Pettersson und Findus

Mobiles Kinderstück nach Sven Nordqvist, Dramatisierung von Tim Heilmann

Uraufführung

Pettersson ist ein alter Mann. Vielleicht ist er trotz seines grauen Bartes noch gar nicht einmal sooo alt, aber er fühlt sich so. Er lebt ganz alleine und hat niemanden, mit dem er sprechen kann. Vor lauter Einsamkeit möchte er manchmal morgens am liebsten gar nicht aufstehen. Ab und zu bekommt er Besuch von einer Nachbarin. Als sie erkennt, was dem Alten fehlt, schenkt sie ihm etwas gegen Einsamkeit und Trauer: einen kleinen Kater. Pettersson ist selig. Er schließt den neugierigen kleinen Kerl sofort ins Herz. Nach der Aufschrift der Schachtel, in der er ihn bekommen hat, tauft er ihn Findus. Von diesem Moment an ist er nicht mehr alleine. Pettersson redet plötzlich ununterbrochen. Er spricht über alles mit seinem winzigen Freund. Er erzählt ihm Geschichten und liest ihm aus der Zeitung vor. Und er hofft insgeheim darauf, dass sein Kater ihm irgendwann antworten wird. Und tatsächlich! Eines Tages öffnet Findus den Mund und sagt: „So eine Hose will ich auch haben!“ Natürlich bekommt er die Hose – und Pettersson bekommt den Gesprächspartner, den er sich immer gewünscht hat... 1984 zeichnete Sven Nordqvist aus einer Laune heraus zum ersten Mal die Figuren „Pettersson und Findus“. Heute kennt man die Geschichten des wunderlichen Bauern Pettersson und seines frechen Katers auf der ganzen Welt. In 29 Sprachen sind die drolligen und einfallsreichen Stories bereits zu haben, selbst in Japan haben „Pettersson und Findus“ eine enorme Fangemeinde. Die Bücher und CD-Roms mit den verrückten Abenteuern der beiden verkauften sich in Deutschland bisher über fünf Millionen Mal. Allein das neue Bilderbuch „Wie Findus zu Pettersson kam“ fand in den ersten vier Monaten bereits über 500.000 Fans und wird zurzeit in einer Koproduktion für 13 Sprachen gedruckt. Nordqvists Bücher sind damit in hierzulande sogar erfolgreicher als die Bücher von Astrid Lindgren. Seit 1984 sind von „Pettersson und Findus“ neun Bilderbücher, zwei Sachbücher sowie vier CD-Roms herausgekommen, dazu zwei Kino­filme und eine Fernsehserie im ZDF/KIKA.
Regie: 
Tim Heilmann
Bühne: 
Tim Heilmann
Kostüme: 
Tim Heilmann
Premiere am ,
Down-Town
Dauer: 40 Minuten
Neuburger Rundschau – 03.10.2006
Wenn ein Kater die Einsamkeit vertreibt
Bei der Uraufführung des Kinderstücks „Pettersson und Findus“ nach dem gleichnamigen Kinderbuch von Sven Nordqvist, schlüpfte Karlheinz Habelt im Ingolstädter Theater, in eine ganz neue Rolle. Als Pettersson, einen einsamen alten Mann, der niemand hat, der mit ihm spricht, außer seinen Hühnern, konnte man den Schauspieler einmal ganz anders erleben. Sich sichtlich wohl fühlend in der Rolle stellte er Pettersson mal sehr ernst und traurig, aber auch schelmisch mit dem Schalk im Auge dar. Glaubwürdig vermittelte er den Kindern seine Einsamkeit, aber auch die Freude und vor allem die Liebe, die er später für seinen Kater Findus entwickelte. Mit viel Humor brachte er die Kinder zum Lachen. Für Susanne Engelhardt in der Rolle der Erzählerin, der Nachbarin Beda Andersson und der Stimme des Katers Findus ist es das erste Engagement nach ihrer Schauspielausbildung am Mozarteum in Salzburg. Ihre freundliche und kindgerechte Art zu sprechen, ließ die Kleinen fasziniert zuhören. Mit viel Humor und Spaß an der Sache schafften die beiden Schauspieler die überwiegend Vierjährigen über 35 Minuten zu fesseln und zu unterhalten. Selbst von Zwischenrufen der Kinder oder anderen Störungen ließen sich Karlheinz Habelt und Susanne Engelhardt nicht ablenken. Geschickt verliehen sie der Handpuppe „Findus“ Leben und ließen sie zu einem dritten „Schauspieler“ werden. Das Theaterstück basiert auf dem gleichnamigen Kinderbuch „Pettersson und Findus“ von Sven Nordqvist und wurde von Tim Heilmann dramatisiert. Tim Heilmann, der schon im Jahr zuvor positive Resonanz für sein Theaterstück „Oh wie schön ist Panama“ vom Theater Ingolstadt bekam, wurde beauftragt, dieses Buch für die Bühne umzuschreiben. Das Theaterstück beginnt wie eine Geschichte: Es war einmal ein alter, sehr einsamer Mann mit Namen Pettersson, der niemand hatte, der mit ihm spricht, so sprach er in seiner