Frankenstein

Musical nach dem Roman von Mary Shelley

Buch: Michael Seyfried / Musik: Stephan Kanyar

Vor nicht ganz 200 Jahren, im Jahr 1813, erschien Mary Shelleys Erfolgsroman „Frankenstein oder Der moderne Prometheus“. Mary Shelley siedelte das Herzstück ihrer Romanhandlung im Ingolstadt des 18. Jahrhunderts an, zu jener Zeit Sitz der ersten bayerischen Universität. Hier studierte Shelleys fiktiver Held, der Wissenschaftler Dr. Victor Frankenstein – und hier erschuf er sein berühmtes Monster! Im 20. Jahrhunderts erreichte der „Frankenstein-Mythos durch zahlreiche Verfilmungen Weltruhm, nun kehrt „Frankenstein“ als Musical erstmals nach Ingolstadt zurück. Die Handlung folgt weitgehend der berühmten Romanvorlage: Der junge Wissenschaftler Victor Frankenstein ist besessen von der Idee, künstliches Leben zu schaffen. Bei den Professoren und Gelehrten der Ingolstädter Universität erntet Frankenstein für seine Pläne nur Hohn und Unverständnis; dennoch gelingt es Frankenstein schließlich, ein neues Wesen aus verschiedenen Leichenteilen zum Leben zu erwecken. Frankensteins Kreatur ist jedoch kein neuer Mensch, sondern ein Monster, ein Ungeheuer, das der Führung seines Schöpfers rasch entgleitet. Victor Frankenstein flieht vor seinem eigenen Geschöpf zu seiner Verlobten Elisabeth und seiner Familie an den Genfer See, doch das Monster, von der Umwelt verstoßen und gedemütigt, folgt seinem Schöpfer nach. Da sich Frankenstein nun weigert, dem Monster eine Gefährtin zu erschaffen, nimmt die Katastrophe ihren Lauf... „AZ-Stern der Woche“ „Vorzüglich sind die geschickt in die Handlung eingebauten Tanzszenen. Nicht umsonst ist der Regisseur Pierre Wyss von Haus aus Choreograf – er war langjähriger Ballettchef in Braunschweig und Karlsruhe. So lernt das Monster beispielsweise anhand von tanzenden Buchstaben sprechen.“ (Hannoversche Allgemeine Zeitung) „Die Ingolstädter machen mit geringem Aufwand effektvolles Theater. (...) Die perfekt singenden Darsteller der Hauptrollen sind aus dem Ensemble. Die Aufführung zeigt, was ein kleineres Stadttheater leisten kann, wenn es seine künstlerischen Reserven mobilisiert. Der Beifall war zu Recht monströs. (Abendzeitung München) „Melodien, die ins Ohr gehen; die bewegende Geschichte eines Forschers, der die Menschheit retten will und seinen Liebsten das Verderben bringt; eine grandiose Gesangsleistung fast aller Schauspieler. Die Uraufführung des „Frankenstein-Musicals in Ingolstadt wurde frenetisch gefeiert.“ (Augsburger Allgemeine)
Regie: 
Pierre Wyss
Choreografie: 
Hugo Vieira
Musikalische Leitung, Arrangements, Einstudierung: 
Walter Kiesbauer
Bühne: 
Johannes Conen
Kostüme: 
Claudia Helling
Premiere am ,
Großes Haus
Dauer: 165 Minuten, mit Pause
Abendzeitung München – 21.12.2004
Monster von Ingolstadt. Höchst gelungen: "Frankenstein" als Musical am Originalschauplatz
Der 16. Juni 1816 war der Tag des Horrors: Lord Byron langweilte sich am Genfer See. Er forderte seine Reisebegleiter auf, Gespenstergeschichten zu erfinden. Sie wurden berühmt und eroberten die Bühne, später das Kino. William Polidori löste mit "The Vampyre" eine bis heute nicht abgeebte Blutsauger-Welle aus. Mary Shelley gelang mit "Frankenstein" der moderne Mythos vom irregeleiteten Wissenschaftler, der einen künstlichen Menschen erschafft. Lebendig wird dieses aus Leichenteilen zusammengesetzte Monster in Ingolstadt. Vielleicht deshalb, weil sich Shelleys Horrorgeschichte als Allegorie auf die Französische Revolution lesen lässt, deren Ausbruch zeitgenössische Verschwörungsthoretiker dem dort gegründeten geheimen Illuminaten-Orden