V.l.n.r.: Sarah Horak, Enrico Spohn, Mira Fajfer, Matthias Zajgier, Marc Simon Delfs, Péter Polgár / © Jochen Klenk

Leonce und Lena

Ein Lustspiel

Georg Büchner

»Wollen wir nützliche Mitglieder der menschlichen Gesellschaft werden?« »Lieber möchte ich meine Demission als Mensch geben.«

Thronfolger brennt durch, nach Italien! In das Land der Phantasie, der Musik, der heißen Sommernächte. Er will nicht der Nachfolger seines Vaters sein. Er will nicht regieren. Er will nicht die für ihn eine bestimmte Prinzessin heiraten. Es bleibt nur die Flucht. Über die Landesgrenze, ab in den Süden. Ein neuer Freund hat sich ihm angeschlossen. Sie trinken, feiern, philosophieren. Jenseits der Doktrin ihrer Väter suchen sie nach dem Sinn des Lebens. Sie kämpfen an gegen die existenzielle Langeweile einer bürgerlichen Existenz – und sie bleiben nicht lange alleine. Eine junge Frau, auch sie auf der Flucht, nebst Begleitung, gesellt sich zu ihnen. Eine Romanze beginnt und mit der Liebe entsteht der Gedanke, wieder heimzukehren. Heim ins Schloss zu den gefüllten Fleischtöpfen. Auch auf die Gefahr hin, dort zu einem funktionierenden Automaten zu verkommen. Als sie dann wieder im Haus des Vaters sind, müssen sie erkennen, dass sie ihrer Vorbestimmung nicht entkommen konnten. Sie sind gefangen in ihren Rollen. Sie können nur versuchen, es besser zu machen…

 

»Leonce und Lena« wurde 1836 geschrieben. Uraufgeführt wurde das Stück viel später, erst 1895, fast 60 Jahre nach seiner Entstehung. Von da an hat sich das Lustspiel in den Spielplänen behauptet. Dies zeigt die Modernität Büchners, dessen literarische Bedeutung erst im 20. Jahrhundert vollständig erkannt wurde. Erich Kästner zählt »Leonce und Lena« zu den sechs wichtigsten Komödien deutscher Sprache. Ursprünglich für einen Wettbewerb geschrieben, blieb es Büchners einzige Komödie. Für Regisseur Christoph Mehler ist sie »Weltkomödie und radikale Gesellschaftskritik. Damals wie heute gültig, hält uns das Genie Büchner den Narrenspiegel vor. Ein Meisterwerk des absurden Theaters.«

Regie: 
Christoph Mehler
Ausstattung: 
Jennifer Hörr
Musik: 
David Rimsky-Korsakow
Dramaturgie: 
Donald Berkenhoff
Künstlerisch-technische Produktionsleitung: 
Manuela Weilguni
Theatervermittlung: 
Bernadette Wildegger
Premiere am ,
Großes Haus
Dauer: 120 Minuten
Donaukurier – 01.10.2018
»Klassiker mit Wow-Effekt: Christoph Mehlers Ingolstädter ›Leonce und Lena‹ -Inszenierung ist so radikal wie virtuos«

Christoph Mehlers eindrucksvolle Inszenierung sei hoch ästhetisch, bildgewaltig und umwerfend verspielt und rücke Büchners Text in den Mittelpunkt. »Ja, Mehler zelebriert Büchners Sprache geradezu. Und er hat ein Ensemble, das diese schwierige Aufgabe mit großer Präzision meistert.« Darüber hinaus zeigt sich die Rezensentin beeindruckt von der Leistung des Ensembles, »das sich all diese verrückten Büchner-Figuren mit hoher Kunstfertigkeit und verwegener Komik anverwandelt […]«. Christoph Mehler schaffe betörende Bilder, betone das Theatrale, den Zirkus, das komödiantische Spiel, übersetze Büchners Sprach- in Theaterbilder – »das alles ist klug gedacht, exakt gearbeitet, strotzt vor hintersinnigem Witz und pulsiert in einer ungeheuren Energie.«

Neuburger Rundschau/Augsburger Allgemeine – 01.10.2018
»Herausfordernde, sehr kunstvolle Inszenierung«
»Das melancholische Lustspiel wird auf der gänzlich unmöblierten Bühne zu einer bösen Groteske umgebogen mit unablässig zappelnden und sich verrenkenden Figuren, überzogener Komik, maßlosem Chargieren, Grimassieren […]. Die derart exaltiert herausgeforderten Schauspieler, so Enrico Spohn und Mira Fajfer in den Titelrollen, meistern das souverän. «, resumiert der Kritiker der Neuburger Rundschau/Augsburger Allgemeine. Darüber hinaus wird der Chor als »großes Plus« Christoph Mehlers »Regiearbeit mit dynamischen Bildern und feinen Tableaus« bezeichnet.
Kulturkanal – 01.10.2018
»großer Applaus für diesen […] eindringlichen Theaterabend«
Die Rezensentin zeigt sich begeistert von der schauspielerischen Leistung: »Der Leonce von Enrico Spohn […] ist kein Melancholiker, […] sondern eher ein Wutbürger, der seinen Lebensüberdruss, den Frust über sein Nichtstun in vehementer Verzweiflung und lustvoller intellektueller Schärfe artikuliert. Eine eindringliche Leistung verbaler und physischer Präsenz.« König Peter werde von Matthias Zajgier »grandios zwischen Infantilität und gefährlichem Hitler-Tonfall« gespielt. Und auch Marc Simon Delfs spiele den Präsidenten »großartig debil-hündisch«. Der Chor sorgt außerdem für »starke Bilder«. Die Musikauswahl von David Rimsky-Korsakow gebe »dieser kraftvollen Inszenierung zusätzliche suggestive Wucht.« Den Umgang mit Büchners Sprache in der Inszenierung von Christoph Mehler beschreibt die Rezensentin als »klug strukturiert und durch vielfältige Sounds variiert. Büchners Texte werden collagiert, verzahnt, zwischen den beiden Paaren gedoppelt, mal mit Mikro verändert, verzerrt, überlagert.«
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