Sarah Horak / © Jochen Klenk

Antigone

Sophokles

»So lasst den Fehl mich büßen ohn Erbitterung: Wenn aber diese fehlen, dann betreffe sie nicht Schlimmeres, als sie ungerecht an mir geübt.«

Es herrschen Recht und Gesetz in Theben. Zumindest ist das die Ansicht des neuen Machthabers Kreon. Ein Gesetz mag geltendes Recht sein – ob es gerecht ist, ist eine andere Frage. Diese stellt sich die junge Antigone beim Tod ihres geliebten Bruders Polyneikes. Nach dem tödlichen Kampf mit seinem Bruder Eteokles um den Thron, gilt er in Theben als Landesverräter. Um ein Exempel zu statuieren, verbietet König Kreon, Polyneikes zu beerdigen. Antigone jedoch entscheidet sich, das Gesetz zu brechen – mit schwerwiegenden Folgen. Sie bestattet ihren Bruder, wofür sie von Kreon zum Tode verurteilt wird. Noch bevor das Urteil vollstreckt werden kann, nimmt sich Antigone das Leben. Ihr Tod versetzt Theben in Aufruhr und wird nicht der einzige Suizid bleiben...Am Ende steht der Herrscher vor den Trümmern seiner Macht und seiner Existenz.

Auch nach über zwei Jahrtausenden sind die griechischen Tragödien in ihrem Kern brandaktuell. Sie stellen auf radikale Weise Fragen, die uns heute mehr denn je bewegen. Wo beginnt und endet die individuelle Freiheit? Was ist Gerechtigkeit, was Menschlichkeit? Wann ist es legitim, sich gegen geltende Gesetze aufzulehnen und sie zu brechen? Was darf der Staat? Für Sophokles gab es hier eindeutige Antworten, denn das göttliche Recht stand in der Antike unmissverständlich über dem menschlichen Gesetz. Doch wie lauten unsere Antworten heute? Regisseurin Kathrin Mädler sieht Antigone in einem sehr aktuellen Licht: »Antigone ist eine frühe Feministin, eine politische Kämpferin für etwas, das sie als Gerechtigkeit empfindet. Sie widerspricht dem weiblichen Rollenbild und tut es auch wieder nicht. Aus der typisch weiblichen Geste des Kümmerns – ´Ich muss meinen Bruder begraben‘ – wird ein politischer Akt. Und plötzlich steht diese Frau auf der Bühne der Politik, tritt der (männlichen) Macht entgegen und bezieht laut und deutlich Position – vielleicht sogar zu ihrer eigenen Überraschung. Sie betritt die öffentliche Sphäre, den männlichen Raum und ist – ganz unweiblich – bereit, sich unbeliebt zu machen. Und schließlich sogar für ihre Sache zu sterben. Vielleicht ist sie ja wirklich eine Fundamentalistin, eine Terroristin. Auf jeden Fall eine ungewöhnliche, mutige, absolut radikale Frau.«

Regie: 
Dr. Kathrin Mädler
Ausstattung: 
Frank Albert
Dramaturgie: 
Dr. Judith Werner
Künstlerisch-technische Produktionsleitung: 
Manuela Weilguni
Theatervermittlung: 
Bernadette Wildegger
Premiere am ,
Großes Haus
Dauer: 90 Minuten
Antigone
Sarah Horak / © Jochen Klenk Sarah Horak / © Jochen Klenk v.l.n.r.: Sarah Horak, Ricarda Seifried / © Jochen Klenk v.l.n.r.: Sarah Horak, Ricarda Seifried, Jan Beller, Matthias Zajgier, Ingrid Cannonier / © Jochen Klenk v.l.n.r.: Jan Beller, Matthias Zajgier, Felix Steinhardt, Sarah Horak / © Jochen Klenk v.l.n.r.: Sarah Horak, Ingrid Cannonier / © Jochen Klenk v.l.n.r.: Ricarda Seifried, Sarah Horak, Jan Beller, Matthias Zajgier, Felix Steinhardt, Ingrid Cannonier / © Jochen Klenk v.l.n.r.: Ricarda Seifried, Matthias Zajgier, Jan Beller, Sarah Horak / © Jochen Klenk v.l.n.r.: Jan Beller, Sarah Horak, Matthias Zajgier / © Jochen Klenk v.l.n.r.: Sarah Horak, Jan Beller, Matthias Zajgier, Ricarda Seifried, Ingrid Cannonier / © Jochen Klenk Sarah Horak / © Jochen Klenk v.l.n.r.: Sarah Horak, Ingrid Cannonier / © Jochen Klenk v.l.n.r.: Jan Beller, Ulrich Kielhorn, Matthias Zajgier / © Jochen Klenk v.l.n.r.: Ulrich Kielhorn, Matthias Zajgier / © Jochen Klenk Ingrid Cannonier, Matthias Zajgier / © Jochen Klenk v.l.n.r.: Ingrid Cannonier, Felix Steinhardt / © Jochen Klenk v.l.n.r.: Felix Steinhardt, Ingrid Cannonier / © Jochen Klenk Matthias Zajgier, Jan Beller / © Jochen Klenk v.l.n.r.: Matthias Zajgier, Jan Beller, Ingrid Cannonier / © Jochen Klenk v.l.n.r.: Jan Beller, Matthias Zajgier, Ingrid Cannonier / © Jochen Klenk
Donaukurier – 25.02.2019
»viel beklatschte Premiere«

