Der Selbstmörder / © Ludwig Olah

Der Selbstmörder

von Nikolaj R. Erdmann

Deutsch von Ingeborg Gampert

Mitten in der Nacht weckt Semjon seine Frau, weil er Heißhunger auf Leberwurst hat. Diese reagiert genervt. Sie hat schließlich genug damit zu tun, ihren arbeitslosen Ehemann durchzufüttern. Semjon fühlt sich gedemütigt und gerät immer mehr unter Druck. Er muss Arbeit finden! Semjon beschließt, Tuba zu lernen, um sich mitttels Musik aus der finanziellen Abhängigkeit zu befreien. Aber, um die Tonleiter einzustudieren, wird ihm zum Kauf eines Flügels geraten. Damit ist sein Plan gescheitert und er spricht von Selbstmord. Schnell macht sein Vorhaben die Runde und Semjon gerät in den Fokus der Öffentlichkeit.

In kürzester Zeit hat sich eine Gruppe Schmarotzer*innen um ihn geschart, die aus seinem Selbstmord Kapital schlagen wollen. Die PR-Maschinerie nimmt Fahrt auf. Korrupte Politiker*innen, religiöse Eiferer, Künstler*innen und ein Metzger wollen das inszenierte Selbstmord-Event für ihre Ziele ausnutzen. Die Zeit läuft. Ein großes Abschiedsbankett ist angerichtet, das Begräbnis ist bezahlt und der Sarg steht schon da. Gerade noch als Nationalheld gefeiert, rückt für Semjon die tödliche Stunde der Wahrheit bedrohlich näher.

»Dass es Nikolaj Erdmann, der selbst Opfer des stalinistischen Terrors wurde, gelingt, den Kampf eines gewöhnlichen Bürgers gegen den übermächtigen sowjetischen Leviathan mit so scharfem, unverstelltem Humor als subversive Groteske zu zeichnen, die der diktatorischen Menschenfeindlichkeit eine Feier des Lebens entgegegenstellt, das macht die Qualität seines ›Selbstmörders‹ aus, gibt dem Text eine Bedeutung weit über seine historische hinaus und lässt die Ereignisse im heutigen Russland im grellen Licht scheinen«, so Regisseurin Ulrike Arnold.

Einen filmischen Einblick auf die Probebühne erhalten Sie hier.

Regie und Fassung: 
Ulrike Arnold
Musikalische Leitung: 
Clemens Rynkowski
Bühne: 
Bartholomäus Martin Kleppek
Kostümbild: 
Anne Buffetrille
Dramaturgie: 
Gabriele Rebholz
Premiere am ,
Großes Haus
Dauer: 160 Minuten, mit Pause
Donaukurier – 24.10.2022
»Kunstfertiges Ensemble«

»Gerade wird Erdman wieder neu entdeckt, etwa am Wiener Burgtheater oder am Münchner Volkstheater. Und auch die brillante Inszenierung am Stadttheater Ingolstadt zeigt, welche Qualität diese abstrus konstruierte Geschichte über einen Arbeitslosen, der von einem selbstbestimmten Leben (als Musiker) träumt und zum Selbstmordkandidaten wider Willen mutiert, hat. [...] Die Regisseurin zelebriert Erdmans abgründige Komik mit spielerischer Leichtigkeit und hat dafür ein kunstfertiges Ensemble zur Verfügung.«

BR24 – 23.10.2022
»Lohnender Theaterabend«

»Insgesamt ein unbedingt lohnender Theaterabend zur aktuellen Lage und zur Frage, wie Diktaturen eigentlich im Innersten zusammenhalten.«

Kulturkanal Ingolstadt – 24.10.2022
»Politsatire (...) am Großen Haus des Stadttheaters Ingolstadt«
»Überhaupt hat diese Regisseurin, die ja selbst eine renommierte Schauspielerin ist, die komödiantischen Potentiale des Ensembles sehr individuell aus den einzelnen Darsteller*innen entwickelt. Und das macht große Freude.«