Vor Sonnenaufgang

Soziales Drama von Gerhart Hauptmann

Mit „Vor Sonnenaufgang“ schuf der gerade 27-jährige Gerhart Hauptmann ein vieldiskutiertes Erstlingswerk. Das Stück ist das erste naturalistische Drama eines deutschen Autors, und als erster stellte Hauptmann desolate soziale Missstände auf der Bühne dar. Hauptmann vollzog mit seinem Stück den Anschluss an die Weltliteratur, denn mit Zola, Ibsen und Tolstoi war in anderen Ländern der Schritt in Richtung Naturalismus bereits vollzogen. Der beginnende Kohlebergbau hat die Bauern eines schlesischen Dorfes gegen Ende des 19. Jahrhunderts reich gemacht. Der plötzliche Wohlstand überfordert sie jedoch, das gewonnene Geld wird rasch verschleudert. Die Landarbeiter und Bergleute des Dorfes bleiben arm. Hoffmann, ein junger Ingenieur und ehemaliger Sozialist, hat in das Gut des reichen Bauern Krause eingeheiratet. Der alte Krause, ein skrupelloser, reicher Gutsbesitzer, ist ebenso wie seine zweite Frau und die schwangere Tochter Martha, Hoffmanns Gattin, dem Alkohol verfallen. So organisiert Hoffmann die Geschäfte des Hofes, während sich die Schwägerin Helene um die häuslichen Angelegenheiten kümmert. Helene, die einzige „untadelige“ und reine Person der Familie, ist verlobt mit Kahl, der ein Verhältnis mit Helenes Stiefmutter hat. Und damit nicht genug: Auch Hoffmann und ihr eigener Vater stellen ihr nach. Der Redakteur und Sozialreformer Alfred Loth besucht das Dorf. Er will eine volks­wirtschaftliche Studie über die Bergarbeiter schreiben und vermutet in seinem alten Kommilitonen Hoffmann einen Gesinnungsgenossen. Doch Hoffmann ist längst zum skrupellosen Geschäftsmann geworden. Helene, die in den Zuständen ihrer Familie bis dahin hoffnungslos gefangen war, erkennt in Loth eine Chance auf Rettung. Auch Loth fühlt sich zu Helene hingezogen, da sie ganz seinem Ideal einer „leiblich und geistig gesunden Frau“ zu entsprechen scheint. Als die beiden tatsächlich zueinander finden, wagt Helene nicht, Loth die Wahrheit über ihre Familie zu sagen. Erst als bei Martha die Wehen einsetzen, klärt der herbeigerufene Dr. Schimmelpfennig Loth darüber auf, dass auch Helene als erblich belastet gelten muss. Ist Helenes Aufbruch in eine „bessere Welt“ bereits zum Scheitern verurteilt? Hauptmann schildert in „Vor Sonne­naufgang“ Menschen, die zu Wirtschaftsgewinnern geworden sind, aber mit der Sinnleere ihrer neuen Existenz nicht zurecht kommen und trotz materiellen Wohlstands ihrem Untergang entgegentaumeln.
Regie: 
Thilo Voggenreiter
Bühne: 
Lars Peter
Kostüme: 
Yvette Schuster
Premiere am ,
Großes Haus
Dauer: 120 Minuten