Die Bremer Stadtmusikanten

Märchen von Peter Ensikat nach den Brüdern Grimm

für alle ab 6 Jahren

Tierisch gutes Open Air Konzert. Der Esel hat ein ­Leben lang Lasten geschleppt, der Hund das Haus bewacht, die Katze Mäuse gejagt und der Hahn war Herr im Hühnerstall. Aber jetzt sind die Tiere alt und der Mensch kann sie nicht mehr gebrauchen. Der Esel wird mit Stockhieben vertrieben und ein anderer soll gar in den Suppentopf. Auf der Flucht lernen sich die Tiere kennen und sie beschließen, noch einmal ganz von vorne anzufangen. Der Esel hat gehört, dass in der Stadt ­Bremen Musikanten gesucht werden. Dort wollen sie sich bewerben. Dies ist die Geburtsstunde der coolsten Seniorenband aller Zeiten. Doch nach Bremen ist es weit und im nächtlichen Wald kommt ihnen eine Räuberbande in die Quere. ­Fantasie und Courage sind jetzt gefragt, denn das ­tierische Gesangsquartett muss ­seine ­ganze Kunst unter Beweis stellen, um die ­Räuber zu vertreiben.

Das Märchen »Die Bremer Stadtmusikanten« ­erzählt von vier grundverschiedenen Tieren, die schließlich Freunde werden und gemeinsam ihr Glück versuchen. Mit Fantasie, Mut und Solidarität wagen sie einen Neuanfang mit tierisch guter Aussicht auf Erfolg.
 

Regie: 
Knut Weber
Bühne: 
Herbert Buckmiller
Kostüm: 
Julia Buckmiller
Kostüm: 
Barbara Kloos
Musik & Komposition: 
Tobias Hofmann
Dramaturgie: 
Gabriele Rebholz
Premiere am ,
Großes Haus
Friedrich Kraft, Augsburger Allgemeine/Neuburger Rundschau – 17.11.2014
» ... sechzig Minuten Vergnügen pur.«

»›Die Bremer Stadtmusikanten‹ in der Inszenierung von Knut Weber, das ist in sechzig Minuten Vergnügen pur. Für das Märchenstück des im vergangenen Jahr gestorbenen Ostberliner Autors Peter Ensikat nach der Vorlage der Brüder Grimm spendeten bei der Premiere am Wochenende im ausverkauften Großen Haus des Stadttheaters Kinder wie Erwachsene begeisterten Applaus.
Die ebenso anrührende wie tiefsinnige Geschichte gehört zum Kostbarsten aus der Grimmschen Schatzkiste. Einem alten Esel, der sich schwer tut, Säcke zu schleppen, soll das Fell über die Ohren gezogen werden. Dem zahnlosen Hund, der nicht mehr zur Jagd taugt, droht das Ende unter dem Hackebeil, dem Gockel das Schicksal eines Suppenhuhns. Und auch eine Katzendame gilt als unnütz, weil sie sich zu fein ist für den Mäusefang. Die vier so unterschiedlichen Tiere machen sich
trotz der angeborenen Antipathien miteinander auf die Flucht, angestiftet und ermuntert vom sanften Langohr nach dem Motto: ›Etwas Besseres als den Tod finden wir überall‹.
(...) Da zeigt sich die aktuelle humane Moral der Geschichte: Auch Alte, Behinderte und scheinbar Nutzlose können bestehen und etwas bewegen, wenn sie zusammenhalten. Ein feines Lehrstück für Jung und Alt.
Einst galt das traditionelle Weihnachtsmärchen an Theatern künstlerisch eher als lästige Pflichtaufgabe. Die Zeiten sind vorbei, längst wird diese Chance wahrgenommen, die Begeisterungsfähigkeit der Kleinen für das Theater zu wecken. Besonders der Ingolstädter Intendant Knut Weber erweist sich diesbezüglich immer wieder geradezu als Vorbild in der liebevollen, sorgsamen, aber auch ästhetisch anspruchsvollen Gestaltung des Genres. So auch nun bei den ›Bremer
Stadtmusikanten‹. Die Inszenierung setzt ganz auf die Qualität der Fabel, erzählt sie einfach, unaufgesetzt, mit viel Humor, Sprachwitz und in unaufwändiger, aber attraktiver Ausstattung (Bühne: Herbert Buckmiller; Kostüme: Julia Buckmiller und Barbara Kloos). Einen entscheidenden Beitrag liefert der Hausmusiker und Komponist Tobias Hofmann mit eingängigen Melodien. Sie werden noch am Ausgang von Kindern nachgeträllert.
Schließlich die vorzüglichen Darsteller: Ralf Lichtenberg, Péter Polgár, Sandra Schreiber und Margret Gilgenreiner, höchst amüsant und spielfreudig in den Tierrollen. Carolin Schär, Anjo Czernich und Peter Greif karikieren köstlich das tumbe Räubertrio sowie die Bauerntölpel, die ihren liebenswerten Mitgeschöpfen den Garaus machen möchten.«

