norway.today

von Igor Bauersima

Norwegen, Lysefjord, Prekestolen-Felsen, 600 Meter steil abfallende Felswand - die Touristenattraktion schlechthin. Also Rucksack, Zelt und Schlafsack gepackt, Bahnticket gelöst und spätestens 24 Stunden später hat man Natur pur. Doch Julie und August haben nicht diese Urlaubsbilder im Kopf, als sie sich am Ende der Welt verabreden. Das Internet hat sie zusammengebracht, im Chatroom merken sie, dass sie sich auf einer Wellenlänge befinden: Beide wollen sie freiwillig aus dem Leben scheiden. Julie ist eigentlich ein glücklicher Mensch, sieht gut aus, ist jung und erfolgreich und hat den Mann ihres Lebens gefunden. Und doch sucht sie einen Partner zum Selbstmord. August hat das Leben satt, Ticket nach Norwegen und dann 600 Meter freier Fall, 10 Sekunden reines Glück. An einem schneetrüben Tag kommen sie auf dem Plateau an, ein paar Brötchen und Bier im Gepäck. Eine Nacht im Zelt noch und dann der große Sprung. Zehn Sekunden Wahrhaftigkeit und Freiheit. Wird es die Nachwelt verstehen? Ein Video an die Lebenden soll Abhilfe schaffen. Doch vor der Kamera, in stets neuen Posen und Szenen zögern sie die Konsequenz immer weiter hinaus. Es stellen sich immer neue Fragen: Kann man dem anderen trauen? Will der überhaupt sterben, spielt man sich nur was vor, was will ich eigentlich? So nimmt der vermeintlich letzte Tag ganz ungewohnte Wendungen, zumal Polarlichter und erotische Phantasien ins Spiel kommen. Und dann geschieht es doch: Julie ist zu nahe am Abgrund gekommen und hängt an der Klippe. Gerade noch wollte sie den Partner in die Tiefe stürzen und nun bettelt sie selbst um Hilfe... Doch am Ende steht... in der Realität der Selbstmord. Denn der Autor schrieb das Stück nach einer wahren Begebenheit aus dem Jahre 2000 Bauersima zeigt junge Leute, denen alles „fake“ ist, die endlich einmal nicht nur virtuell sondern real abstürzen wollen. Immer nur festgehalten, suchen sie den freien Fall, den Ernstfall des Lebens. Doch dabei erleben sie etwas, auf das sie nicht vorbereitet sind. Sie, die angeblich alles kennen, werden zu Anfängern in Sachen Liebe. Was ist stärker, die Angst vor der Zukunft oder die Angst vor dem Tod? Entstanden ist ein sehr witziges Stück über Sinn und Unsinn des Lebens, eine Selbstmordstory, die vielleicht Lebensmut vermittelt und die Surrealität eines Egotrips. Werden mit dem Schwinden der Grenzen zwischen Netzwelt und Wirklichkeit auch die Auswege aus Lebenskrisen geringer? Ein Stück über junge Leute, aber nicht nur für solche. Igor Bauersima ist genau 400 Jahre und zwei Monate nach Shakespeare geboren, Kind eines tschechischen Vaters und einer russischen Mutter, die mit ihm 1968 aus Prag in die Schweiz flohen. Über die Arbeit mit Off-Theatergruppen kam er zum Schreiben und hat sich als Regisseur und Autor unterdessen fest etabliert. „norway.today“ war eine Auftragsarbeit für das Düsseldorfer Schauspiel und erhielt 2001 den Publikumspreis beim Mülheimer Theaterfestival.
