Die Kuh, die wollt‘ ins Kino gehn

Kindermu(h)sical von Margit Sarholz und Werner Meier (Sternschnuppe)

Uraufführung

Kindermu(h)sical vom Mu(h)t und Glück haben Margit Sarholz schreibt Theaterstücke, Bücher und Lieder für Kinder. Werner Meier ist mit Leib und Seele bayerischer Kabarettist und Liedermacher. Sein derzeitiges Programm „Oh mei, oh Meier!“ gehört zu den Highlights des bayerischen Musikkabaretts. 1993 kam den freiberuflichen Künstlern die Idee, ihre Erfahrungen und Talente aus dem Kabarett, dem Kindertheater und dem eigenen Elternsein in einen Topf zu werfen: Mit viel Spaß am Reimen und Texten, am Spielen und Spinnen entstand die Gruppe „Sternschnuppe“ und die erste Tonträger-Produktion „Taxi Maxi“. Seitdem sind insgesamt 14 CDs mit Titeln wie „Die Breznbeisserbande“, „Ritterland“, oder „Tiger-Rap und Gummitwist“ und ebenso zahlreiche Bücher entstanden, die inzwischen in kaum einem Kinderzimmer mehr fehlen dürfen. Mit dem Hamburger Liedermacher Rolf Zuckowski erarbeiteten Margit Sarholz und Werner Meier u. a. „Die Bayerische Vogelhochzeit“. Pfiffige Ideen und herzerfrischende Kindergeschichten, gewürzt mit der Frechheit und dem Wortwitz des Kabaretts, dann verfeinert mit Rhythmen von Tango über Mambo, von Rap über Reggae und Rock‘n Roll bis hin zum bayerischen Landler, das sind die Zutaten, mit denen Margit Sarholz und Werner Meier ihre „musikalische Vollwertkost“ für die ganze Familie zubereiten. Die Sternschnuppen-Produktionen wurden mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet und gehören heute auch längst zum „Standardrepertoire“ in Kindergärten und Grundschulen. Erstmals wagen sich Margit Sarholz und Werner Meier nun zusammen mit dem Theater Ingolstadt auf künstlerisches Neuland und haben aus einem ihrer bekanntesten und erfolgreichsten Songs, dem Lied von der „Kuh, die wollt‘ ins Kino gehn“, ein komplettes Musical für Kinder ab etwa fünf Jahren entwickelt. Auf ihrem mühsamen Weg in die Stadt begegnet „die Kuh“ dabei unter anderem „Rosa mit dem Roller“ und den „Zwei Knödeln“, die gerade aus der Disco kommen. Endlich erreicht sie das ersehnte Kino, doch, „au wei, die Schlang’ is’ lang!“ Neben zahlreichen „Sternschnuppen“-Hits werden in der „Kuh“ auch neue Songs von Margit Sarholz und Werner Meier vorgestellt. Wir freuen uns, dass die Uraufführung des ersten Sternschnuppe-Musicals am 13. Oktober in unserem Großen Haus stattfinden wird.
Regie: 
Jürg Schlachter
Musikalische Leitung: 
"Sternschnuppe"
Bühne: 
Frank Chamier
Kostüme: 
Marion Eiselé
Choreografie: 
Olivia Wendt
Premiere am ,
Großes Haus
Dauer: 60 Minuten
Kulturkanal – 15.10.2006
Die Kuh, die wollt´ ins Kino gehn"
Eine so generationenübergreifende Begeisterung erlebt man selten nach einer Theaterpremiere. Das Kinderlied-Autorenteam Sternschnuppe, Regisseur Jürg Schlachter und natürlich das ganze Ensemble mit Kathrin Anna Stahl als Kuh haben dem Kindertheater eine Sternstunde beschert. Die unaufdringlich-fröhliche Message des Abends „Ja da muss man sich halt was einfallen lassen“ haben sich alle Beteiligten zu Herzen genommen. Angefangen vom Intendanten des Theaters Ingolstadt, Peter Rein, der sich etwas hat einfallen lassen, um die bekannten Kindertheaterstoffe mit einer originellen Idee zu bereichern. Peter Reins Kinder sind Fans der Sternschnuppe-CDs, und so hat er sich einfallen lassen, das Sternschnuppe-Team Margit Sarholz und Werner Meier zu beauftragen, aus ihren beliebten Kinderliedern ein Musical fürs Große Haus zu machen. Der Stoff war schon da. Der Song „Die