Ente, Tod und Tulpe

Stück nach Wolf Erlbruch, Bühnenfassung von Nora Dirisamer

Für alle ab 5 Jahren

Schon länger hatte die Ente so ein Gefühl.
»Wer bist du und was schleichst du hinter mir her?«
»Schön, dass du mich endlich bemerkst«, sagte der Tod. »Ich bin der Tod.«
Die Ente erschrak. Das konnte man ihr nicht übel nehmen.
»Und jetzt kommst du mich holen?«
»Ich bin schon in deiner Nähe, so lange du lebst – nur für den Fall.«
»Für den Fall?«, fragte die Ente.
»Na, falls dir etwas zustößt. Ein schlimmer Schnupfen, ein Unfall – man weiß nie.«
Doch die Ente ist noch nicht bereit für den Tod. Sie will ihm noch so viel zeigen! Und eigentlich ist der Tod auch ziemlich nett. Zusammen verbringen sie einen Sommer lang ihre Zeit, schwimmen im See und sitzen auf einem Baum, lernen sich und die fremde Welt des Anderen kennen, erzählen und schweigen und wärmen einander. Und in dieser Zeit erfährt der Tod so einiges, was selbst er noch nicht wusste. Und die Ente hat keine Angst mehr vor ihm.

Irgendwann stellt jedes Kind die Frage nach dem Tod. Ganz unbefangen. Erwachsene haben selten eine unbefangene Antwort parat. So selbstverständlich der Tod im Leben ist, so selbstverständlich gehört er ins Kinderbuch und -theater. In »Ente, Tod und Tulpe« ist der Tod ein leichtfüßiger Begleiter, schon immer da, man merkt es nur nicht.
Der vielfach preisgekrönte Kinderbuchautor und -illustrator Wolf Erlbruch führt Kinder behutsam und poetisch an die großen Fragen des Lebens heran. Seine Figuren sind so hemmungslos offen wie liebenswert. »Ente, Tod und Tulpe« wurde im Jahr 2008 mit dem Silbernen Griffel ausgezeichnet.

 

Liebe Pädagogen, wir raten dazu an, den Besuch dieses Theaterstücks mit Ihrer Klasse vor- und nachzubereiten.

Dazu können Sie eine ausführliche Begleitmappe mit Infomaterial zum Stück, Vor- und Nachbereitungsvorschlägen und weiterführenden Literaturhinweisen anfordern: Schreiben Sie einfach eine Mail an theaterpaedagogik@ingolstadt.de oder rufen Sie uns an unter: 0841-305 47 240 oder 0841-305 47 241.
Sollten Sie es wünschen, den Vorstellungsbesuch durch unsere Theaterpädagoginnen vor- oder nachbereiten zu lassen, so zögern Sie ebenfalls nicht, uns zu kontaktieren.

Regie: 
Julia Mayr
Ausstattung: 
Dietlind Konold
Premiere am ,
Werkstatt/Junges Theater
Dauer: 55 Minuten
Dr. Isabella Kreim, Kulturkanal – 20.01.2014
»Der Tod gehört zum Leben.«

»(...) Ziemlich lange geht der schwarz gekleidete Herr mit der lila Tulpe in der Hand hinter (der Ente) her, folgt ihr wie ein Schatten im Gleichschritt, spielt mit ihr Verstecken hinter einer frei im Raum stehen Holztür, läuft hinter ihr über die Brücke über den kleinen Wasserlauf,  imitiert sogar den Watschelgang der Ente, kommt ihr unversehens entgegen. Aber es dauert eine ganze Weile, bis sich beide wahrnehmen. Und bereits in diesen ersten, poetischen und lustigen stummen Minuten erzählt Regisseurin Julia Mayr ganz anschaulich für die Kinder begreifbar: Der Tod gehört zum Leben. Auch wenn wir ihn langezeit nicht sehen wollen.

Und so sagt ein kleines Mädchen neben mir, noch bevor der Tod selbst sagen kann, dass er immer schon bei der Ente war: Wer lebt, muss auch sterben.

Der Kinderbuchautor und -illustrator Wolf Erlbruch hat mit seinem Bilderbuch-Klassiker »Ente, Tod und Tulpe« die Abstraktion, das Unvorstellbare von Tod und Sterben in der vertrauten Welt einer  freundschaftlichen Beziehung zwischen Tod und Ente veranschaulicht und allein durch diese Konkretisierung dem Tod den Schrecken des Unfassbaren genommen.