zuschrieben. Im ehemaligen Anatomie-Gebäude ist heute ein medizinhistorisches Museum, und natürlich gibt es längst Frankenstein-Führungen durch die Donau-Stadt. Seit Sonntag besitzt dieser Schauplatz der Weltliteratur auch ein "Frankenstein"-Musical, in dem der Name der Stadt öfter vorkommt als im Roman. Da lachten die Lokalpatrioten im Stadttheater. Komponiert wurde es von Stephan Kanyar, dem langjährigen Schauspielmusikchef des Theaters. Ihm glückte ein Musical, das sich vor der internationalen Konfektionsware überhaupt nicht zu verstecken braucht. Horror funktioniert auf der Bühne kaum mehr. Das kann die Schnitt-Technik der Kinos besser. Die Ingolstädter Aufführung umschifft diese Klippe durch eine hart an Shelleys Roman erzählte Geschichte. Der Text von Schauspieler Michael Seyfried rückt Victor Frankenstein ins Zentrum, der von der Rache des Monsters verfolgt wird. Vorzüglich sind die geschickt in die Handlung eingebauten Tanzszenen. Nicht umsonst ist der Regisseur Pierre Wyss von Haus aus Choreograph. Das Monster lernt von tanzenden Buchstaben sprechen, Frankenstein sieht in einer Szene den drohenden Untergang der Menschheit, wenn er seinem Geschöpf auch noch eine Gefährtin gibt. Die Ingolstädter machen mit geringem Aufwand effektvolles Theater. Vier Videobeamer projizieren bewegte Bilder auf die Bühne. Die professionellen Tänzer wurden wie das Orchester auf dem freien Markt engagiert, denn das Stadttheater ist eine reine Sprechbühne. Die perfekt singenden Darsteller der Hauptrollen sind aus dem Ensemble. Die Aufführung zeigt, was ein kleineres Stadttheater leisten kann, wenn es seine künstlerischen Reserven mobilisiert. Der Beifall war zu Recht monströs. Robert Braunmüller
Nürnberger Nachrichten – 21.12.2004
Das Grusel-Geschöpf jagt seinen Schöpfer
Es gab Zeiten, da hätte es manche Kommune rundweg abgelehnt, mit einer solch bluttriefenden Story imageträchtig hausieren zu gehen. Aber die Zeiten haben sich gewandelt, und das ist gut so. Deshalb macht es viel Sinn und noch mehr Spaß, dass sich das Ingolstädter Theater an Mary Shelleys mythengründenden „Frankenstein“Debütroman erinnerte und daraus ein tempogeladenes Musical strickte. Immerhin spielen elf der 24 Kapitel in der ehemaligen Bayern-Metropole, auch wenn es sich um ein rein fiktives Ingolstadt handelt, das in Verfilmungen denn auch oft zu „Goldstadt“ mutierte. Als die britische Autorin 1816 mit blutjungen 19 Jahren ihren Gruselschocker schrieb, hatte sie zwar nie die Donaustadt betreten. Aber vom ausgezeichneten Ruf der naturwissenschaftlich-medizinischen Fakultät gehört und davon, dass dort im späten 18. Jahrhundert ein gewisser Adam Weishaupt wirkte. Der begründete 1776 allhier den revolutionären Geheimbund der „Illuminaten“ und galt im post-napoleonischen Europa als einer der Initiatoren der „Französischen Revolution“. Machte sich sein 1785 verbotener Verein doch zur Aufgabe, weltweit gegen Religion, Staat, Sitte und Privateigentum vorzugehen. Einen gewissen, aus dieser aufklärerischen Tradition herrührenden Impetus hat auch Shelleys Roman, in dem die künstlich geformte Kreatur ja nicht nur die alte Adam-Frage stellt („Warum hast Du mich erschaffen?“), sondern geradezu faustisch das Verhältnis von Erfinder und Erfindung auf den Kopf stellt. „Ich bin Dein Geschöpf, aber ich befehle Dir!