Der Streit

Komödie von Pierre Carlet de Chamblain de Marivaux

Es ist im Grunde ein zynisches Menschenexperiment, zu dem der Prinz seine Geliebte Hermiane einlädt: Anhand von vier ahnungslosen „Naturkindern“ soll die Frage geklärt werden, welches der beiden Geschlechter Verrat und Untreue in die Welt gebracht hat – etwa die eitlen, eifersüchtigen Frauen oder die triebgesteuerten Männer? Zu diesem Zweck hatte der Vater des Prinzen bereits vor 18 Jahren vier Neugeborene in ein abgeschiedenes „Versuchslabor“ im Wald gebracht und sie dort isoliert von der Außenwelt, fernab jeder Konvention aufziehen lassen. Einzige Bezugspersonen der Kinder waren das Dienerehepaar Carise und Mesrou. Am heutigen Tage sollen die menschlichen Probanden erstmals aufeinandertreffen; sollen erfahren, wie es ist, ein Gegenüber zu haben, Verlangen für den Anderen zu empfinden oder zu wecken und dabei auch mit Konkurrenz, Enttäuschung und Verrat umzugehen. Erwachsenwerden im Schnelldurchlauf also, und das alles unter der genüsslichen Beobachtung von „Big Brother“ Prinz und seiner Hermiane... So begegnen sich Eglé und Azor, Adine und Mesrin zum ersten Mal. Sie entdecken sich und das andere Geschlecht, erfinden die Liebe und auch die Untreue neu. Sie sind naiv und unschuldig und beginnen doch sich zu quälen und zu verletzen. Mit der Liebe kommen Hass und Gewalt in die Welt ... Pierre Carlet de Marivaux gilt mit seinen Romanen und Liebeskomödien als Hauptvertreter des französischen Rokoko. Sein Einakter „Der Streit“ (UA 1744 in Paris) ist nicht nur eine spritzige, auf hohem sprachlichen Niveau unterhaltsame Komödie des 18. Jahrhunderts, sondern birgt bei näherem Hinsehen Erstaunliches an Aktualität. So gehört es in Zeiten von Trennungs-Talkshows und TV-Wohncontainern zum voyeuristischen Allgemeingut, Intimes jederzeit von jedermann zu erfahren und sich an jungen „Superstars“ und anderen Experimenten zu ergötzen. Der Mensch wird zum manipulierbaren Material einer ‚allmächtigen’ Öffentlichkeit.
Regie: 
Dominik von Gunten
Bühne: 
Carolin Mittler
Kostüme: 
Carolin Mittler
Musikalische Leitung: 
Stephan Kanyar
Premiere am ,
Kleines Haus