten die Darsteller auf der Bühne, so daß es ein gelungenes Gesamtbild ergab, welches von den Zuschauern gewürdigt wurde. Das Musical wird komplett in Englisch dargeboten, doch es gibt deutsche Übertitel, die man erst später bemerkt, da man von der Handlung auf der Bühne gefesselt wird. Da die Priester und auch Pontius Pilatus manchmal von der Seite aufgehen und von den Treppen ihre Lieder und Monologe geben, muß man manchmal sehr schnell reagieren, um beides (Übersetzung und Handlung) gleichzeitig verfolgen zu können. Doch alle Darsteller sprechen ein sehr gutes und verständliches Englisch, so daß man, wenn man der englischen Sprache mächtig ist, auch ohne die Übertitel folgen kann. Zuguterletzt kann man folgende Schlüsse aus dem Musical ziehen: 15minütiger Applaus bei der Premiere sprechen für sich, und Windows hat nicht einmal vor Jesus Respekt, da man während einer Szene kurz das Windows-Menü eingeblendet sah. Doch all dies, die kleinen Fehler, die auftraten, machen dieses Musical noch liebenswerter und sehenswerter. Im Foyer hörte man später viele begeisterte Zuschauer, die sich angeregt unterhielten oder leise die Lieder des Musicals vor sich hin summten. Gibt es ein besseres Kompliment als begeisterte Zuschauer, die noch an der Garderobe leise vor sich hin singen: „Jesus Christ, Jesus Christ, who are you what have you sacrificed? Jesus Christ Superstar do you think you're what they say you are?“
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