“ So steht es auch wörtlich im Libretto von Michael Seyfried, das der langjährige musikalische Leiter am Ingolstädter (Sprech-)Theater, Stephan Kanyar, routiniert bis zündend vertonte. Ob große Tableaux (wie die Hochzeitsszene oder im Tanz der Lemuren), opernhaftes Liebes-Duett oder die klagende Verzweiflung des seelenlosen Monsters, das sich dennoch nach Liebe und Freunschaft sehnt - mit sicherem Griff in die Webber- und Porter-Trickkiste rührte Kanyar einen Melodiencocktail an, der sich (wie etwa der „Frankenstein“-Intro-Chor) durchaus schlagermäßig in die Erinnerung einnistet. Kanyars Nachfolger, Walter Kiesbauer, setzt sich mit seiner zehnköpfigen Combo sehr vital und peppig für diesen raffinierten Mix aus Rezitativ- und Revuenummern ein. Im ersten Teil verfolgt man den Karriere- und Bewusstseinsweg des ehrgeizigen Medizinstudenten Victor Frankenstein (Peter Reisser), dessen Visionen in seinem liebevollen familiären Umfeld unverstanden bleiben. Er setzt sich von Genf nach Ingolstadt ab und experimentiert dort mit Körperfragmenten und der eben entdeckten Elektrizität. Tatsächlich gelingt es ihm, dem zusammengeflickten Fleischpaket physisches Leben einzuflößen. Nach der Pause steht dann der blutige Kampf zwischen Schöpfer und Geschöpf im Mittelpunkt des dreistündigen Bühnengeschehens. Frankenstein merkt, wie sehr er sich ethisch verrannt hat, aber er kann dem immer lebendigeren Monster keinen Einhalt mehr gebieten. Hier schlägt die Stunde des amerikanischen Musicalstars Randy Diamond, dessen darstellerische wie gesangliche Präsenz aus dem Narben-Fleischpack ein Empathie einforderndes Individuum formt. Im Gegensatz zu einer etwas nördlicher gelegenen Bühne verpflichtete man Genre-vertraute Gäste ans Haus: Regisseur Pierre Wyss kommt vom Film und vom Tanz. Und das zahlte sich aus. Perfekt choreografierte Massenszenen in konzentriertem Rokoko-Design, eine schnell wandelbare Bühnenlandschaft zwischen OP-Zone, Freitreppen und Projektionskulissen schaffen Abwechslung und neue Perspektiven. Natürlich spritzt das Blut, natürlich gibt es zischende Funkenparaden, aber nie übertrieben, sondern mit heiter-ironischer Distanz. Ein Hingucker, der alle Ehren wert ist. Und eine Musik, die augenzwinkernd auch schon mal die „schöne blaue Donau“ im Ballett der Höllengeister zitiert.
Neuburger Rundschau – 21.12.2004
Auf der Suche nach Liebe und Menschlichkeit
Einige Melodien, die ins Ohr gehen; die bewegende Geschichte eines Forschers, die die Menschheit retten will und seinen Liebsten das Verderben bringt; eine grandiose Gesangsleistung fast aller Schauspieler und ein vieoanimiertes Bühnenbild - frenetisch gefeiert wurde am Sonntag abend die Uraufführung des "Frankenstein Musicals" von Stephan Kanyar (Musik) und Michael Seyfried (Text) im Theater Ingolstadt. Als "Ohrwurm" mutet schon der Prolog "Frankenstein, was sind deine Ziele?" von Henry, perfekt gesungen von Aurel Bereuter, an, der im 21. Jahrhundert ein Tagebuch mit Victor Frankensteins Forschungsberichten findet und zurückreist ins Jahr 1776: Heiter und fröhlich wie Kanyars Musik ist die Stimmung beim Abschiedsfest des jungen Wissenschaftlers -Peter Reisser überzeugte nicht zuletzt durch seine Stimme in dieser Rolle - der an der Universität in Ingolstadt forschen möchte für "eine bessere Zukunft für die Welt". Die singende Stimme von Frankensteins toter Mutter - ihr Porträt wird wie später auch die der Hauptdarsteller, auf die grauen Stoffbahnen des Bühnenbildes (Johannes Conen) projiziert - bestärkt in, seiner Vision, "Herrscher über Leben und Tod" zu werden, zu verwirklichen. Donnergrollen und Blitze ­ mit denen Frankenstein einen aus Leichenteilen zusammengeflickten Körper wieder zum Leben erwecken möchte, deuten bereits das nahende Unheil an. Aus denen sich im Takte der Orchestermusik (Leitung Walter Kiesbauer) wiegenden Blumenwiesen und Weizenfeldern werden auf den Leinwänden