v.l.n.r.: Marc Schöttner, Teresa Trauth, Sarah Horak / © Jochen Klenk

Habe die Ehre

Eine Parallelgesellschaftskomödie

von Ibrahim Amir

Politisch völlig unkorrekt, schwarzhumorig, total abgedreht und multikulti.
Das sind die Komödien von Ibrahim Amir. Die Stücke des aus Syrien stammende Autors sind die Entdeckung der Theatersaison 2015. Das Stadttheater zeigt die ›Parallelgesellschaftskomödie‹ »Habe die Ehre«, die mit dem angesehenen österreichischen Theaterpreis »Nestroy« ausgezeichnet wurde.
In dieser Farce geht es ohne Umschweife zur Sache. Ein sehr gereizter Familienrat hat sich versammelt. Die Ehre der Tochter ist beschmutzt. Sie hat ihren Ehemann betrogen. Ihr Liebhaber ist schon aus dem Weg geräumt. Erschossen! Jetzt soll sie dran' glauben. Nur so lässt sich die Familienehre wieder herstellen. Doch wer soll den Ehrenmord durchführen? Der gehörnte Ehegatte, der Vater, der Bruder oder doch eher der Schwiegerpapa? Freiwillig will da keiner ran und um Ausreden ist man daher nicht verlegen: Der eine hat »Rücken«, dem anderen kommt die Aussicht auf den »Knast« sehr ungelegen, ein weiterer ist nicht schussfest  … Die Diskussion artet aus und schon rückt den Streithähnen die Polizei nicht etwa wegen Mordes, sondern wegen »Ruhestörung« auf die Pelle. Die Lage gerät völlig außer Kontrolle, als der bereits gemeuchelte Liebhaber von den Toten aufersteht…

Regie: 
Caroline Stolz
Bühne und Kostüm: 
Jan Hendrik Neidert, Lorena Díaz Stephens
Musik: 
Stefan Straubinger
Dramaturgie: 
Gabriele Rebholz
Premiere am ,
Kleines Haus
Dauer: 60 Minuten
Anja Witzke, Donaukurier – 30.01.2017
»Es macht Spaß, den Schauspielern zuzuschauen«

Begeistert berichtet der Donaukurier von der Premiere der Parallelgesellschaftskomödie »Habe die Ehre«. – »Was wie eine leicht dahingesagte Grußformel klingt, meint hier etwas Existentielles. Denn schon bald wird klar, dass es sich nicht um ein gewöhnliches Familientreffen handelt. Hier wird ein Mord geplant.« Dem Autor »Amir geht es um Minderheiten, die in abgeschlossenen Parallelwelten in den Mehrheitsgesellschaften existieren. (…) Um das Nicht-Verstehen auf beiden Seiten – über die sprachliche Kluft hinaus. Um Moral und Recht, Tradition und Identität. Amir hat aus all diesen gesellschaftspolitisch höchst diffizilen Ingredienzen mit subversivem Witz ein bitterböses Stück gebaut, das Regisseurin Caroline Stolz mit viel Slapstick zu bayrisch-orientalischem Klanggemisch (Musik: Stefan Straubinger) auf die Ingolstädter Bühne bringt.

Es macht Spaß, den Schauspielern zuzuschauen, wie sie das Unvermögen ihrer Figuren zelebrieren: wie stoisch komisch und dabei höchst differenziert Sascha Römisch den Schwiegervater spielt. Wie rasch Ulrich Kielhorn vom belächelten Hypochonder zum despotischen Patriarchen wechseln kann. Wie prollig, rabiat und töricht Olaf Danner den betrogenen Ehemann zu geben weiß. Dazu Maik Rogge als um Normalität bemühter Bruder, quasi Vermittler zwischen den Kulturen. Teresa Trauth als mütterliche Febreze-Kampfmaschine. Mira Fajfer und Victoria Voss als überdeutlich artikulierende Polizistinnen. Marc Schöttner als leidenschaftlicher Liebhaber, Sarah Horak als emanzipierte Ehefrau und Yael Ehrenkönig als Überraschungsgast«« »Klug wählt Regisseurin Caroline Stolz Tempo und Rhythmus, mischt grotesk Übersteigertes mit banaler Normalität, setzt auf große Gesten und kleine Geister, lässt das Komödchen schnurren.«

Augsburger Allgemeine/Neuburger Rundschau, Michael Heberling – 31.01.2017
»bestens amüsierte[s] Premierenpublikum«
»Die Tochter hat ihren Ehemann mit einem anderen Mann betrogen. Der musste schon mit seinem Leben dafür bezahlen. Jetzt tagt der Familienrat, und muss entscheiden wer die Ehebrecherin erschießt.« fasst die Augsburger Allgemeine den Plot von »‘Habe die Ehre‘, das jetzt im Kleinen Haus des Stadttheaters Ingolstadt Premiere hatte« von Ibrahim Amir zusammen. Anerkennend wird die Bühne (Jan Hendrik Neidert, Lorena Diaz Stephens) mit der »spießig-gemütlichen, deutsch-ausländische[n] Wohnzimmeridylle« erwähnt in der »die Geschichte vom lächerlichen Rächertrio, das Schande tilgen und Ehre wiederherstellen will, unbestreitbar komische Momente [hat]«
Kulturkanal, Isabella Kreim – 30.01.2017
»sauber und temporeich«
Über die Premiere der Parallelgesellschaftskomödie berichtet der Kulturkanal: »Dieser Perspektivenwechsel, wie sich die Fremdsprache in den jeweils anderen Ohren anhört, ist einer der lustigsten Einfälle dieser Parallelgesellschaftskomödie.« Begeistert berichtet er über die Arbeit der »Regisseurin Caroline Stolz und ihr Ensemble«, die »die Gags sauber und temporeich in Gang gesetzt.« haben. (…) »Die Schauspieler [gewinnen] ihren Figuren liebenswerte Züge ab. Vor allem der eigentlich unerträgliche Macho-Vater wird bei Ulrich Kielhorn zu einem liebenswert verschmitzten Familienoberhaupt, Sascha Römisch gibt dem Schwiegervater eine so dämliche Freude an Albernheiten, dass er seine Autorität von selbst zerlegt. Und auch Olaf Danner spielt den Ehemann in einer Mischung aus Tollpatschigkeit und Männlichkeitsgetue. Der einzig Vernünftige ist der Sohn, der schließlich an einen Sessel gefesselt wird, Maik Rogge spielt den moderaten Hoffnungsträger entsprechend genervt. Marc Schöttner als Liebhaber mit verbundenem Arm und Mantel als Torero-Mantilla ist der ideale südländische Schönling mit aufbrausendem Temperament und altmodischem Sentiment, Sarah Horak eine drastisch aufmüpfige Tochter, die die ganze Familie und jede Ehe satt hat. Teresa Trauth überbrückt die Durststrecken ihrer Rolle lustig mit Schnapstrinken und Schüssen aus der Wasserspühflasche, erfüllt das heulende Weibchen, gibt aber auch mal energisch Widerworte. (…) Mira Fajfer und Victoria Voss sind die beiden Polizistinnen, die Befehlston wie Freund-und- Helfer- in-Uniform im Repertoire haben. Und zum Schluss sorgt die von Yael Ehrenkönig vehement gespielte bayerische Nachbarin Susi für den finalen Schuss.«