Kuh, die wollt’ ins Kino gehn“ von einer der ersten Sternschnuppe-CDs „Die Breznbeisserbande" gibt bereits die Episoden der Handlung vor. Und auf der Bühne kann sich der ganze Reiz dieser so herrlich skurillen Geschichte voll entfalten. Dazu die witzig fröhlichen Ohrwürmer-Songs, die die stilistische Vielfalt von Flamenco über Rap und Reggae zu Rock und bis zum bayerischen Ländler eingängig auffächern, und natürlich die Bühnen- und Liedsprache bayerisch. Einfach hinreißend! Und der 12 Jahre alte Song hat sogar bereits eine Bühnenbildidee vorgegeben. Denn den noie Fuim, den die Kuh im Kino in der Stadt ansehen will, ist natürlich der „Film von der Kuh, die wollt' ins Kino gehn“. Wie in einem Filmstudio werden daher die pfiffigen Dekorationen von Marion Eiselé und Frank Chamier in den Bildausschnitt geschoben, der Bühnentechniker kurbelt an einem kleinen Wandelprospekt mit aufgemalter Landschaft, die Darsteller bedienen sich an Garderobenständern mit den nächsten Kostümen, und zum Schluss imitiert die Kuh den Metro-Goldwyn-Meier-Löwen als Film-Vorspann. Die Kinder können so auf witzige Weise miterleben, mit welchen Tricks bzw. welch einfachen Mitteln Film und Theater gemacht werden können. Und noch einen Regieeinfall hat Sternschnuppe Margit Sarholz eingebracht, der wunderbar zu diesem anti-illusionistischen und doch so lustvollen Kindertheater passt. Die Vorstellung droht nämlich gleich zu Beginn zu platzen. Das ganze Ensemble hat Grippe. „Aber da muss man sich halt was einfallen lassen!“ Und so springen die Souffleuse, die Putzfrau, die Garderobenfrauen, der Bühnentechniker, ein Zuschauer aus dem Publikum und – notgedrungen - sogar der Intendant ein und spielen Kühe, Bäume, den Schlachter, die Rosa mit dem Roller, Passanten, Trambahn und vieles mehr. Und weil bei einer solchen Improvisation natürlich immer wieder kleine Pannen entstehen, greifen die Putzfrau und der Bühnentechniker mit seiner nie so ganz funktionierenden, aber umso spaciger leuchtenden Fernbedienung immer wieder schnell und manchmal auch hektisch hilfreich ein. Damit die Kuh doch noch rechtzeitig ins Kino kommt. Kathrin Anna Stahl gibt als Kuh ihren Einstand als neues Ensemblemitglied des Theaters Ingolstadt und macht die Kuh mühelos zum Publikumsliebling. Sie zieht schon mal eine missmutige Kuhschnute, um dann gleich wieder mit Pippi-Langstrumpf-Optimismus im Körper die kleinen Rückschläge zu überwinden. Ihr Drang mit Disco- oder Landlertanzschritten ihren Weg zu gehen wird drollig.kuhmäßig gebremst durch die schweren Plateauschuhe, ihr Bayrisch ist hinreißend charmant, und singen kann Kathrin Anna Stahl auch ganz toll. Auch dass ausgerechnet bei der Premiere ihr Mikroport versagt hat, bewältigt sie souverän, und irgendwann gerade noch rechtzeitig vor dem nächsten Song hat sie dann auch ein Mikrofon in der Hand, mit dem sie weiterspielt, als wär’s wochenlang geprobt, wie sie ihre Sprühflasche aus der Tasche kriegt, in der nun nicht nur das Schlachterbeil und all die anderen Utensilien, sondern auch noch das Mikro verstaut ist. In Regisseur Jürg Schlachter hat das Sternschnuppe-Team einen kongenialen Mitstreiter für ihr originelles, fantasievolles Kinder-Mu(h)sical gefunden. Und die absurden Einfälle diese Geschichte lassen sich wunderbar in Szene setzen. Vor einem zum Rückprospekt hochgezogenen Wiesenblumen-Teppich stampfen die Kühe in ihren schwarz-weißen Fleckvieh-Mänteln und mit rosa Gummihandschuhen als Euter ihre herrlich träge Grasen, kauen, Milligeben-Choreographie. Jubel