Ich hab´ meine Tante geschlachtet

Ein zitterjubelschauderguter Abend mit Texten und Liedern von Frank Wedekind

Tiefe Nacht in einer abgewohnten Spelunke.
Herr Wedekind, Fräulein Bergmann und Barfrau Ilse haben ihre schönsten Tage längst erlebt – und längst wieder vergessen. Missmutig versucht der Dichter ein paar Zeilen zu schreiben, was natürlich  – genau wie der Versuch, mit seiner ranzigen Gitarre und einem halbherzigen Liebeslied Fräulein Bergmann zu bezirzen, misslingt. Die möchte eigentlich nur ein bisschen Liebe schnuppern, doch die ehemalige Bordsteinschwalbe Ilse hält sie mit ihrem kühlen Zynismus gründlich davon ab. Ilse selbst flattert nur noch zwischen Schnapsflaschen und dem unheimlichen Plaisir, den das Erzählen von Gruselgeschichten mit sich bringt, hin und her.

Zwischen diesen müden Köpfen wabern alte Moritaten auf und ab, die auf der Melodika geschmettert oder in ein klappriges Klavier geschlagen – zeitweise von einem Glockenspiel besungen oder auf einem Glasrand geschwungen werden. 

 - Ich bin auch nicht richtig froh - Ich habe auch kein richtiges Herz - Ich bin nur ein kleiner, unanständiger Schalk - Mein richtiges Herz, das ist anderwärts - Irgendwo im Muschelkalk -

Auf staubigen Sesseln, bei Getränken von zweifelhaftem Geruch und modrigen Schrippen, gibt es massenhaft knarzige Gedichte, in Eifersucht getauchte Geschichten und schwummrige Lieder – nehmen Sie Platz!

 

Regie: 
Anna-Lena Henkel
Bühne: 
Luisa Rienmüller
Kostüme: 
Elena Friesen
Premiere am ,
Blauer Salon/Theaterrestaurant
Andrea Hammerl, Donaukurier – 11.04.2016
»Eine kleine Perle besonderer Theaterkunst (...)«

»Regisseurin Anna-Lena Henkel, die die Sänger einfühlsam am Klavier begleitet und gelegentlich zu Cello oder Glockenspiel greift, hat mehrere Motive aus ›Frühlings Erwachen‹ in neuen Kontext gestellt«, schreibt Andrea Hammerl vom Donaukurier über die Inszenierung. »Zum besonderen Reiz dieser schaurig-schönen Theaterstunde gehört der Kontrast dieser angenehmen, jugendlich-frischen Stimmen zu den dargebotenen, zunehmend morbiden Texten. (...) Eine kleine Perle besonderer Theaterkunst, mit einem Maximum an Emotionen in interessantem, von Luisa Rienmüller (Bühne) und Elena Friesen (Kostüme) gestaltetem Ambiente.«

Friedrich Kraft, Augsburger Allgemeine/ Neuburger Rundschau – 11.04.2016
» (...) köstlich (...)«

Friedrich Kraft von der Augsburger Allgemeinen schreibt über die Regisseurin und die musikalischen Einlagen: »Anna-Lena Henkel begleitet gekonnt auf dem Klavier, zupft Pizzicato am Violincello, Yael Ehrenkönig bedient eine Melodica, Péter Polgár klimpert auf der Gitarre.« Die Schauspieler werden als »exzellente[s] Darsteller-Trio« hervorgehoben. Ebenso wird der Blaue Salon als »atmosphärisch angenehm (...)« beschrieben.