In der Löwengrube

Stück von Felix Mitterer

Berlin in den dreißiger Jahren: Für jüdische Schauspieler wird es immer schwieriger, in Nazi-Deutschland zu arbeiten. Auch Arthur Kirsch verlässt, von den Kollegen verraten, von der Ehefrau betrogen und im Stich gelassen das Theater, Berlin und Deutschland. Im Tiroler Exil jedoch plant er seinen Racheakt: Als Tiroler Original Benedikt Höllriegl kehrt er zurück in die Löwengrube, zurück in „sein“ Berliner Theater: Er spricht den „Wilhelm Tell“ vor und wird als Naturtalent sofort engagiert. Der Theaterdirektor, seine Kollegen und sogar seine Frau erkennen ihn - zunächst - nicht. Als Benedikt Höllriegl feiert Kirsch größere Triumphe, als es ihm als Kirsch je vergönnt war. Es dauert nicht lange, da wird auch Goebbels auf den talentierten Naturburschen aufmerksam: Kirsch spielt um sein Leben ... Felix Mitterers Stück basiert auf der authentischen Geschichte des jüdischen Schauspielers Leo Reuss, der nach seinem Berufsverbot in Deutschland als Kaspar Brandhofer in Wien ein triumphales, wenn auch kurzes Comeback auf der Bühne feiern konnte. Doch es ist kein Dokumentarstück. Der historische Fall liefert nur den Anlass für ein Theaterstück, das den Traum vom Sieg des kleinen Mannes über die Mächtigen erfüllt. Felix Mitterer, geboren 1948 in Achenkirch/Tirol, zählt zu den erfolgreichsten österreichischen Dramatikern der Gegenwart. Zur Entstehung der „Löwengrube“ schrieb er: „Ich selbst kenne die Geschichte seit den 70er Jahren und ich war sofort fasziniert davon. Ein jüdischer Schauspieler, der mit seinen ureigensten Mitteln, jenen der Komödiantik, die Nazis und ihren unsinnigen, menschenverachtenden Fanatismus bloßstellt, ist natürlich prädestiniert für ein Theaterstück. Prädestiniert vor allem für eine Komödie...“ Premiere ist am 21. März 2003.
Regie: 
Renate Louise Frost
Bühne: 
Dieter Klaß
Kostüme: 
Dieter Klaß
Premiere am ,
Großes Haus
Mittelbayerische Zeitung – 26.03.2003
Komödie mit Niveau
"Provinz ist bekanntlich, was man daraus macht. Während immer mehr Stadt- und sogar Staatstheater-Intendanten ihr Heil im Trallala eines vermeintlichen Publikumsgeschmacks suchen, (...) hält der Ingolstädter Bühnenchef, Peter Rein, Kurs: Theater muss an- und aufregen und darf sich vor allem nicht unter sein Niveau begeben. Im Ingolstädter Theater sieht sich jetzt das Publikum konfrontiert mit dem Felix-Mitterer-Stück "In der Löwengrube"(...) Es ist zwar auch eine Komödie, aber mit Widerhaken gegen den Zeitgeist. (...) Die Ingolstädter Produktion balanciert zwischen Farce und Psychodrama. Heimo Essl ist dieser Daniel in der Löwengrube. In der Maske des arischen Urgesteins Benedikt Höllrigl mit ledernen Kniebundhosen, grünem Janker und Sepplhut stapft er in die Szenen und bändigt mit naiver Gläubigkeit und umwerfender Chuzpe die braunen Bestien mit ihren eigenen Sprüchen und Maßstäben. Da spielt ein Komödiant um sein Leben. Genau das lässt Heimo Essl transparent werden. Ebenbürtig in der Ausdrucksfähigkeit ist ihm Sascha Römisch als Theaterdirektor und liberaler Scheißer, wie er sich windet und immer wieder die Kurve kriegt, um sich und seiner unpolitischen Kunst treu belieben zu können, das ist ein besonderes Kabinett-Stück in dieser Inszenierung."