Ausstatterin Dietlind Konold hat dafür ein wunderbares, geradezu idyllisches, aber auch witzig bespielbares Ambiente in die Werkstattbühne gebaut: einen Wasserlauf mit hölzerner Brücke, einen Baum, an den die Ente alle Fundstücke, die sie aus dem Teich getaucht hat aufhängt, eine Vogelscheuche, deren Arme man wie ein Schwungkreuz bewegen kann, Steine, auf denen die Ente balanciert, und mit denen man auch spielen kann, eine Holzwand auf Rollen, mit der man wunderbar Versteck spielen kann.

Michael Amelung als Tod ist ein altersloser, sanfter Mann im schwarzen Anzug über einem langen Nachthemd, mal jungenhaft tollpatschig und verspielt, mal einfühlsam und zärtlich, mal selbst ein bisschen ratlos und traurig über seine Aufgabe, mal erstaunt, was er von der Ente alles lernen kann. Der Wasserscheue lernt, wie viel Spaß es macht, im Teich zu plantschen. Er, der Nichtschläfer, schlummert sanft ein in den Armen der Ente, die den patschnass Frierenden mit ihrem Jäckchen gewärmt hat.

(...) Die Ente zeigt ihm, was sie gerne macht, schwimmen und gründeln. Die Kinder lachen, als der Tod  in voller Länge ins Wasser schlägt. So menschlich, so unzulänglich und liebenswert ist der Schreckensmann in dieser märchenhaft schönen Geschichte.

Und auf viele Fragen weiß auch der Tod  keine Antwort. Warum müssen wir sterben? Und für die Frage was danach kommt, hat er auch nur ein »vielleicht« parat.

(...) Julia Mayr hat die Bühnenfassung von Nora Dirisamer auf wenige Texte reduziert, das meiste erzählt sich ohne Worte, in der liebevollen Beziehung zwischen Tod und Ente. Im Zeitraffer, in kurzen Tableaus fliegt das Leben der Ente schließlich dem Ende entgegen, bis sie sanft in den Armen des Todes liegt. Wie so oft davor, als beide aneinander gekuschelt eingeschlafen sind.

So tröstlich, wie in »Ente, Tod und Tulpe« kann man Kindern den Tod nahebringen. Und Eltern und Lehrer sollten nicht mehr Angst als die Kinder davor haben.  Es macht ja auch nichts, wenn sie die Frage, warum wir sterben müssen,  genauso wenig beantworten können wie der Tod selbst.«

Claudia Vorndran, Neuburger Rundschau – 21.01.2014
»Mit dem Tod per Du«

 »Klar, wer will schon den Tod als Freund haben. Eigentlich niemand! Aber wenn er doch so nett und lustig ist, wenn das Steinerücken mit ihm noch mal so viel Spaß macht, wenn die gemeinsamen Fantasien über das Leben nach dem Tod ganze Lachsalven auslösen. Dann ist man doch gern sein Freund.

Anfangs war der Tod der Ente (Jennifer Kornprobst) gar nicht recht. Weder als Freund, noch wollte sie ihn überhaupt in ihrer Nähe haben. (...) Der Tod (gespielt von Michael Amelung) beantwortete die Fragen des kleinen Entleins mit einer Engelsgeduld. Wer will schon sterben. (...) Schön war das Leben der Ente. Glücklich spielte sie an ihrem Teich, rückte täglich die Vogelscheuche zurecht, gründelte und sprang auf ihren Steinen. Frei war sie, glücklich und froh. Was sollte denn da jetzt plötzlich der Tod. Wer hatte ihn gebeten zu kommen? Und warum jetzt? Fragen, die für Erwachsene schwer zu beantworten sind, wurden in der Premiere von »Ente, Tod und Tulpe« nach einem Bilderbuch von Wolf Erlbruch kindgerecht angesprochen und von dem »Tod« mit sanfter Stimme beantwortet. »Warum muss man sterben?« - »Weil man lebt!« »Das Leben besteht aus lauter Veränderungen. Der Tod ist die letzte Veränderung!« Erkenntnisse, die für Fünfjährige vielleicht zu hohe Ansprüche an deren Verständnis für den Tod stellten, aber in der Inszenierung von Julia Mayr bekam der Tod eine so sympathische und nette Ausstrahlung, dass sie sehr schnell mit ihm per Du waren und sie so seine Entscheidung, das Entchen mit sich zu holen, respektierten und für sie das in Ordnung und gut war, als am Ende des Stückes, die Ente umhüllt von seinem schwarzen Mantel, in seinen Armen sanft entschlief.«