Geist

Schauspiel von Margaret Edson

Wiederaufnahme des preisgekrönten Dramas: Vivian Bearing, erfolgreiche Professorin für Englische Lyrik des 17. Jahrhunderts ist eine harte Frau. Hart zu ihren Studenten, hart zu sich. Ihr Beruf ist ihr Leben, und das hat sie fest im Griff. Bis sie die Nachricht erhält, dass sie Krebs hat, metastierenden Eierstockkrebs im fortgeschrittenen Stadium. Chefarzt Kelekian spricht ungerührt, die Sachlichkeit in Person, vom vierten Stadium. Und ein fünftes gibt es nicht mehr. Er erkennt in der Professorin aber auch die Wissenschaftlerin und schlägt ihr „die volle Dosis“ vor. Nur so hätte sie eine Chance - und er die Möglichkeit zu umfassenden wissenschaftlichen Untersuchungen. Eigentlich jedoch kann niemand die Nebenwirkungen dieser Behandlung überleben. Vivian Bearing ist trotzdem bereit, die Chemotherapie in voller Dosis über sich ergehen zu lassen und muss in der Folge Schritt für Schritt erkennen, dass ihr die Niederlage sicher ist, zum ersten Mal im Leben. Aus der souveränen Forscherin wird ein ohnmächtiges Forschungsobjekt der Medizin. Wie sie vor den Studenten zu dozieren gewohnt war, klug, trennscharf und mit beißendem Witz, versucht sie sich selbst nun ihre Krankheit, deren Symptome und Auswirkungen zu erklären, wobei sie sich, gleichsam im Selbstgespräch, direkt an den Zuschauer wendet. Margaret Edson über ihre Protagonistin: „Was Vivian zu Beginn sagt, ist komisch, sicher, aber was sie anhat, deutet darauf hin, dass sie in einem Krankenhaus ist. Der Humor, ihr Sinn für Humor ändert sich im Verlauf des Stücks. Zu Beginn ist er nur sarkastisch, bissig, nicht großzügig, sondern herablassend, manchmal rundheraus verächtlich. Später kann sie plötzlich über Bemerkungen lachen, bei denen sie anfangs nur genervt die Augen gerollt hätte.“ „In der Inszenierung von Richard Beck in der Ingolstädter Werkstatt mimt Ingrid Cannonier diese Vivian Bearing. Und das macht sie großartig. Barfuß in weißen Leggins und im Krankenhausflügelhemdchen, blass zierlich und trotzig beschreibt sie dem Publikum ihre Krankheit: Diagnose, Behandlung, Todesangst. Schildert Biografisches. Schwelgt in lyrischen und sprachwissenschaftlichen Details. Ist sarkastisch. Demütig. Abgebrüht. Machtlos. Sogar komisch. Bis zur Resignation. Denn ihre Ich-Erzählerin ist Mittelpunkt, Beobachterin, Kommentatorin in einer Person, ist dramatische Figur, Schauspielerin und Autorin zugleich. Und: Mensch. Mit Zorn, Tränen, Schmerzen.“ (DONAUKURIER, 15.03.02) Wiederaufnahme ist am 04. Januar 2003.
Regie: 
Richard Beck
Bühne: 
Jutta Burkhardt
Kostüme: 
Jutta Burkhardt
Premiere am ,
Werkstatt/Junges Theater
Neuburger Rundschau – 15.03.2002
Großes Comeback
"Es sind ... die Versatzstücke aus dem Entertainment, die das Stück in Bewegung halten - und Richard Beck versteckt sie keineswegs in seiner Ingolstädter Werkstatt-Inszenierung, lässt vielmehr eine notorisch unaufdringliche Slapstick-Fröhlichkeit inmitten von Mensch und Geräte-Medizin aufkommen ... Ingrid Cannonier ist dieser Mensch, und die lange vermisste Schauspielerin schafft mit erfreulich wenig Pathos und ohne jede Rührseligkeit ein großes Comeback."