züngelnde Flammen. Großartige Musik von Kanyar Victors Lied "Die Zukunft der Evolution erweckt aus meiner Vision eine ganz neue Dimension: Frankensteins Revolution" könnte der Musical-Song werden. Perfekt in Szene gesetzt wird er vom Ensemble nach der einfallsreichen und immer wieder variierenden Choreographie von Hugo Vieira: da liegen einmal zum Takt zuckende Körper auf der kahlen Bühne, drahtige Tänzer bewegen sich wie beim klassischen Ballett, tanzen aber auch Modern Dance Art und vor dem großen Finale verkörpern sie Schlangenmenschengleich mit großen Schweißerbrillen die Monsterarmee... Doch bevor es so weit kommt, schafft Viktor Frankenstein unter gleißendblauem OP-Licht sein Monster. Verzweifelt packt der Schöpfer den nackten, schlaffen Körper, dem der Strom nicht das erhoffte Leben einhaucht ­ zumindest nicht sofort: als der Wissenschaftler dem Leichnam seinen Rücken zuwendet, beginnt der blutverschmierte Leib unkontrolliert zu zucken. Geschockt darüber, dass sein künstlicher Mensch nichts von der Tugend und Schönheit hat, die er sich erträumte, flüchtet Frankenstein zurück zu seiner Familie an den Genfer See. Stephan Kanyar, der mit seinen Kompositionen, die Rock- und Pop-Elemente, aber auch zeitgenössische Klassik enthalten, für die großartige Musik verantwortlich ist, hätte beinahe einen entscheidenden Fehler begangen, hätte er, wie ursprünglich geplant, dem Monster keine Stimme verliehen. So aber ist es die glatzkahlige, gequält stöhnende Kreatur mit der hässlichen Fratze, die nicht zuletzt durch die perfekte Darstellung von Gast-Musical-Star Randy Diamond bei seiner Suche nach Liebe und Menschlichkeit die Sympathien des Publikums gewinnt. Es stellt sich kein Mitleid ein mit dem größenwahnsinnigen Wissenschaftler, der just an seinem Hochzeitstag ­ als Frankensteins Gattin Elisabeth kann Chris Nonnast nicht mit der Gesangsleistung ihrer männlichen Kollegen mithalten ­ durch die Hände seiner eigenen Kreatur ("Du bist der größte Fehler, den ich begangen habe. Fahr zur Hölle.") den kleinen Bruder Willi (in dieser Rolle lieferte der neunjährige Matthias Thummet aus Ingolstadt ein beeindruckendes Theater-Debüt) verliert. Endlich gibt der herzlose Schöpfer dem Flehen seines Monsters nach, ihm eine Gefährtin zu schaffen. Viktors Vision, eine ganze Armee von Monstern ­ angeführt vom toten Bruder Willi und bedrohlich dargestellt vom Ensemble ­ könnte dann die Welt bevölkern, wenn sich seine Kreatur vermehrt, hindert ihn, eine weitere prometheische Tat zu vollbringen. Erst als sich die Kreatur mit dem Mord an Elisabeth rächt, baut der verzweifelte Viktor Frankenstein sein Schöpferlabor wieder auf, um den Leichnam der geliebten Ehefrau wieder zum Leben zu erwecken. Das Werk gelingt und das Gezerre zwischen Schöpfer und Monster um die glatzkahlig und nur noch mit den Resten ihres Reifrockes bekleidete, grotesk wirkende weibliche Figur beginnt. Eine solche Geschichte kann wie die Romanvorlage von Mary Shelley kein glückliches Ende haben: Beim großen Finale am Ende der Welt, wohin der Forscher seinen Dämon aus Hass verfolgt, ­ in der Arktis ­ steht beiden der Untergang bevor... Intendant Peter Reins Wagnis, mit Hilfe von Regisseur Pierre Wyss ein Musical über Ingolstadts berühmtesten Sohn auf die Bühne zu bringen, ist geglückt. Schade nur, dass der gebürtige Lausanner seine Heimat in dem Musical ganz vergisst: Videoanimationen vom Genfer See und den angrenzenden Alpen, wo Viktor Frankenstein lebte und der auch Mary Shelley so faszinierte, hätten die Bühnenkulisse sicher nur bereichert....
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