Not mit den Hühnern. „Aber mit den Hühnern kann man sich nicht ernsthaft unterhalten“, so Habelt. Den Ernst seiner Lage erkannte die junge Nachbarin Beda Andersson und schenkte ihm eine Katze, um seiner Einsamkeit entgegenzuwirken. Mit einem Karton mit der Aufschrift „Findus grüne Bohnen“ überraschte sie Pettersson. „Was soll ich denn mit grünen Bohnen? Nein, ich mag gar keine grünen Bohnen“, kommentierte er das Geschenk. Die Kinder brüllten vor Spaß. Bei genauerer Hinsicht erkannte er in dem Karton den Kater. Da auf der Schachtel Findus stand, war die Namensgebung schnell geklärt. Pettersson blühte förmlich auf. Endlich hatte er jemand, mit dem er sprechen konnte. Er sprach mit Findus über alles, was ihn bewegte, er las ihm aus der Zeitung vor und er sang ihm abends schwedische Gutenachtlieder vor. Eines Tages überraschte Findus Pettersson beim Zeitungslesen mit den Worten: „So eine Hose will ich auch haben.“ Überglücklich, dass sein Kater jetzt nicht nur zuhören konnte, sondern auch noch sprechen, schenkte er Findus die Hose. Das letzte bisschen Einsamkeit wurde jetzt vertrieben und Findus hielt Pettersson ganz schön auf Trab. Morgens kitzelte er ihn aus dem Bett und tagsüber tranken sie Kaffee. „Wenn man jemand um sich hat, den man mag, braucht man sich nie mehr einsam zu fühlen. Ich glaube das nennt man Freundschaft“, so Pettersson. Eines Tages aber war Findus verschwunden und Pettersson wurde bewusst, wie sehr er den kleinen Kater liebte. Verzweifelt suchte er ihn und fand ihn schließlich auch wieder. Karlheinz Habelt und Susanne Engelhardt verschafften den Kindern viel Freude und Vergnügen – auch ohne Lichteffekte und aufwendiges Bühnenbild. Theater pur und hautnah.
Kulturkanal – 02.10.2006
Pettersson und Findus
Das Kinderstück „Petterson und Findus“ wurde am Sonntag nachmittag auf der Probebühne des Theaters Ingolstadt zum erstenmal gespielt. Gut, dass Karlheinz Habelt am Anfang als einsamer alter Mann mit so wunderbar melancholischem Blick dastehen darf und schließlich seine Hühner gackern lässt, und Susanne Engelhardt als Erzählerin und Nachbarsmädchen gleich ein so netter Anblick ist. Denn ab dem Moment, als sich aus dem Pappkarton mit der Aufschrift „Findus, grüne Bohnen“ ein Katzenschwanz reckt, hat man nur noch Augen für diesen bezaubernden Kater. Und dafür, wie geschickt und reizend Karlheinz Habelt dieses Stofftier als Handpuppe auf seinem Arm führt, den Kater in der Zeitung lesen oder aus einem Kaffehaferl trinken lässt, oder beide Darsteller diese Katze über die Mauer gucken oder balancieren lassen. Regisseur Tim Heilmann hat das berühmte Kinderbuch „Pettersson und Findus“ von Sven Nordqvist als mobile Produktion des Theaters Ingolstadt dramatisiert und mit einfachen Mitteln inszeniert. Eine grüne Wand, hinter der man sich Küche, Hühnerstall oder Schlafzimmer vorstellen muss. Die grüne Wand, von der sich die Kaffeebecher mit der Angelrute herauffischen lassen, über die Socken zum Trocknen ausgelegt werden: viele ganz einfache, hübsche Details am Rande. Gezeigt wird mit dieser Aufführung vor allem wieder, dass Kinder mehr Fantasie haben, als viele Comicfilmhersteller annehmen und sich das Unsichtbare ganz gut selbst vorstellen können. Warum allerdings hinter der Wand Petterssons Beine und auf der anderen Seite der Kopf des Mädchens hervorschauen ist ein absurder Bühnengag, der sich meiner Erwachsenenlogik entzieht. Am spannendsten aber ist, wie Karlheinz Habelt und Susanne Engelhardt im fliegenden Wechsel den Kater Findus bewegen und sprechen. Und man muss immer wieder genau hinsehen, um zu erkennen, wer da gerade wie diesem Kater zu seinen charmanten Kopfdrehungen, dem frechen Schwanzwedeln oder dem quirligen Ausbruchsversuch aus Petterssons Armen verhilft. Auch die Geschichte hält die Spannung über die 40 Minuten Spieldauer. Findus verschwindet aus Angst vor dem Dachs, der ebenso unsichtbar bleibt wie natürlich die kleinen Hausgeister, die Mucklis, die Pettersson helfen, seinen Freund, Gesprächspartner, sein ein und alles eben, wiederzufinden. Liebe Kindergärten und Grundschulen, „Pettersson und Findus“ beim Theater Ingolstadt buchen! Und gleich Stoffkatzen oder andere Handpuppen zum Nachspielen bereithalten!