Regie: 
Dominik von Gunten
Bühne: 
Cornelia Brunn
Kostüme: 
Cornelia Brunn
Musikalische Leitung: 
Walter Kiesbauer
Premiere am ,
Kleines Haus
Dauer: 105 Minuten
Kulturkanal – 04.10.2004
Kann theatersüchtig machen
Partnersuche im Internet, nicht für gemeinsamen Sex, sondern für einen gemeinsamen Selbstmord. Ein makabres Gedankenspiel, erschreckend, wenn der Sprung aus dem Chatroom in die Wirklichkeit gelingt. Der Fall ging vor einigen Jahren durch die Medien. Zwei junge Menschen suchen sich in einem suizid-chatroom und beschliessen, sich zu treffen und gemeinsam Selbstmord zu begehen. Sie springen von einer norwegischen Klippe über einem Fjord 600m in die Tiefe. Sie waren für eine Nacht im Schnee ausgerüstet mit Zelt, Isomatten, Lebensmitteln. Die 17-jährige Schülerin aus Österreich hatte aber auch ihren Schminkkoffer dabei, sie trug hochhackige Schuhe und ein langes Kleid. Eine romantische Todessehnsuchts-Attitüde wie beim Werther-Fieber nach Goethes Roman? Der Autor Igor Bauersima hat mit Ende 30 sein kluges, und inzwischen vielgespieltes Jugendstück über die letzten gmeinsamen Stunden dieses Paars geschrieben, das unter dem Titel Norway.today am Freitag im Theater am Turm Baur in Ingolstadt Premiere hatte. Inszeniert von Dominik von Gunten und ausgestattet von Cornelia Brunn, die bereits mit der Produktion „Das Fest“ für einen hervorragenden Theaterabend am selben Spielort gesorgt haben. Nach dem Internet-Geplänkel, theatralisch aufgelöst als eine Art Kasperltheater mit Fotoportraitmasken vor dem Gesicht von Julie und August, wie sich die beiden nennen, fällt diese Puppenbühnen- Monitor-Kulisse und es beginnt ein sehr dichter und manchmal sogar witziger Theaterabend. Julie und August befinden sich auf einer weißen, zu mehreren Schrägen gebrochenen Plattform, die über einem schwarzen Abgrund zu schweben scheint. Ein einsames, abschüssiges Schneefeld, ein Floß, eine Insel, ein Kampfring als Spielfläche, von der es kein Entkommen gibt, es sei denn, den Sprung in das schwarze Nichts. Der Charakter einer kalten, rutschigen Eisfläche entsteht dabei mit einem so einfachen Material wie Papier, das im Laufe des intensiven Spiels einreißt, sich ablöst, brüchig wird. Mit dieser großartigen Bühnenlösung von Cornelia Brunn und den beiden sehr intensiven und dennoch unspektakulär natürlich agierenden Darstellern Enrico Spohn und Simone Oswald entwickelt sich ein faszinierend spielerischer Zweikampf um die tiefsinnigsten Fragen nach der eigenen Identität und der des anderen, nach Tod und Lebenssinn . August redet viel, vielleicht aus Angst, hackt eine Banane als Brotbelag, wirkt aufgeregt wie vor einer Prüfung oder dem ersten Bordellbesuch. Julie untersucht mit stoischer Neugier das Terrain nach der geeigneten Stelle für den Todessprung. 10 Sekunden wird es dauern, um unten anzukommen, haben sie ausgerechnet. Was denkt man in diesen 10 Sekunden? Wann ist der Zeitpunkt gekommen, um zu springen? Jetzt gleich oder erst am nächsten Morgen? Sie testen sich und die Ernsthaftigkeit der Selbstmordabsicht aus, sie sind mißtrauisch, provozieren sich, finden sich nett , haben Angst, vielleicht vor dem Tod, vielleicht mehr noch voreinander, vor dem Leben. Zwei einander fremde Menschen lernen sich kennen. Aber wozu? Was geben sie, die sich im Internet eine fingierte Identität gegeben haben, voneinander preis über das Leben, das sie verlassen wollen und über die Gründe, warum sie den Tod suchen. Stimmt es wirklich, dass JUlie es satt hat, immer vor allen Abgründen bewahrt worden zu sein, immer