Personalisierte Medizin und Gesundheit in einem virtuellen Universum

Chancen und Risiken

Vortrag von Thomas Kleemann

Künstliche Intelligenz verspricht in fast allen Bereichen unsers Lebens Lösungen für die drängendsten Probleme unserer Zeit. Wir selbst werden zu Datenlieferanten dieser unsichtbaren Intelligenz. Wir vermessen uns, vergleichen uns und werden Teil eines Netzwerks, das uns bei genügend Hingabe, Gesundheit und Wohlfühlen verspricht. Facebook erschafft das Metaversum. Ich werde zum Avatar, mein Leben findet in einem virtuellen Universum statt. Zu welchem Preis?

Gesundheit wird kaufbar. Wir zahlen für das Gesund bleiben. Krankheit ist nicht länger unabwendbares Schicksal. Der Transhumanismus will den Menschen durch Technologie über den Menschen hinaus optimieren. Virtualität schafft Unvergänglichkeit und »ewiges Leben«.

»Utopien erscheinen realisierbarer als man früher glaubte. Wir finden uns mit einer neuartigen, besorgniserregenden Frage konfrontiert: Wie sollen wir ihre endgültige Verwirklichung verhindern? Utopien sind verwirklichbar. Das Leben marschiert ihnen entgegen. Und vielleicht beginnt eine neue Ära, in der Intellektuelle und die Bildungsschicht darüber nachdenken werden, wie man Utopien verhindern und zu einer nicht-utopischen Gesellschaft zurückkehren kann, weniger perfekt und dafür freier.« Nikolai Alexandrowitsch Berdjajew (1874-1948) im Vorwort zu Schöne neue Welt (Brave New World) von Aldous Huxley, 1932.

Der Vortrag zeigt die Chancen und Risiken der modernen Medizintechnik, von Körpersensoren bis zu Implantaten aus dem 3D-Druck. Smartphones und Wearables sind Gesundheitscoaches (oder Gesundheitsberater), Trainer und Therapeuten an unserer Seite. Die Videokonferenz mit dem Arzt wird normal sein und der Roboter ist Begleiter, Unterhalter und Operateur. Aus meinem digitalen Leben entsteht ein ewig lebender Avatar, ein Hologram meiner Gefühle und Gedanken, mein digitaler Zwilling, von künstlicher Intelligenz zum »Leben« erweckt. Wir sollten uns auf eine neue Welt einstellen! Eine Welt, von der Victor Frankenstein nur träumen konnte.

14. Mai • 17:00 Uhr • Probebühne 1

15. Mai • 18:30 Uhr • Oberes Foyer