Die zweite Sonne (UA) / © Ritchie Herbert

Die zweite Sonne (UA)

Auftragswerk von Svenja Viola Bungarten

1999 irgendwo in einer Wohnhaussiedlung: Das Medium einer Sekte hat für die letzte Sonnenfinsternis des 20. Jahrhunderts die Apokalypse vorhergesagt. Eine Familie steht in ihrem Garten in Erwartung auf die große Katastrophe und eine junge Reporterin berichtet direkt vom Geschehen. Doch anstelle des Weltuntergangs kommt es zu einem ganz anderen Unglück. Aus mysteriösen Gründen verschwinden überall die Mütter und lassen ihre Angehörigen zurück. 2010 steht die Welt wieder kurz vor dem Abgrund. Die alleinerziehenden Väter versuchen verzweifelt mit ihrer Situation umzugehen, während eine Krise nach der anderen die Gesellschaft erschüttert. Die Reporterin bleibt am Fall der verschwundenen Frauen und dem drohenden Ende des Planeten dran. Aber auch in den folgenden Jahrzehnten zeichnen sich keine echten Lösungen für die globalen Krisenerscheinungen ab. Gelassen und vergnügt betrachten die Kosmischen, eine höher entwickelte Lebensform, von außen, wie sich die Menschheit nach und nach selbst abschafft. Denn sie haben in ihrem Paralleluniversum schon lange ein Utopia erschaffen, in dem sie alles hinter sich gelassen haben.

Irrwitzig, temporeich und intelligent beschreibt Svenja Viola Bungarten in ihrem Stück die Untergangsstimmung unserer Zeit und lässt dabei kein aktuell brennendes Thema aus. Klimawandel, Patriarchat, Neoliberalismus und Kolonialismus hängen zusammen – und führen zwangsläufig in die Tragödie. Oder geht es auch anders? Ist unsere Realität nur eine Alternative unter vielen? Und müssen wir nur unsere veralteten Sichtweisen abstreifen, um die Welt zu retten? »Der Text ist eine raffinierte Partitur der Vielstimmigkeit, die überaus versöhnlich und enorm komisch ist. Die Autorin kündigt den Generationenvertrag und spielt mit der Katastrophe. Wir müssen uns aus Möhren Flöten schnitzen, die Hände halten und neu anfangen«, so die Regisseurin Mareike Mikat.

Svenja Viola Bungarten studierte Szenisches Schreiben an der Universität der Künste Berlin. 2018 war sie im Rahmen des Bachmannpreises zum 22. Klagenfurter Literaturkurs eingeladen. Seit 2019 ist sie Mitglied des Ministeriums für Mitgefühl. Gemeinsam mit Gelareh Shahpar gründete sie im selben Jahr das Kollektiv der Antagonist*innen. In der Spielzeit 2020/21 war sie Hausautorin am Theater Koblenz. 2021 wurde ihr Stück »Garland« am Schauspielhaus Graz uraufgeführt. Die Inszenierung von Anita Vulesica wurde zum virtuellen nachtkritik-Theatertreffen 2022 eingeladen.

 

 

Regie: 
Mareike Mikat
Ausstattung: 
Simone Manthey
Musik: 
Enik
Dramaturgie: 
Johann Pfeiffer
Künstlerisch-technische Produktionsleitung: 
Manuela Weilguni
Theatervermittlung: 
Bernadette Wildegger
Premiere am ,
Probebühne E1 (Parkstr.)
Dauer: 106 Minuten
Donaukurier – 16.05.2022
»Mütter gegen die Klimakrise«

»Regisseurin Mareike Mikat hat die Textflächen als Wechselspiel von solistischen und chorischen Passagen strukturiert. Und setzt auf stetigen Rollenwechsel. Dabei gelingen wundersame Szenen wie Katy Perrys ›Plastic Bag‹-Song mit raffiniert rhythmisiertem Plastiktütengeraschel oder das erstaunliche finale Interview der Reporterin mit den wieder aufgetauchten Müttern.«

Neuburger Rundschau – 17.05.2022
»Ein herrlicher Zirkus«

»Die durchgängig präsenten und konzentriert agierenden Darstellerinnen und Darsteller (fünf Ensemblemitglieder, souverän unterstützt von sechs Statistinnen) veranstalten mit großer Spiellust einen herrlichen Zirkus, mit Sounds und Songs, voller Bezüge und Zitate, mit Witz, Tempo und viel, sehr viel Text in allen Zungen, wirr und wahr, laut und leise, weise und wahnsinnig.«