Geächtet

von Ayad Akhtar

Deutsch von Barbara Christ

Dinnerparty eskaliert. Eine Abendessen-Einladung. Schauplatz: ein Appartement auf der Upper East Side, New York. Es nehmen teil: Amir, als Muslim geboren, aber im Grunde seines Herzens Islamophobiker, erfolgreicher Anwalt mit Hoffnung auf Partnerschaft in einer angesehenen Kanzlei; seine Frau Emily, Malerin, ist tolerant, für sie ist der Islam eine große Kultur, Teil unseres abendländischen Erbes; der Freund des Ehepaares, Isaac, ist ein in New York aufgewachsener Jude; Jory, Isaacs schwarze Frau, eine soziale Aufsteigerin mit Vorliebe für Henry Kissinger. Es beginnt beschwingt, aber bevor der Hauptgang serviert wird, eskaliert die Situation.

Dieses irritierende Stück, das uns mit eigenen Vor- und Urteilen konfrontiert, versucht eine ähnliche Anordnung, wie sie Lessing in »Nathan der Weise« geschrieben hat. Doch diese vier Menschen können sich in keine Parabel retten, kein Märchen hilft ihnen aus der verfahrenen Situation. Sie müssen ihre Widersprüche aushalten. Die Politik wirkt tief in ihre Beziehungen.
Die deutsche Tageszeitung »Die Welt« schrieb über die amerikanische Aufführung: »Eine New Yorker Dinnerparty wird zur griechischen Tra gödie. (…) Gerade in diesen Tagen wirkt das Stück wie ein aktueller Nachrichtenkommentar.«
»Disgraced« wurde 2013 mit dem Pulitzer-Preis für das beste Stück des Jahres ausgezeichnet. Im gleichen Jahr erhielt Ayad Akhtar den New Yorker Theaterpreis »Obie-Award«, der von der Zeitung »The Village Voice« verliehen wird, als bester Theaterautor des Jahres.

Regie: 
Markus Heinzelmann
Ausstattung: 
Annemarie Bulla, Gregor Wickert
Musikalische Leitung: 
Christine Hasler
Premiere am ,
Großes Haus
Dauer: 100 Minuten
Anja Witzke, Donaukurier – 29.02.2016
»(...) Bravorufe und lange[r] Applaus.«

Anja Witzke vom Donaukurier schreibt über ›Geächtet‹: »Markus Heinzelmann setzt das [Thema] mit seinem Team (...) in seiner Ingolstädter Inszenierung im Großen Haus kongenial um. Ein Stück weit begleitet der Zuschauer jede der Figuren in ihrer Argumentation, bezieht Position für den einen, gegen den anderen. Immer ist er gefordert nach- und umzudenken.« Weiter schreibt sie über die fünf Darsteller: »Beeindrucken ist vor allem, wie exakt sie die Beziehungen zu zeichnen vermögen, das Mächteverhältnis innerhalb der Paare, die intellektuellen Fallhöhen, die emotionalen Verstrickungen, den Snobismus, die trostlose Zweckmäßigkeit der Verbindung. (...) Und spannend ist auch, wie Regisseur Heinzelmann die persönliche und gesellschaftliche Instabilität auf der Bühne umsetzt. Er unterwandert die brisante Auseinandersetzung mit Komik. Und führt - hier ein kaputter Griff, dort ein explodierender Eiswürfelspender - das Poröse der schönen, aufgeklärten Welt vor Augen. Nach gut 100 Minuten gibt es dafür Bravorufe und langen Applaus. Akhtars Stück kommt zur rechten Zeit. Denn: Denken lohnt immer.«

Florian Welle, Süddeutsche Zeitung – 29.02.2016
» (...) ausgezeichnetes Stück (...)«

Florian Welle von der Süddeutschen Zeitung beschreibt Ayad Akhtars Stück mit den Worten: »Zwei wohlsituierte junge Paare, ein Dinner, und die Katastrophe lässt nicht lange auf sich warten. (...) Wobei der Amerikaner mit pakistanischen Wurzeln stets betont, sein viel und kontrovers diskutiertes ›Geächtet‹ sei kein Stück über den Islam, vielmehr ›geht es um dich selbst‹. Wir alle sind also angesprochen, Vorurteile ebenso zu hinterfragen wie Romantisierungen. Als Zuschauer kann man sich bei Akhtars voltenreicher Versuchanordnung nicht ohne weiteres auf eine Seite schlagen.« Über Markus Heinzelmanns Inszenierung schreibt Welle: »Dabei geizt Heizelmann nicht mit boulevardesken Elementen (...). «

Friedrich Kraft, Augsburger Allgemeine/ Neuburger Rundschau – 01.03.2016
» (...) erstaunlich.«

Friedrich Kraft schreibt über ›Geächtet‹ im Stadttheater: »Markus Heinzelmann versucht (...) die länglichen Passagen vor der dramatischen Zuspitzung mit boulevardeskem Firlefanz aufzumischen. (...) Gregor Wickerts Bühnenbild mit einer dominant platzierten Shiva-Statue setzt auf surreale Elemente (...)«. Auch die solide Leistung des Ensembles hebt Kraft hervor.

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