Ein Känguru wie Du (UA)

Uraufführung von Ulrich Hub ab 8 Jahren

Ausgezeichnet mit dem Preis der Jugendjury der Mülheimer Theatertage 2015

Outing - »Bist du eigentlich verheiratet?« – »Nein.« – »Bist du verlobt?« – »Nein.« – »Dann bist du also Single!« Der Trainer verneint wieder. »Hä?«, sagen die Raubkatzen und der Trainer ant­wortet: »Denkt mal ein bisschen nach. Benutzt einfach euren Kopf.« Damit lässt er die verwirrten Tiere zurück. Für diese Worte gibt es nur eine einzige Erklärung: Ihr Dompteur ist schwul! Warum sind sie nicht schon eher darauf gekommen? Plötzlich ergibt alles einen Sinn: sein buntes glitzerndes Kostüm, seine ondulierten Haare ... Der Tiger weiß zwar nicht so genau, was »schwul« überhaupt ist, deshalb erklärt es ihm der Panther umständlich und vermischt dabei alle gängigen Vorurteile und den typischen Fernsehtratsch miteinander, aber eins ist klar: schwul geht gar nicht! Entsetzt verweigern die Tiere die Zusam­men­arbeit mit ihrem Trainer, boykottieren sogar die wichtige Generalprobe für ihren großen ­Auftritt und hauen ab. »Soll die blöde Schwuchtel doch selbst durch den brennenden Reifen hüpfen!«
Auf ihrer Flucht begegnen sie Django – einem ­boxenden Känguru. Die beiden Raubtiere sind enorm beeindruckt, weil es aus seinen Kämpfen stets als Sieger hervorgeht und das ganz ohne Trainer! Das Känguru beneidet jedoch die beiden Freunde, weil sie gemeinsam in der Manege auf­treten können, es selbst hat überhaupt keine Freunde, denn »wer will schon ein schwules Känguru in der Truppe haben?« Die Raubtiere glauben sich verhört zu haben: Dieses sportliche, coole Tier ist schwul?
Langsam dämmert es den beiden, dass es so ­etwas wie »typisch schwul« vielleicht gar nicht gibt, und dass sie ihre Vorurteile über den Haufen werfen müssen, um dem Känguru zu helfen und ihren Trainer zurückzugewinnen. Am Ende erwarten die Raubkatzen gleich drei Überraschungen und alles ist anders, als sie es vorher gedacht hatten.

Hubs neues Stück ist kein Aufklärungstheater, es zeigt nur eine andere Form »menschlicher« Beziehungen und Verhaltensweisen. Unverkrampft, ohne zu moralisieren und zu werten wird das Thema »Schwulsein« verhandelt. Die Raubkatzen kämpfen dabei mit Vorurteilen, ­Gerüchten, absurden Spekulationen und den schlimmsten Ängsten. Erst als sie sich diesen stellen, merken sie, dass die ganze Aufregung ­eigentlich unnötig ist.

Regie: 
Jule Kracht
Ausstattung: 
Ursula Bergmann
Choreografie: 
David Williams
Dramaturgie: 
Teresa Gburek
Premiere am ,
Werkstatt/Junges Theater
Dauer: 90 Minuten, mit Pause
Dr. Isabella Kreim, Kulturkanal – 13.10.2014
» ... richtig viel Spaß.«

