In den Gärten oder Lysistrata Teil 2 / © Jochen Klenk

In den Gärten oder Lysistrata Teil 2

Sibylle Berg

Weiße alte Männer, Patriarchat, toxische Männlichkeit - Tiraden darüber muss sich Bernd nach einem gescheiterten Date anhören. In den feministischen Vorträgen, die ihm seine Datingpartnerinnen am Ende dieser missglückten Abende oft halten. Dabei stellt sich Bernd doch nur ganz gelegentlich vor, wie es wäre, Frauen einfach wie Hühnchen zu zerteilen. Bernd hat es nicht leicht. Das findet auch der Bernd-Chor, der ihn ideell durch die Gärten der Liebe und Triebe hindurch begleitet. Lysistrata. Das ist eine, der Bernd auch solche Vorträge halten könnte. Doch das hat sie gar nicht mehr nötig. In Sibylle Bergs Gärten-Utopia sind Männer längst überflüssig geworden. Keine Frau muss sich von den Herren der Schöpfung mehr die Welt erklären lassen oder bei langweiligem Sex die Risse an der Zimmerdecke zum Zeitvertreib zählen. Nicht einmal für die Fortpflanzung braucht es noch Kerle. Paarbeziehungen, ebenso wie Tinder & Co sind nichts mehr als Relikte einer vergangenen Epoche, reif fürs Museum. Gar nicht museal hingegen ist Bergs Zugriff auf die literarische Lysistrata des Aristophanes, die sie fit fürs Heute macht und ins Morgen weiterspinnt.

»Sibylle Berg behandelt mit ›In den Gärten‹ eines der gesellschaftlich aktuellsten Themen unserer Zeit,« findet Regisseurin Mona-Julia Sabaschus. »Im öffentlichen Diskurs allerdings wird die Diskussion um Gleichberechtigung der Geschlechter und Gender-Normativität oft schnell als irrelevant oder überholt abgetan und belächelt. Berg hat dieser Ignoranz ein starkes Stück entgegengesetzt, das jenseits von Political Correctness und mit spitzzüngigem Humor eine wichtige und dennoch lustvolle theatrale Umsetzung des Themenkomplexes ermöglicht.«

 

Hier finden Sie das Programmheft.

 

Regie: 
Mona Sabaschus
Kostümbild: 
Janin Lang
Bühnenbild: 
Janin Lang
Dramaturgie: 
Daniel Theuring
Theatervermittlung: 
Lena Hilberger
Premiere am ,
Kleines Haus
Dauer: 90 Minuten
Donaukurier – 13.12.2021
»Ein Stück am Puls der Zeit«

»Herrlich ist das alles. Mit straffem Tempo, punktgenau und in wilder Bilderlust in Szene gesetzt. 90 Minuten Powerplay! Eins der vielen Highlights ist sicher der tragikomische Geschlechtsakt, zu dem Carl Orffs Fortuna-Chor gehechelt wird. Trotzdem sieht man da unter all der Komik auch immer die ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Thema: den Genderkampf in all seinen Facetten, der hier in die Selbstzerstörung mündet. Ein Stück am Puls der Zeit. Unbedingt anschauen!«

Kulturkanal Ingolstadt – 13.12.2021
»Radikal satirisch«

»Wie ärgerlich und lächerlich diese ganzen Beziehungsdramen zwischen Mann und Frau, aus der Distanz einer Zukunft ohne Männer betrachtet, sein können, führt Sibylle Berg in ihrem Theaterstück ›In den Gärten oder Lysistrata Teil 2‹ radikal satirisch vor. Mona Sabaschus hat es mit großer Lust an der Absurdität von Geschlechterrollen und Verhaltensklischees sehr witzig und ungemein tempo- und bewegungsreich im Kleinen Haus des Stadttheaters Ingolstadt auf die Bühne gebracht.«