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Drei Schwestern - Pressestimmen

Donaukurier – 26.06.2020
»Das Leben ist anderswo«

»Nach Ibsens ›Volksfeind‹ und Büchners ›Leonce und Lena‹ präsentiert Christoph Mehler mit Tschechows ›Drei Schwestern‹ bereits die dritte Produktion in markanter Regiehandschrift im Großen Haus des Stadttheaters Ingolstadt. Und überzeugt auch diesmal mit radikaler Reduktion, großer emotionaler Wucht und präzisem Schauspielertheater. […] David Rimsky-Korsakows Sound aus Herzklopfen und elegischem Klavier fügt sich mit Jennifer Hörrs bezwingender Schwarz-Weiß-Ästhetik für Bühne und Kostüme zu einem intensiven Theatererlebnis. [...] Einsamkeit ist das tragende Element dieser eindringlichen Interpretation: Isolation, Sehnsucht nach Nähe, Angst, Desillusion, Gegenwartsverdruss, ein Leben ohne Empathie nach dem Prinzip der Beliebigkeit. Was tun?, fragt diese Inszenierung. Die Antwort der drei Schwestern: warten. Trotz aller Tragik ist es eine Wonne, ihnen dabei zuzusehen. Denn Sarah Horak als Olga, Karolina Nägele als Mascha und Katharina Hintzen als Irina bilden in ihrer Verzweiflung ein perfekt aufeinander abgestimmtes Trio, jede für sich aber verleiht ihrer Figur große Dringlichkeit. […] Starke Schauspieler. Ein starker Abend. Vor allem einer, der das Publikum auf sich selbst zurückwirft. Großer Applaus.«

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Neuburger Rundschau / Augsburger Allgemeine – 26.06.2020
»Korrekt und kreativ«

»Es ist hochinteressant, an Mehlers Inszenierung zu studieren, wie die Einhaltung der derzeit notwendigen bürokratischen Vorgaben sich für die Theaterarbeit hier auf überraschende Weise als künstlerisch produktiv erweist. Mit der kompromisslosen, oratorienhaften Hinwendung zum Zuschauerraum liegt das Gewicht nun auf der Textgestaltung (Übersetzung: Thomas Brasch). Die gelingt den zehn Darstellerinnen und Darstellern vorzüglich. Besonders dann, wenn der Ton leiser Tristesse, die Poesie der Dekadenz über der Szene schweben, begleitet von minimalistischem Klavierklang (Musik David Rimsky-Korsakow). Mit der kühl anmutenden Ausstattung (Jennifer Hörr), weitgehend in Schwarzweiß gehalten, fügt sich ein Kunstwerk von hoher ästhetischer Wirkung zusammen.«

BR – 29.06.2020
»Absolut sehenswert!«

»Tschechows Figuren sind so einsam wie die einzelnen Klaviertöne, die Christoph Mehlers Inszenierung streckenweise untermalen. Der Regisseur hat sie in und vor einem gleißend weißen Guckkasten ausgesetzt. Jeder und Jede steht für sich allein, auf Abstand zu den anderen.
Statt zueinander sprechen sie meist frontal ins Publikum. Das hat etwas Statisches und ist doch voller Spannung, weil die gelegentlichen Ausschläge der Gefühlsamplituden dadurch umso heftiger wirken. Im hellen Raum bleibt nichts verborgen. Weder die Feindseligkeiten noch die Verzweiflung. Das begeisternde Ingolstädter Ensemble entfaltet in der Produktion enormen spielerischen Reichtum. Die Distanz zwischen den Schauspielern ist zwar den Corona-Auflagen geschuldet, und doch wirkt das hier nicht wie ein zähneknirschendes Zugeständnis an die Situation, sondern wie ein zielgerichteter Zugriff. Ein Stückkonzentrat. Tschechow verdichtet das Wesentliche. Absolut sehenswert!«

BR, 29. Juni 2020

Kulturkanal – 25.06.2020
»originäre Regiekonzeption«

»Was Regisseur Christoph Mehler mit seinem Ingolstädter Ensemble nach der Probenunterbrechung auf die Bühne gebracht hat, wirkt wie eine originäre Regiekonzeption, die die Isolation dieser Figuren, ihre zum Scheitern verurteilte Sehnsucht nach einem anderen Leben und nach Intimität radikal visualisiert. […] Die auf den weißen Bühnenkasten reduzierte, kühle Schwarz-Weiß-Ästhetik der Ausstattung von Jennifer Hörr, der Verzicht auf alle Requisiten, die statische Spielweise,[…]ist eine gelungene Abstraktion von all den zaristischen Ritualen einer vornehmen Landhausgesellschaft. […] Großartig! Und sehr pointiert sind auch die über den leisen, melancholischen Grundton gesetzten Akzente, in denen die Verzweiflung dann doch lautstark aus den Figuren schreit. Was an körperlichen Kontakten nicht möglich ist, wird kongenial in wenige Einzelaktionen übersetzt. […] Anton Tschechows ›Drei Schwestern‹ in dieser Inszenierung von Christoph Mehler ist ein großartiges Angebot, die Fragen der Gegenwart in einem 120 Jahre alten Stück zu entdecken.«

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