»Ulrich Hub, der Autor des witzigen Kinderstücks ›An der Arche um Acht‹ hat ein neues Stück geschrieben, das letzten Samstag im Jungen Theater in Ingolstadt uraufgeführt wurde.
›Ein Känguru wie Du‹ spielt in der Zirkuswelt. Regisseurin Jule Kracht und Choreograph David Williams haben mit ihren Darstellern diese Möglichkeiten genutzt, clowneske Umbaunummern und Pantomimen eingebaut und den Darstellern großen Körpereinsatz abverlangt. Und die Tierdressurnummern in chaotischer und perfekter Form geben der 90minütigen Aufführung eine schöne Balance zwischen Dialogen und Action.
Diese Situation kennen die Kinder: Etwas lernen und üben müssen, um es dann möglichst perfekt vorzeigen zu können. Nicht viel anders ergeht es den beiden dressierten Raubkatzen, Lucky und Pascha, dem weißen Tiger und dem schwarzen Panther, die im Zirkus ihre Nummer zeigen und dabei, so will es ihr Trainer unbedingt, den goldenen Pokal gewinnen sollen.
Auf das Training haben sie aber noch weniger Lust, als sie denken, ihr Trainer sei schwul, z.B. weil er sich gerne parfümiert. Dass er das wegen ihrer Raubtierausdünstung macht, kommt ihnen nicht in den Sinn.
Tiger und Panther streunen durch die Stadt und ans Meer und wundern sich, warum alle Menschen kreischend weglaufen und die ganze Stadt ausgestorben ist – bis auf Django, den Boxer, ein Känguru. Joana Tscheinig als Känguru Django ist eine Wucht, wie sie diesen Supermacho-Helden mit Russenmafia-Akzent auf die Bühne donnert und dabei hoch akrobatisch elegant agiert! Dieses Känguru soll schwul sein?
Natürlich werden damit Vorurteile übers Schwulsein abgebaut, (...) ›Ein Känguru wie Du‹ (...)  ist aber eine intelligente Geschichte, um Kindern klarzumachen, nicht alles dumme Zeug zu glauben, das Ihnen zu Ohren kommt.
Und wie Joana Tscheinig, Olivia Wendt und die beiden neuen Ensemblemitglieder Benjamin Kneser und Benjamin Dami agieren, macht einfach auch richtig viel Spaß.«

Anja Witzke, Donaukurier – 12.10.2015
»Umjubelte Uraufführung«

Die Uraufführung »Ein Känguru wie Du« begeistert den Donaukurier: »Regisseurin Jule Kracht geht behutsam an das Thema heran und stellt nicht sexuelle Orientierungen in den Vordergrund, sondern Engstirnigkeit und Intoleranz, Ängste, die daraus resultieren, und das Hinterfragen der eigenen Position. Und das gelingt ihr auf kindgerechte Weise – mit viel Komik.« Und lobt: »Davon [Applaus] gibt es am Ende jede Menge: für Jule Krachts punktgenaue, erfinderische, geistreiche, kindgerechte Inszenierung, für Ursula Bergmanns spielerischeAusstattung  und ihre kunstvollen Tierkostüme, für Walter Kiesbauers flirrend-drängenden Sound, für David Williams’ launige Choreografie, für die famosen Schauspielerleistungen und natürlich für dieses Stück, das ein so schwieriges Thema unverkrampft, komisch und vor allem mit Tiefgang verhandelt.«


 

Friedrich Kraft, Augsburger Allgemeine – 13.10.2014
»Ein entzückendes Stück«

Für die Uraufführung »Ein Känguru wie Du« erntet das Team um Regisseurin Jule Kraft von der Neuburger Rundschau großes Lob: »Ein entzückendes Stück für ›alle ab acht Jahren‹ hat das Stadttheater Ingolstadt in seiner Sparte  ›Junges  Theater‹ uraufgeführt. (...) Für die Ingolstädter Werkstatt­bühne hat das Produktionsteam Jule Kracht  (Regie), Ursula  Bergmann (Ausstattung), Waltet Kiesbauer (Musik) und David Williams (Cho­reografie) dieses· zauberhafte Stück stimmig, einfallsreich und höchst vergnüglich · eingerichtet.  Grandios die Spielfreude von Benjamin Kne­ser, Benjamin Dami, Joaria Tschei­ nig und Olivia Wendt, Großer Jubel  für das Ensemble und den anwesenden Autor Ulrich Hub.