Dr. Isabella Kreim, Kulturkanal – 17.11.2014
» ... sinnreiche, schöne Märchen-Singspiel.«

»Manchmal ist weglaufen mutiger, als sich in eine aussichtslose Situation zu fügen. Denn ›Etwas besseres als den Tod findet man immer‹. Weil sie zu alt zum Arbeiten sind, werden sie ausgemustert, sollen erschlagen werden oder in den Kochtopf wandern. Deshalb laufen sie weg. Der Esel, der Hund, die Katze und der Hahn. So einfach ist es allerdings nicht, sich in der neuen Freiheit und in ungewohnter Umgebung, mitten im Wald, zurechtzufinden, wenn einem kein Bauer oder Hundebesitzer mehr sagt, was man zu tun hat, und man das Essen plötzlich selbst besorgen  und dafür eine Räuberbande in die Flucht schlagen muss. Da  ist es besser zusammenzuhalten, auch wenn man sich manchmal auf die Nerven geht oder sich von Haus aus so spinnefeind ist wie Hund und Katze. Und wenn man sich streitend in die Haare gerät, ist es  manchmal besser, zu schweigen und lieber gemeinsam zu singen.
Viel unterschwellige Lebensweisheit, sogar ein bisschen Rebellentum steckt im Märchen ›Die Bremer Stadtmusikanten‹ der Brüder Grimm, so wie es Peter Ensikat griffig und kindgerecht für die Bühne bearbeitet hat. Die Analogie zu Altersarmut und der Ausgrenzung von Menschen, die in der Leistungsgesellschaft nicht mehr funktionieren, liegt nahe. Und so kann  diese Inszenierung getrost auf billige Anspielungen auf moderne Arbeitswelt oder würdeloses Rentner-Dasein, auf mediales Beiwerk und modische  Bild-Accessoires verzichten.
Intendant Knut Weber erzählt ›die Bremer Stadtmusikanten‹ als Märchen-Singspiel, das ganz auf die Figurengestaltung der Darsteller, die romantischen  Bühnenbilder von Herbert Buckmiller  und die wunderbar eingängige Musik von Tobias Hofmann setzt. Auch der Komponist Hofmann biedert sich nicht dem Pop- und Techno-Kindergeschmack an und kreiert dennoch im besten Sinne populäre Songs mit Anleihen zwischen Tom Waits für den Esel  oder Chanson für die Katze mit komischen Operettenkoloraturen für den eitlen Gockel und  baritonalem Volksliedton für den treuherzig brummigen Hund, schrägen und schließlich harmonischen Ensembles für das neugebildete und noch nicht so ganz eingesungene Tierquartett. Musik wie Inszenierung kommen aus einer analogen nicht der digitalen Zeit. Und so entzückt es die Zuschauer,  wie  die Tiere vor einem Wandelprospekt mit liebevoll aquarellierter Voralpenlandschaft laufen. Und Sonderapplaus gibt es für den magisch-romantischen Wald und das liebevoll ausgestattete Räuberhaus. Und dazwischen rennen  die Tiere oder die Räuber auf der Flucht zur Begeisterung der Zuschauer lautstark und zum Anfassen nah durch den Zuschauerraum.
Die Aufführung lebt vor allem von den einfühlsam gespielten Figuren, die eine schöne Balance aus Ernsthaftigkeit und Komik finden, aber nie in läppischen ›Ach sind wir lustig‹- Klamauk  abdriften. Da ist der etwas alterstraurige, aber deswegen auch ziemlich vernünftig-lebenskluge und gar nicht dumme alte Esel von Ralf Lichtenberg, der aus tiefer Kehle sein herrliches  Iaaaa einsetzt. Die elegante Katze von Sandra Schreiber ist eine verwöhnte Chansonette, und Margret Gilgenreiner spielt  den  eitlen Gockel ganz köstlich mit aufgeregten Kopfbewegungen und kapriziösem  Schwanzfedern-Schwung, ein kapriziöser Hahn, der  im Wald ängstlich zetert, sich aber als Musikalischer Leiter des Gesangsquartett  kokett aufplustert.  Peter Polgars treu-doofer  Hundeblick  ist fast schon Erklärung genug, warum ihm seine Treuherzigkeit gegenüber seinem Herrn zum Verhängnis zu werden droht. Carolin Schär, Anjo Czernich und Peter Greif sind als Räuber und Tierbesitzer mit durchaus auch komödiantischen Zügen ebenso vergnüglich und genau erfundene Charaktere.
Auch die Kostüme von Julia Buckmiller und Barbara Kloos verzichten auf modischen Klimbim oder perfekte Tiermasken, sondern setzen auf phantasievolle Andeutungen wie Schlappohren für den Hund, Pelzmantel und Lockenkopf mit Öhrchen für die Katze, knallrote Punk-Tolle  und Schwanzfedern für den Hahn, Hut mit Ohren und graues Pelzjäckchen für den Esel.
Und so wird die Geschichte verständlich, liebenswürdig, und liebevoll einfach erzählt.
Riesenapplaus für dieses sinnreiche, schöne Märchen-Singspiel.«