Traum weißer Pferde

Jugendstück von Nick Wood

ab 12 Jahren

Ein neues Jugendstück aus Großbritannien kommt in Ingolstadt erstmals auf die Bühne: Der 14jährige Paul und seine Freundin Stevie teilen die Leidenschaft für ein gefährliches Hobby: in nächtlichen Kletteraktionen steigen sie auf die Dächer öffentlicher Gebäude, „taggen“, d.h. markieren sie und suchen sich dann den nächsten noch schwierigeren Aufstieg. Paul eifert seinem verstorbenen Vater nach, der beim Klettern in den Tod stürzte und dessen Schicksal Paul keine Ruhe lässt. Mit der Unterstützung des neuen Klassenkameraden Martin, der allerdings für das Klettern überhaupt nichts übrig hat, plant Paul den Ausflug zu der Kletterroute, bei der sein Vater ums Leben kam und die er jetzt mit Stevie absolvieren will. Das Stück beschreibt nicht nur wie Jugendliche in der Konfrontation mit Extremsituationen ihre Grenzen erfahren; die Regeln des Klettersports, bei dem man immer von seinem Partner gesichert wird, werden zum Sinnbild für verantwortungsvollen zwischenmenschlichen Umgang überhaupt. Der Autor Nick Wood ist Schauspieler, Regisseur, Journalist, Lehrer. Sein bisher größer Erfolg ist das Jugendstück „Warrior Square“, 2000 am Nottingham Playhouse uraufgeführt und 2003 unter dem deutschen Titel „Fluchtwege“ mit dem „Brüder- Grimm-Preis des Landes Berlin“ ausgezeichnet. Nick Wood arbeitet regelmäßig auch mit Schülern und Studenten an gemeinsamen Theaterprojekten, für die Royal Shakespeare Company London hat er zuletzt den Coriolan-Stoff für Jugendliche und professionelle Schauspieler erarbeitet. „Traum weißer Pferde“ war 2004 für den Deutschen Jugendtheaterpreis nominiert.
Regie: 
Pierre Walter Politz
Bühne: 
Dorothea Mahr
Kostüme: 
Dorothea Mahr
Premiere am ,
Kleines Haus
Dauer: 90 Minuten
Augsburger Allgemeine – 27.11.2004
Immer in die Höhe
In Extremsituationen führend und Exemplarisches, menschlich Allgemeingültiges zu zeigen, lautet eine häufige Formel klassischen Theaters. Demnach besitzt Woods Theater alles. Paul (Enrico Spohn) und Stevie (Rebecca Kirchmann) begnügen sich nur mit dem Höchsten. Ihre große Leidenschaft ist das "Tagen" (aus dem Englischen kommend): Die beiden sind Häuserkletterer; am höchsten, gefährlichsten, verbotensten Punkt setzen, "tagen" sie ihre Marke. Immer höher hinaus muss es gehen. Nicht allen genügt wie Martin, dem sympathischen Spanner (Alexander Leistritz), abwechselnd der Blick auf den Mond und hinter fremde Fenster. Denn da ist auch Pauls Biografie: Sein Vater ist in den Bergen, auf der Tour mit dem schönen Namen "Traum weißer Pferde" abgestürzt - oder abgesprungen. Lebenstraum oder Lebenslüge, diese Frage quält Paul, der mit Stevie die gleiche Tour machen muss.