eigentlich alles bekommen zu haben? Stimmt es wirklich, dass August einfach den ganzen Fake, dieses Leben hinter irgendwelchen Masken satt hat und ihm eigentlich nur noch Sorge macht, wer seinen Fisch füttert? Und ist dieses gegenseitige Kennenlernen im Angesicht des Todes nicht interessant, spannend, schön, ein verführerisches Kokettieren mit dem Schritt zurück ins Leben? Sie erleben das Naturschauspiel des Polarlichts und eine gemeinsame Nacht im Zelt. Könnten dies nicht auch irritierende Momente des Glücks sein? Die beiden stellen sich vor, wie es wäre sich zu lieben. Oder haben sie sich wirklich ineinander verliebt? Das Polarlicht wird nur akustisch als elektronisches Vibrieren umgesetzt, und mit einem witzigen Verfremdungseffekt, mit einem Videofilm, nimmt Dominik von Gunten auch den pubertären Liebesszenen jeden Anflug von Peinlichkeit. Und dabei darf durchaus gekichert werden über Enrico Spohns schüchterne Begeisterung und Simone Oswalds fröhliche Liebeseuphorie. Es darf sogar geschmunzelt werden, wenn die beiden bei dem Versuch ihre letzten Botschaften an ihre Lieben per video aufzuzeichnen, in professionelle film-Set-Allüren von Kameramann, Regisseur und Starschauspielerin verfallen. Keine deprimierende Aufführung über ein deprimierendes Thema also. Das Mißgeschick, versehentlich die halbe Milchtüte über sich zu schütten, kann eben auch am Rand des Todes passieren - und vielleicht gerade dann. Und auch kurz vor dem Todessprung ist es unangenehm, barfuß im Schnee kalte Füße zu bekommen. Dominik von Gunten inszeniert mit wohltuendem Feingefühl auch solche banalen tragikomischen Nuancen, um vor allzu viel Betroffenheit bewahrt und mental erfrischt wieder einzusteigen in die vielen Fragen über das Leben und darüber, was zwei Menschen wirklich voneinander erfahren können. Simone Oswald, die direkt von der Schauspielschule in Hannover ans Theater Ingolstadt engagiert wurde, bewältigt die schwierige Rolle mit bewundernswerter Leichtigkeit. Sie spielt konsequent gegen die Erwartungshaltung an eine jugendliche Selbstmörderin an. Sie ist keine depressive, frustrierte Lebensmüde und keine romantische Schwärmerin, sondern lässig erfolgsgewohnt und daher durchaus selbstbewußt und ein bißchen herrschsüchtig , beliebt auf jeder Party, aber auch ein prima Bergsteigerkumpel könnte man sich vorstellen, ein mal fröhliches , mal ernsthaftes junges Mädchen, mal supernett, mal ein bißchen fies, impulsiv und nüchtern, spitzfindig und vital, neugierig auf Gedanken- und Wirklichkeits- Spiele. Und Enrico Spohn beweist einmal mehr seine Stärke, sich intensiv in eine Situation zu krallen und dennoch nie in aufgesetzte Theatralik zu kippen , nicht wenn er aus Todesangst weint und nicht, wenn er mit seiner zauberhaften Schüchternheit als offensichtlich unerfahrener Lover hausieren gehen könnte. Man sieht, wie einfühlsam Regisseur Dominik von Gunten die beiden Darsteller in differenzierte emotionale Höhen und Tiefen und vorbei an den Abgründen simpler Eindeutigkeiten geführt hat. Und selbst die immerwährende Spannung auf das Ende - springen sie nun oder springen sie vielleicht doch nicht? - löst diese Inszenierung grandios mit vielen offenen Fragen. Etwa: Wäre ein Sprung zurück in ein gemeinsames Leben nicht auch ein mutiger Sprung in den Abgrund einer ungewissen Zukunft? Oder könnte es auch ein Sprung zurück in eine fiktionale Wirklichkeit sein, so fiktiv wie das Gefühl , einen Gleichgesinnten gefunden zu haben? Man kann Norway.today nur viele, vor allem auch jugendliche Zuschauer wünschen. Diese Aufführung könnte selbst Chatroom-Besucher theatersüchtig machen. Isabella Kreim