über diese melancholische Kuhnummer, Jubel über die tanzenden und singenden Bäume, die den Weg in die Stadt nicht wissen. Die Kuh zieht für ihren Weg in die Stod ein Dirndl an, ihre Zöpfe lassen sich wie Smilie-Mundwinkel nach oben und unten biegen, und gerüstet mit Ersatzeuter, Odel de Cologne, einem Büschel Heu als Proviant, Ausweis und Kräuterbonbons geht’s auf die Landstraße. Dass dieser durchaus mühevolle Weg der Kuh zu ihrem Traumziel so gar keine dröge Moral transportiert, liegt vor allem an den aberwitzigen Einfallen dieser Geschichte wie der Begegnung mit zwei Kartoffelknödln vom Vortag, die gerade aus der Disco kommen. Zum Niederknieen, mit welch dadaistischem Vergnügen das Sternschnuppe-Team die Kindertheater-Welt aufmischt. Und Jürg Schlachter hat sich durch diese Inspirationsquelle optimal beflügeln lassen. Die Flucht der Kuh aus den Fängen des Schlachters wird zum Slow-motion-Stierkampf mit Flamenco-Tanzpaar, ein dunkles Tuch und ein Donnerblech suggerieren Gefahr und warnen die Kuh. Eva Rodekirchen ist eine berlinernde rosa Windsbraut und hebt sich mit ihrer Kuh-Beifahrerin tatsächlich in die Lüfte. Ein drehbarer Leiter-Überweg wird zum Schauplatz hektischer Passantenströme in der Großstadt, und die Fahrt in der Tram wird mit einfachen Mitteln hinreißend musikalisch illustriert. Aller Anfang ist schwer. So recht traut sich der Bühnenarbeiter Hans zunächst nicht vor den Vorhang, um dann doch mit der umgedrehten Mistgabel als e-Gitarre Mick-Jagger-mäßig zu rocken. Die schnoddrige Blonde Julia Maronde als Putzfrau und Richard Putzinger als Bühnenmeister Hans sind ein witzig inszeniertes Gespann von Bühnenpannen-Helfern. Die wechselnden Rollen geben Peter Greif, Peter Reisser, Eva Rodekirchen und Oliva Wendt viele Möglichkeiten zu köstlichen Rollenspiel-Episoden. Peter Reisser sieht aus wie Peter Rein, auch wenn er viel verwirrter als der wirkliche Intendant vor dem Vorhang agiert, Peter Greif ist ein stoischer Baum und ein gefährlich scheinheiliger Metzger und Eva Rodekirchen ist nicht nur die punkige Roller-Rosa, sondern auch als traurig-griesgrämiger Baum eine wunderbare Nummer. Olivia Wendt verdankt die Aufführung nicht nur den Knödel Francisco, sondern auch die im besten Sinne spielerisch improvisiert wirkenden Choreographien. Kurzum: Mit dem Mu(h)sical „Die Kuh, die wollt' ins Kino gehn“ wurde ein hinreißendes neues Kindertheaterstück aus der Taufe gehoben. Im November wird das Musical im Münchner Lustspielhaus nachgespielt. Und es ist zu wünschen, dass noch viele Theater zugreifen, um vielen Kindern und Eltern dieses Vergnügen zu bereiten. Nur ein Riesenbedauern trübt die Begeisterung über diese Produktion: Margit Sarholz und Werner Meier schreiben so wunderschöne Songs, die durchaus auch anspruchsvoll arrangiert sind. Musikalische Vollwertkost für Kinder nennen sie das selbst ganz zu recht. Aber leider wird diese Musik dann halt auch für die Aufführung als Konserve eingedost und als Playback besungen. So klingt’s natürlich, wie’s die Kinder von den CDs kennen. Wie schön wäre es gewesen, wenn zum Live-Theater-Erlebnis auch noch die Live-Musik gekommen wäre, wenn ein leibhaftiger Saxophonist fröhlich jauchzen und eine Live-Gitarre rocken würde. Ist doch ganz was anderes, wenn zum Schluss wenigstens Olivia Wendt ihren Kontrabass und Peter Reisser seine Gitarre auf die Bühne holen und sichtbar mitspielen. Auch wenn eine Live-Band mehr kostet: Ja, da muss man sich halt was einfallen lassen, denn die Muhsik, die wollt aus der Konserve gehen.