Sandra Schreiber / © Ludwig Olah

Lulu

Frank Wedekind

Eine Monstretragödie

La Belle Dame sans merci– die Schöne ohne Gnade

Lulu ist das Begehrenswerte, getrieben von Lebensdurst. Von der Straße kommend, in die Gesellschaft eingeführt, weckt sie Begehrlichkeiten, bei Alt und Jung – Mann und Frau. Viele wollen sie besitzen, formen – das Tier aus der Wildnis der Stadt zähmen und an sich binden. Aber ihrem Sein, wider der Moral und dem Konzept der bürgerlichen Gesellschaft, sind die Menschen nicht gewachsen. Um Sie flicht sich ein Gespinst aus Liebe, Eifersucht, Lust und Gewalt, das alle, die ihr zu nahe kommen und sie besitzen wollen, mit in den Abgrund reißt.

Leben und denken in den scheinheiligen bürgerlichen Moralvorstellungen des wilhelminischen Deutschlands war nichts für Wedekind. Immer wieder geriet er in Konflikt mit der Gesellschaft, der Zensur und anderen Staatsorgangen. Deswegen muss auch seine »Lulu« immer wieder modifiziert und entschärft werden. Der Stoff wurde mehrfach verfilmt. Alban Berg versuchte ihn in eine Oper zu fassen. Dennoch hat nach über 100 Jahren die Figur der Lulu nichts von ihrem Reiz und ihrer Faszination verloren und wirft für jede Zeit ihre eigene Frage nach Norm und Moral auf.

Eine Einführung zum Stück finden Sie in unserem Podcast Stadttheater Ingolstadt zum Hören: »Lulu« von Frank Wedekind.

Regie: 
Frank Behnke
Bühne: 
Sylvia Rieger
Kostüme: 
Ilka Meier
Musikalische Leitung: 
Malte Preuss
Dramaturgie: 
Dr. Judith Werner
Künstl.-techn- Produktionsleitung + Betreuung Ausstattung: 
Manuela Weilguni
Theatervermittlung: 
Nicole Titus
Premiere am ,
Großes Haus
Dauer: 150 Minuten, mit Pause
Donaukurier – 29.01.2018
»Eine überwältigende Leistung«

Mit »morbider Schönheit« inszeniert Frank Behnke das Stück, das »mit den Mitteln der Karikatur und der Überspitzung der Wahrheit auf die Spur kommt«. Gespielt wird in »sterilem Ambiente«. Das Bühnenbild von Sylvia Rieger ist ein »kalter Ort (…), allenfalls die Musik von Malte Preuß versprüht gelegentlich Wärme. Die Szenerie ist zeitlos, so wie Lulu auch eine ewige Frauengestalt ist«. Besonderes Augenmerk fällt hierbei auf die Hauptdarstellerin: »Sandra Schreiber spielt die Lulu großartig vieldeutig. Ständig schlüpft sie in neue, wunderbar von Ilka Meier gestaltete Kostüme und ist dabei so wandelbar, dass man am Ende kaum glauben kann, dass es sich um ein und dieselbe Figur handelt. (…) Eine überwältigende Leistung«. Auch die männlichen Charaktere werden alle »großartig gespielt«. Ingrid Cannonier als Gräfin Geschwitz zeigt »die Verzweiflung, die naive Hingabe, die Unbedingtheit der unerwiderten Liebe zu Lulu wirklich herzerweichend«.

Augsburger Allgemeine/Neuburger Rundschau – 29.01.2018
»sehenswert«

Regisseur Frank Behnke »lässt in einem von Sylvia Rieger abstrakt gestalteten, ästhetisch interessanten Bühnenbild spielen. Der sich perspektivisch verengende Raum wirkt tunnelartig, ruht auf einer Schräge, wird eingefasst von Seitenwänden mit hohen Türschlitzen und beleuchtet von Neonröhren. Ganz offensichtlich soll eine Laborsituation suggeriert werden«. Großes Lob erntet das »vorzüglich« spielende Ensemble, allen voran Sandra Schreiber, »eine hochbegabte junge Schauspielerin«. Außerdem ist die Inszenierung »sehenswert«, weil »sich die Hintergrundmusik (Malte Preuß) durch starken dramatischen Effekt auszeichnet und die Kostümausstattung (Ilka Meier) üppig ist«.

Kulturkanal – 29.01.2018
»Zum Schluss gelingt Frank Behnke ein starkes Bild«

Die Bühne besteht aus einem »puristisch schwarzen, leeren Raum, der nur von einigen Leuchtstoffröhren in den Wänden und blendend hellen Gegenlichtleuchten in der Rückwand strukturiert wird«. Regisseur Frank Behnke »vermeidet es, mit seiner Lulu die Weiblichkeitsbilder medialer Sex-Ikonen zu zitieren, sondern er setzt die jeweiligen Männerphantasien vor allem mithilfe der Kostüme von Ilka Meier ins Bild«, meint der Kulturkanal. Sandra Schreiber verkörpert die Titelrolle »mir großer Vielschichtigkeit. Naiv, zitternd, kokett, stolz, gnadenlos, verführerisch, ein Chamäleon, das sich jeder Situation anzupassen versucht«.