Sekretärinnen

Liederabend von Franz Wittenbrink

Wer kennt sie nicht? In keinem Betrieb dürfen sie fehlen, vom Morgenkaffee bis zur Terminplanung lesen sie ihren Chefs jeden Wunsch von den Augen ab - die vielgeliebten, jedoch oft unterschätzten Sekretärinnen. Eine Hommage an diesen Berufsstand, mit einem Augenzwinkern betrachtet, gewürzt mit einer kräftigen Schuss Humor, stellt der Liederabend dar, der von Franz Wittenbrink ursprünglich 1995 für das Hamburger Schauspielhaus geschaffen wurde. Kaffee kochen, Akten wälzen und Frühstücks-, Mittags-, und Kaffeepause - hat das Leben einer Sekretärin nicht mehr zu bieten? Durchaus. Sie beenden in aller Ruhe ihr Privatgespräch, während es sich in der Telefonleitung staut. Sie riskieren täglich zwischen Aktenreihen und Kopierern die sauber manikürten Fingernägel. Ihr Reservoir an Keksgebäck ist schier unerschöpflich und ihre melodramatische Sehnsucht nach den Abgründen hinter der Tür zum Chefzimmer unstillbar. Sie sind Therapeutin, tröstender Mutterersatz und Seele eines jeden Büros. Zwischen Diktat und Damenklo singen sich die neun tollen „Tippsen“ ihre Träume ganz ungehemmt vom Leib. Das naive, schwangere Blondchen, das mütterliche Mauerblümchen, der hochgestylte Vamp, die zugeknöpfte Brillenschlange: eine starke Damenriege sitzt hinter hässlichen Schreibmaschinen, Leidensgenossinnen im Kampf gegen die tägliche Langeweile. Musikalisch offenbaren sich geheime Sehnsüchte und Hoffnungen. In rund vierzig Schlagern, Chansons, Evergreens und Hits singen die Sekretärinnen von weiblichen Phantasien und Begierden. Ob schmalzig, rockig oder melancholisch - diese Sekretärinnen bringen ihren Arbeitsplatz zum Swingen. Sie schmachten von roten Rosen und fernen Inseln, von kleinen Sehnsüchten und großen Träumen - und sie alle wollen keine Schokolade, sondern lieber einen Mann! Die Fotos von "Sekretärinnen" stammen von Christine Olma.
Bühne: 
Claudia Rühle
Kostüme: 
Claudia Rühle
Musikalische Leitung, Arrangements, Einstudierung: 
Manfred Manhart
Premiere am ,
Großes Haus
Augsburger Allgemeine – 27.01.2003
Ansteckendes "Sekretärinnen"-Fieber
"Nun also hat auch Ingolstadt das gefährlich ansteckende "Sekretärinnen"-Fieber erreicht. Der Verwaltungsleiter darf sich schon mal auf warmen Segen für den auch hier nicht verschont gebliebenen Etat freuen; ein paar Vorstellungen extra dürften vorprogrammiert sein. Denn die Verzückungen, die diese acht Vertreterinnen eines gelegentlich etwas despektierlich missverstandenen Berufsstandes jetzt in Ingolstadt hervorgerufen haben, degradieren glatt noch die "Rocky-Horror" - Ekstase zur biederen Familien-Performance."