Das Maß der Dinge

Komödie von Neil LaBute

Adam trifft Evelyn. Es könnte der Beginn einer romantischen Hollywoodkomödie sein, die Rückkehr ins Paradies mit Happy End... Adam, ein Anglistikstudent, jobbt als Aufseher in einem Museum, wo er die Kunststudentin Evelyn daran hindern möchte, dem nachträglich angegipsten Feigenblatt einer nackten Männerstatue einen Penis aufzusprühen. Für Evelyn eine Protestaktion gegen Zensur, Verlogenheit und Prüderie, für Adam schlicht ein Regelverstoß. Es wird nicht der letzte sein, zu dem sie ihn überredet. Trotzdem – Gegensätze ziehen sich bekanntlich an - wird aus den beiden schnell ein Paar. Die Regeln bestimmt Evelyn: Sie schickt ihn ins Fitnessstudio, ändert seine Frisur, ersetzt die Brille durch Kontaktlinsen und überredet ihn sogar zu einer Schönheitsoperation. Irritiert beobachten seine Freunde Adams Metamorphose vom verwahrlosten Bücherwurm-Schluffie in einen ansehnlichen, viel begehrten jungen Mann. Alles könnte so schön sein, doch das Ende der Geschichte übersteigt sämtliche Erwartungen... Was wäre, wenn der Mensch den Menschen umbauen, verbessern, transformieren könnte? Uralte Wünsche sind dies, die sich vom Pygmalion-Mythos über Golems, Kunstpuppen, Automaten bis zu Frankenstein durchziehen und bis heute von Interesse sind. Aber auch im alltäglichen Leben beschleichen den Menschen immer wieder solche Phantasien: was wäre, wenn die Frisur meines Partners nicht ganz so altmodisch, sein Gedächtnis nicht ganz so löchrig, sein Mund nicht ganz so schmal, seine Essgewohnheiten nicht ganz so unappetitlich wären? Kaum jemand, der diesen Traum nicht schon geträumt und zart-sadistische Wünsche damit verbunden hätte. „Das Maß der Dinge“ von Neil LaBute wurde bei der Uraufführung 2001 in New York sowie von der deutschsprachigen Presse überschwänglich gefeiert. In Ingolstadt war in der vergangenen Spielzeit mit „BASH – Stücke der letzten Tage“ ebenfalls ein Stück des amerikanischen Autors zu sehen.
Regie: 
Schirin Khodadadian
Bühne: 
Christina Wachendorff
Kostüme: 
Christina Wachendorff
Premiere am ,
Werkstatt/Junges Theater
Augsburger Allgemeine – 29.11.2003
Punktgenaue Landung
"Evelyn formt sich ihren Adam durch Körper- und Geist-Styling, und auf Ingolstadt Werkstattbühne vollziehen das Bettina Schmidt und Endrico Spohn herrlich nach. Für eine Art gemischtes Doppel liefert LaBute kraft- und lustvoll noch ein zweites Pärchen (Rebecca Kirchmann und Gunnar Titzmann), das in seine geplatzte Hochzeit hineinschlittert. ... Die Inszenierung von Schirin Khodadadian ist höchst klug und doch kein bisschen kopflastig; sie lässt wirklich spielen mit den Gefühlen, überlässt Stimmungen scheinbar sich selbst - um nach zwei Stunden punktgenau zu landen. Das markiert aktuelles Theater.
Theater heute – 01.02.2004
Falle Kunst
Expreiment geglückt, Patient verrückt - der Erfolg spricht zumindest für Schirin Khodadadian und ihr junges Team, die dem Ingolstädter Publikum hiermit mal wieder einen gar nicht sp provinziellen Theaterabend beschert haben.