Schiller: Ein Ehrendienst

Ein Abend zum 200. Todestag von Friedrich Schiller

Als Schiller am 9. Mai 1805 starb, wurde er nicht von Handwerkern zu Grabe getragen, wie es Brauch in Weimar war. Freunde trommelten Freiwillige zusammen, die es als Ehrendienst ansahen, den Sarg des großen Dichters auf ihren Schultern zum Friedhof zu tragen. Das Schauspielensemble des Theaters Ingolstadt sieht es als seinen Ehrendienst an, den 200. Todestag Friedrich Schillers zu nutzen, um Schiller in all seiner Lebendigkeit zu erfahren und neu für die Ingolstädter und sich zu entdecken. „Der junge Wilde“ wird Friedrich Schiller häufig genannt, und dies nicht nur aufgrund seines unbändigen Freiheitswillens, den er sowohl im Leben als auch in seinem Werk zum Ausdruck brachte. Trotz seines permanenten Kampfes um das finanzielle Überleben ließ er sich nicht vom literarischen Weg abbringen, den er bereits in seiner Jugend eingeschlagen hatte. Schillers rastlose Arbeit als enthusiastischer Theaterpraktiker und -theoretiker, als Dichter und Wissenschaftler, sein Wirken zwischen ökonomischen Zwängen und ideellen Anschauungen, wird Thema des Hauptprogramms EINE HULDIGUNG DER KÜNSTE...SCHILLERS sein. Danach muss der Zuschauer sich entscheiden. In der Unterbühne des Großen Hauses zeigen wir Falco Blomes Dramatisierung des VERBRECHER AUS VERLORENER EHRE, eine der populärsten Erzählungen Schillers. Im oberen Foyer gibt es gleichzeitig eine literarische Sensation. Erstmalig geben wir Einblick in das GEHEIME TAGEBUCH VON FRIEDRICH SCHILLER. Die Schrift ist erst kürzlich aufgetaucht und noch nicht veröffentlicht. In kurzen Szenen kontrastieren wir die Auskünfte des Autors mit den Erinnerungen seiner Witwe und seiner Schwägerin. Hier erfahren die Zuschauer, was sie schon immer wissen wollten, aber sich nie zu fragen getrauten und was selbst Rüdiger Safranski in seinem neuen Buch verschweigt. Den Abschluss des Abends bieten wir ein Balladenprogramm. UND STAUNEN ERGREIFT DAS VOLK UMHER- LINDWURM; GLOCKE UND DER GANG NACH EISENHAMMER. Wer kennt sie nicht, diese scheinbar endlosen Schöpfungen, die zu den populärsten Gedichten Schillers gehören und größtenteils 1798 in der Zusammenarbeit mit Goethe entstanden. Eine spannende Handlung, eine effektvolle eingängige Sprache und Sentenzen, die schnell zu geflügelten Worten wurden, sind ihre Markenzeichen. Eine Reise in Schillers poetische Welt. Wir laden alle Interessierten und Neugierigen ein zu diesem Ehrendienst an Schiller, der nicht die Schultern, wohl aber den Kopf fordert und den Griff zur eingestaubten Schillerausgabe erspart. Außerdem beantwortet es ganz nebenbei eine der dramaturgischen Preisfragen Schillers „Warum verdient das deutsche Publikum im allgemeinsten und besonders in Rücksicht auf den Schauspieler, das beste Publikum zu heißen?“. Weil es diesen Ehrendienst leistet. „ Einige wandeln zu ernst, die anderen schreiten verwegen, Wenige gehen den Schritt, wie ihn das Publikum hält“ (Xenien), für diesen Abend sei es versprochen. Aber: Nur die Fülle führt zur Klarheit, Und im Abgrund wohnt die Wahrheit.
,
Foyer/Großes Haus