Kathrin Mädler zeige in ihrer Inszenierung, dass der Stoff von Sophokles´ Tragödie Antigone »zeitlos aktuell ist«. Auf der Bühne sei viel Raum für die Sprache, »die […] gut sprech- und hörbar wird – und von dem tadellos rezitierenden Ensemble nah an die Gegenwart gerückt wird.« In Sarah Horaks intensiver Darstellung erfahre das Gerechtigkeitsempfinden der Antigone eine wilde und zugleich zarte Prägnanz. »Eindrucksvoll zeigt Matthias Zajgier dieses Ringen ums Recht oder die totale Macht, die Härte aus Furcht vor dem Gesichtsverlust, die Züge von Paranoia annimmt, aber am Ende erst in einen Vater-Sohn-Konflikt, dann in Verzweiflung mündet. […] Felix Steinhardt verblüfft durch seine Gestaltungskraft der eigentlich undankbaren Wächter-/Botenrolle […]. Kathrin Mädler wählt eine einprägsame Theatersprache, setzt cineastischen Sound gegen die Stille und evoziert effektvolle Bilder – emotional, aber nie pathetisch. Und sie stellt drängende Fragen über die Gegenwart und die Gesellschaft: über Diktatur und Unterwerfung, Männer und Frauen, Rechte und Pflichten, Schweigen und Widerstand. Unbedingt sehenswert!«

Kulturkanal – 25.02.2019
Ein Theater zum Mitdenken und Mitfühlen
»Es ist eine klassisch schlichte Aufführung, die der gebundenen Sprache eine klare Argumentationskultur abgewinnt und mit sparsam eingesetzten Visualisierungen durchaus emotionale Verdichtungen erzeugt. Kathrin Mädler schielt nicht nach Neudeutungsehrgeiz und schrillen Bildern. Ihr Theater überwältigt nicht, es lädt ein. Mitzudenken, und auch mitzufühlen, ist ihr Teil. Und weil sie ein krasses Gut-Böse-Schema vermeidet - die menschliche Antigone gegen Tyrannenwillkür und Staatsräson - wird der Blick frei: Es geht um Erinnerungskultur, um die Deutungshoheit in der Nachkriegsordnung unter einer neuen Regierung, wie wir sie auch heute über Mahn- und Gedenkstätten führen […]. Der blutigen Tragödie setzt Ausstatter Frank Albert eine nüchtern klare Ästhetik mit warmen Terrakotta-Farben entgegen.«
Neuburger Rundschau/ Augsburger Allgemeine – 25.02.2019
»insgesamt solide Inszenierung«
Der Rezensent der Neuburger Rundschau ist beeindruckt von der »Qualität der sprachlichen Gestaltung« der Inszenierung. »Sarah Horak zeigt eine interessante Antigone, gegen das Rollenklischee ist sie eher ein trotziges Mädchen als eine aristokratisch Widerständige. Den Kreon gibt Matthias Zajgier in gewohnter Souveränität.«
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