Der zerbrochne Krug

Lustspiel von Heinrich von Kleist

Einem Dichterwettstreit aus dem Jahre 1802 verdankt das deutsche Theater die wohl beste Komödie der klassischen deutschen Dramatik: DER ZERBROCHNE KRUG. Erste Anregungen fand der Autor in einem Kupferstich von Le Veau. Der Reiz des Stückes liegt in den Wort- und Sprachspielen. Schon die Namen der handelnden Personen sind sprechend - der Dorfrichter tritt als alter Adam auf, den seine Begehrlichkeiten zu Fall bringen. Vertuschung und Aufklärung verschränken sich, die Verhandlung bewegt sich auf doppeltem Boden. Dorfrichter Adam erhofft sich ein spätes Abenteuer mit dem jungen leichtgläubigen Evchen. Um sich ihr nähern zu können, hat er ihr eingeredet, dass ihr Bräutigam Ruprecht zum Kolonialdienst einberufen würde, falls er - Adam - ihm nicht aufgrund seiner guten Beziehungen Dispens verschaffe. So ein Schreiben wolle er ihr bringen - in die Schlafkammer, abends und höchst persönlich. Dort wird er aber von Ruprecht überrascht und verprügelt. Unerkannt kann er entwischen, aber auf der Flucht zerschlägt er unglücklicherweise einen Krug. Dieser Krug ist Anlass, dass am nächsten Morgen Evchens Mutter vor den zerschundenen Richter tritt und den unbekannten Täter anklagt. Der Zufall will es, dass der Gerichtsrat Walter zur Revision erscheint und Adam zur sofortigen Abhaltung des Prozesses zwingt. Vergebens versucht der Dorfrichter sich zu wenden und zu drehen, seine Ausreden und Lügen ziehen die Schlinge immer enger. Kleist wählt die Form eines Kriminalspiels und setzt die Sprache als grandioses Verschleierungsmittel ein. Hinter der pointenreichen Komödie verbirgt sich das tragische Modell blinder Verstrickung. Auch dieses Stück hat Kleist nie auf der Bühne gesehen.
Regie: 
Peter Rein
Bühne: 
Konrad Kulke
Kostüme: 
Konrad Kulke
Premiere am ,
Großes Haus
Mittelbayerische Zeitung – 28.04.2003
Theatermagie vom feinsten
"Hätte es seinerzeit als Impresario Peter Rein gegeben: "Der zerbrochne Krug" wäre damals schon ein Bombenerfolg gewesen und als einer der ganz wenigen Komödien-Welterfolge der Dramenliteratur der Menschheit erkannt worden. (...) Rein hat mit seiner "Krug"-Inszenierung wieder einmal mehr bewiesen, dass Provinz das ist, was man aus ihr macht. In Ingolstadt ist's auf jeden Fall Theater, das den Vergleich mit den Münchner Top-Bühnen nicht zu scheuen braucht. Peter Rein ist ein Intendant mit Maßstäben und kann so Niveau schaffen, zumal er auch handwerklich hinlangen kann.(...) In seiner Regiekonzeption (...) findet nicht derbe Komik, sondern eine vertrackte, tragikomische Analyse der Wahrheitsfindung und der Menschen statt, die, um ihre Haut zu retten, mit ihr auf Kriegsfuß stehen. (...) Jede Figur lässt Rein zu einem Kabinettstück ausreizen. Seine Schauspielerinnen und Schauspieler sind in Höchstform. Es ist eine Lust, sie zu sehen - nein, sie zu erleben. Natürlich ist der Richter Adam von Murat Yeginer als kugeliger Satyr mit seinem Klumpfuß einfach hinreissend verkörpert. Wie er sich windet, wie er leidet, wie bauernschlau und brutal er um seine Existenz als Made im Speck der Justiz auf unterster Ebene kämpft und wie er scheitert: Das vermag Theatermagie vom feinsten zu erzeugen."