Kulturkanal – 04.10.2004
Kann theatersüchtig machen
Partnersuche im Internet, nicht für gemeinsamen Sex, sondern für einen gemeinsamen Selbstmord. Ein makabres Gedankenspiel, erschreckend, wenn der Sprung aus dem Chatroom in die Wirklichkeit gelingt. Der Fall ging vor einigen Jahren durch die Medien. Zwei junge Menschen suchen sich in einem suizid-chatroom und beschliessen, sich zu treffen und gemeinsam Selbstmord zu begehen. Sie springen von einer norwegischen Klippe über einem Fjord 600m in die Tiefe. Sie waren für eine Nacht im Schnee ausgerüstet mit Zelt, Isomatten, Lebensmitteln. Die 17-jährige Schülerin aus Österreich hatte aber auch ihren Schminkkoffer dabei, sie trug hochhackige Schuhe und ein langes Kleid. Eine romantische Todessehnsuchts-Attitüde wie beim Werther-Fieber nach Goethes Roman? Der Autor Igor Bauersima hat mit Ende 30 sein kluges, und inzwischen vielgespieltes Jugendstück über die letzten gmeinsamen Stunden dieses Paars geschrieben, das unter dem Titel Norway.today am Freitag im Theater am Turm Baur in Ingolstadt Premiere hatte. Inszeniert von Dominik von Gunten und ausgestattet von Cornelia Brunn, die bereits mit der Produktion „Das Fest“ für einen hervorragenden Theaterabend am selben Spielort gesorgt haben. Nach dem Internet-Geplänkel, theatralisch aufgelöst als eine Art Kasperltheater mit Fotoportraitmasken vor dem Gesicht von Julie und August, wie sich die beiden nennen, fällt diese Puppenbühnen- Monitor-Kulisse und es beginnt ein sehr dichter und manchmal sogar witziger Theaterabend. Julie und August befinden sich auf einer weißen, zu mehreren Schrägen gebrochenen Plattform, die über einem schwarzen Abgrund zu schweben scheint. Ein einsames, abschüssiges Schneefeld, ein Floß, eine Insel, ein Kampfring als Spielfläche, von der es kein Entkommen gibt, es sei denn, den Sprung in das schwarze Nichts. Der Charakter einer kalten, rutschigen Eisfläche entsteht dabei mit einem so einfachen Material wie Papier, das im Laufe des intensiven Spiels einreißt, sich ablöst, brüchig wird. Mit dieser großartigen Bühnenlösung von Cornelia Brunn und den beiden sehr intensiven und dennoch unspektakulär natürlich agierenden Darstellern Enrico Spohn und Simone Oswald entwickelt sich ein faszinierend spielerischer Zweikampf um die tiefsinnigsten Fragen nach der eigenen Identität und der des anderen, nach Tod und Lebenssinn . August redet viel, vielleicht aus Angst, hackt eine Banane als Brotbelag, wirkt aufgeregt wie vor einer Prüfung oder dem ersten Bordellbesuch. Julie untersucht mit stoischer Neugier das Terrain nach der geeigneten Stelle für den Todessprung. 10 Sekunden wird es dauern, um unten anzukommen, haben sie ausgerechnet. Was denkt man in diesen 10 Sekunden? Wann ist der Zeitpunkt gekommen, um zu springen? Jetzt gleich oder erst am nächsten Morgen? Sie testen sich und die Ernsthaftigkeit der Selbstmordabsicht aus, sie sind mißtrauisch, provozieren sich, finden sich nett , haben Angst, vielleicht vor dem Tod, vielleicht mehr noch voreinander, vor dem Leben. Zwei einander fremde Menschen lernen sich kennen. Aber wozu? Was geben sie, die sich im Internet eine fingierte Identität gegeben haben, voneinander preis über das Leben, das sie verlassen wollen und über die Gründe, warum sie den Tod suchen. Stimmt es wirklich, dass JUlie es satt hat, immer vor allen Abgründen bewahrt worden zu sein, immer eigentlich alles bekommen zu haben? Stimmt es wirklich, dass August einfach den ganzen