Baierische Weltgeschichte

Szenische Lesung nach Michl Ehbauer mit himmlischer Musik

»Im Anfang – sagt die Schrift – war nix!
Und über a Weil – war wieder nix.
Und erst a paar Tag später dann,
Da war erst recht nix, wo mir san.
Da hat sich unser Herrgott denkt:
Himmiherrschaftsfirmament!
Zwoa Frauentürm und Hollerbüx!
Dees Nix da umanand is nix!«

So sprach der Herr und sah, dass nichts gut war. Nach dieser spektakulären Erkenntnis macht sich der Allesbewegende sogleich ans Werk. Natur­gemäß fängt alles damit an »wia d’ Welt auf d’ Welt kemma is«. Im Folgenden wird ein Blick auf das himmlische Interieur geworfen. Außerdem erfahren wir ­davon »wia der Adam sei’ Everl kriagt hat«. Weiterhin wird die erste Mordsgschicht neu aufgerollt und zweifelsfrei geklärt, »wia der Kain an Abel auf d’ Seiten graamt hat«. Im Verlauf der Historie wird zudem vom »Tanz um die goldene Sau« berichtet, über »das erste Sauwetter oder wia der Noah ­drüber weg gschwumma is« und natürlich über die sensationelle Erfindung des Biers. Alle Geheimnisse der Weltgeschichte werden offenbart. Und es versteht sich von selbst, dass sich dies ­alles, nirgendwo anders als in Bayern zugetragen hat, denn sonst wär’s ja keine »Baierische Weltgeschichte«.

Szenische Einrichtung: 
Knut Weber
Ausstattung: 
Luisa Rienmüller
Dramaturgie: 
Gabriele Rebholz
Premiere am ,
Studio im Herzogskasten
Dauer: 105 Minuten
Isabella Kreim, Kulturkanal – 14.04.2014
»Bsorgts eich Karten. D''Leit werdens meng.«

»Ois des erste riesen  Sauwetter vorbei war , haben  aus'm Wasser rausgschaugt: der Himalaya – und der Nockherberg. Und Noah  strandet mit seiner Arche aus Baam vom bayerischen Woid natürlich am Nockherberg, wo ihm Gott selbst beibringt, wia ma aus Gerstn und so komische Doldn a Probierl und die Erfahrung von am Fetzenrausch macht. Bereits in den 1920er Jahren hat der Maler, Eisenbahner und spätere Rundfunkmoderator Michl Ehbauer begonnen, das Alte Testament aus bayerischer Sicht und natürlich auf bayrisch zu erzählen. Mit einem wunderbaren Gespann, dem stimmgewaltigen und verschmitzten Peter Greif und dem  vielseitigen  Musiker und Sänger  Stefan Straubinger an vielen Instrumenten wie  Drehleier, Maultrommel, Bandoneon und als bayrischem Neandertaler hat Ingolstadts Theaterintendant Knut Weber diese  Baierische Weltgeschichte  als vergnügliche musikalisch-szenische Lesung ins Studio im Herzogskasten gebracht. Peter Greif kommt saugrantig auf die Bühne, knallt das Buach auf'n Tisch, nimmt sich an Riesenmaßkruag, stellt seim Musiker-Spezl an kloanen hi und trägt in der von Luisa Rienmüller kreierten  bayrischen Stub'n mit Keferlohersammlung, Hirschgweih und  ausgstopftem Oachkatzel  die Gschichten aus der Bibel an einem Wirtshaustisch vor. Und wenn Gott zu Adam oder Kain spricht, flackert die Hängelampe über dem Stammtisch gewaltig. Zuerst aber schiebt Peter Greif  die rotweiss-karierten Fenstervorhänge vor der Wand zurück und dahinter is: nix. Später dreht er einen Rollprospekt mit Illustrationen zu den jeweiligen Kapiteln der Baierischen Weltgeschichte, und die Drehleier quietscht dazu. Der Herrgott stellt sich an Wecker und macht sich ans Werk. Das Licht geht erstmal total aus, wenn der Herr Licht in der Finsternis macht. Er erschafft die Viecher und schließlich die Menschen, die sich an den Viechern ein Beispiel nehmen, sich gegenseitig zu massakrieren. Michl Ehbauer hat  auch a bisserl Weltkriegs-und Revolutionserfahrung des 20. Jahrhunderts in seine Schöpfungsgeschichte eingebaut, z. B. wenn der Lucifer im Himmel den Aufstand probt. Und Stefan Straubinger spielt leis dazu die Internationale. Natürlich liegt das Paradies im bayrischen Oberland, und der erste Mensch is a gstandner Bayer. Wia des ganga is, mit der Geburt der Eva aus der Rippe des Adam oder wia Adam und Eva gschamig worn san und sich in die Stauden  gschlagn habn,  hat durchaus originelle Züge einer humoristischen  Bibelexegese.  Wir erfahren, wia da Kain den Abel auf'd Seit'n graamt hat,  wia da Jackl durch seinen Traum von der Himmelsleiter, der Jackl-Loadda!,  auf die Idee kemma is, sein im Obergeschoss  eingesperrtes Madl mit einer Loadda zu b'sucha und so zum Begründer der Tradition des Fensterlns wurde  und wia sich der Bäckermeister Lot von der Figur seiner in Gomorrha zur Salzsäule erstarrten Frau zu seinem Verkaufshit, den Brezlstangerln hat inspirieren lassen. Und zwischendurch  verteilt der Peter Greif dann auch Breznstangerl und a Biar gratis ans Publikum - net nur bei da Première, sagt er. Knut Weber und sein Duo machen aus dem humoristischen, griabigen , aber auch a bisserl abgstandnen und selbstverständlich  frauenfeindlichen Text keine bieder  volkstümelnde  Gaudi.

Wie Stefan Straubinger mit seiner Drehleier und anderen Instrumenten mit herrlich schrägen Tönen die Geschichten akustisch illustriert und  kommentiert, oder Peter Greif und der Musiker sich stumme Rivalitätsduelle liefern, wie überhaupt die Lesung mit witzigen szenischen und  musikalischen Einfällen strukturiert und angereichert wird, gibt dem  Abend Charme und nimmt auch mal Ehbauers bajuwarischen Patriotismus subtil  auf die Schippe. Und der aus dem Chiemgau stammende Musiker Stefan Straubinger ist eine Entdeckung für Ingolstadt und auch als Sänger und Darsteller dem gstandenen Textgestalter Peter Greif ein ebenbürtiger Partner. Also ein pfundiger Abend, für hiesige und vielleicht sogar no mehr zum  Neischmecka für Zuagraoste. Die nächsäten Vorstlelungen der Baierischen Weltgeschichte im Studio des Stadttheaters Ingolstadt sind nächste Woche am Dienstag und Mittwoch und dann wieder im Mai. Bsorgts eich Karten. D'Leit werdens meng.«