Fake, dieses Leben hinter irgendwelchen Masken satt hat und ihm eigentlich nur noch Sorge macht, wer seinen Fisch füttert? Und ist dieses gegenseitige Kennenlernen im Angesicht des Todes nicht interessant, spannend, schön, ein verführerisches Kokettieren mit dem Schritt zurück ins Leben? Sie erleben das Naturschauspiel des Polarlichts und eine gemeinsame Nacht im Zelt. Könnten dies nicht auch irritierende Momente des Glücks sein? Die beiden stellen sich vor, wie es wäre sich zu lieben. Oder haben sie sich wirklich ineinander verliebt? Das Polarlicht wird nur akustisch als elektronisches Vibrieren umgesetzt, und mit einem witzigen Verfremdungseffekt, mit einem Videofilm, nimmt Dominik von Gunten auch den pubertären Liebesszenen jeden Anflug von Peinlichkeit. Und dabei darf durchaus gekichert werden über Enrico Spohns schüchterne Begeisterung und Simone Oswalds fröhliche Liebeseuphorie. Es darf sogar geschmunzelt werden, wenn die beiden bei dem Versuch ihre letzten Botschaften an ihre Lieben per video aufzuzeichnen, in professionelle film-Set-Allüren von Kameramann, Regisseur und Starschauspielerin verfallen. Keine deprimierende Aufführung über ein deprimierendes Thema also. Das Mißgeschick, versehentlich die halbe Milchtüte über sich zu schütten, kann eben auch am Rand des Todes passieren - und vielleicht gerade dann. Und auch kurz vor dem Todessprung ist es unangenehm, barfuß im Schnee kalte Füße zu bekommen. Dominik von Gunten inszeniert mit wohltuendem Feingefühl auch solche banalen tragikomischen Nuancen, um vor allzu viel Betroffenheit bewahrt und mental erfrischt wieder einzusteigen in die vielen Fragen über das Leben und darüber, was zwei Menschen wirklich voneinander erfahren können. Simone Oswald, die direkt von der Schauspielschule in Hannover ans Theater Ingolstadt engagiert wurde, bewältigt die schwierige Rolle mit bewundernswerter Leichtigkeit. Sie spielt konsequent gegen die Erwartungshaltung an eine jugendliche Selbstmörderin an. Sie ist keine depressive, frustrierte Lebensmüde und keine romantische Schwärmerin, sondern lässig erfolgsgewohnt und daher durchaus selbstbewußt und ein bißchen herrschsüchtig , beliebt auf jeder Party, aber auch ein prima Bergsteigerkumpel könnte man sich vorstellen, ein mal fröhliches , mal ernsthaftes junges Mädchen, mal supernett, mal ein bißchen fies, impulsiv und nüchtern, spitzfindig und vital, neugierig auf Gedanken- und Wirklichkeits- Spiele. Und Enrico Spohn beweist einmal mehr seine Stärke, sich intensiv in eine Situation zu krallen und dennoch nie in aufgesetzte Theatralik zu kippen , nicht wenn er aus Todesangst weint und nicht, wenn er mit seiner zauberhaften Schüchternheit als offensichtlich unerfahrener Lover hausieren gehen könnte. Man sieht, wie einfühlsam Regisseur Dominik von Gunten die beiden Darsteller in differenzierte emotionale Höhen und Tiefen und vorbei an den Abgründen simpler Eindeutigkeiten geführt hat. Und selbst die immerwährende Spannung auf das Ende - springen sie nun oder springen sie vielleicht doch nicht? - löst diese Inszenierung grandios mit vielen offenen Fragen. Etwa: Wäre ein Sprung zurück in ein gemeinsames Leben nicht auch ein mutiger Sprung in den Abgrund einer ungewissen Zukunft? Oder könnte es auch ein Sprung zurück in eine fiktionale Wirklichkeit sein, so fiktiv wie das Gefühl , einen Gleichgesinnten gefunden zu haben? Man kann Norway.today nur viele, vor allem auch jugendliche Zuschauer wünschen. Diese Aufführung könnte selbst Chatroom-Besucher theatersüchtig machen. Isabella Kreim