Gedächtnis des Wassers

Ein Stück von Shelagh Stephenson

Deutsch von Patricia Reimann

Drei völlig unterschiedliche Frauen treffen aufeinander. Grund ist der Tod ihrer Mutter. Mary, Teresa und Catherine sind Schwestern, aber bis auf die Kindheit scheinen sie keine Gemeinsamkeiten zu haben. Teresa, die Älteste, ist auch die Verlässlichste. Bewaffnet mit ihrem Organizer geht sie alles praktisch und kontrolliert an. Sie kümmert sich bis zuletzt um die alzheimerkranke Mutter. ­Catherine, die Jüngste, ist gleichzeitig auch die Flippigste. Sie ist kaufsüchtig, drogensüchtig, hypochondrisch und egomanisch. Ständig drängt sie sich in den Mittelpunkt und wundert sich, wenn sie damit allen auf die Nerven geht. Mary ist die Klügste des Schwesterntrios. Sie hat das Elternhaus früh verlassen, um in der Stadt eine Karriere als Ärztin zu machen. Ehrgeizig arbeitet sie in einer Klinik als Neurologin und hat nebenbei eine Liaison mit einem verheirateten Kollegen, der seine kranke Frau nicht verlassen will. Doch auch die Beziehungen der anderen beiden Schwestern rücken ins Zentrum: Teresa, die in einer etablierten, aber langweiligen Ehe lebt, ist genauso frustriert wie Catherine, die verzweifelt auf den Anruf ihres neuesten Liebhabers wartet.


Im Haus der Mutter eingeschneit, brechen schon bald alte Konflikte wieder auf. Der Streit um wahre und falsche Kindheitserinnerungen beginnt: Wer hat damals die Hasch-Plätzchen gegessen? Wer wurde am Strand zurückgelassen? Wie starb die Katze wirklich? Catherine beharrt darauf, dass sie sich an alles erinnert, Teresa ist überzeugt, vor allem ihre Erinnerungen wären die richtigen, und Mary weiß wie immer alles besser: »Alle Erinnerungen sind falsch«.


Schnell wird klar, dass nicht nur die Erinnerungen, sondern das ganze Leben der Schwestern auf ­Lügen aufgebaut ist. Jede hat ihre eigenen Geheimnisse, jede versucht, den anderen ein glückliches Leben vorzuspielen. Doch letzten Endes bricht die Fassade zusammen und unter dem scheinbaren Glück kommt mehr als nur eine längst verdrängte Wahrheit zum Vorschein.

Im Jahr 2000 gewann »Gedächtnis des Wassers« den Olivier Award for Best Comedy.

Regie: 
Folke Braband
Bühne: 
Tom Presting
Kostüme: 
Polly Matthies
Dramaturgie: 
Sophie Scherer
Premiere am ,
Kleines Haus
Dauer: 120 Minuten, mit Pause
Landshuter Zeitung/Straubinger Tageblatt, Christian Muggenthaler – 27.03.2014
»...hoch komische Selbstfindungsszene...«

»(...) Regisseur Folke Braband hat in seinem ganz und gar naturalistischen Bühneninterieur diese Mutter-Tochter-Treffen mit einer nur leicht schrägen Musik-Slow-Motion angesetzt, ansonsten inszeniert er die Komödie
angemessen konventionell, ohne bieder zu sein. (...) Ingrid Cannonier ist die tote Mutter Vi, eine geschniegelte Queen Mom, die doch hinter aller ihr von den Töchtern zugedichteten Staffage eine eigene Persönlichkeit sein und bleiben will. Renate Knollmann und Eva Mannschott spielen als Mary und Teresa ihre um äußere Fassung ringende innere Schwäche schön aus. Eine Wucht ist Teresa Trauth als abgestürztes Familienhascherl Catherine, an der nie ein Mann kleben bleibt. So eine Art Sidekick in diesem Glucke-und-Küken- Spiel sind Richard Putzinger als soignierter Liebhaber Marys und Ulrich Kielhorn als Teresas scheinbar bis zur Bedeutungslosigkeit zurechtgeschurigelter Ehemann Frank, dem Stephenson dann aber eine wunderbare, hoch komische
Selbstfindungsszene gönnt.«

Neuburger Rundschau, Friedrich Kraft – 02.04.2014
»Vorzüglich agiert das Schauspieler-Ensemble...«

»Drei Schwestern (...) treffen im eingeschneiten Haus ihrer gestorbenen Mutter aufeinander, um aufzuräumen und die Bestattung vorzubereiten. Auf dieser Situation hat die britische Autorin Shelagh Stephenson (...) eine schwarze Komödie aufbereitet, die mit großen Erfolg Erfolg im Kleinen Haus des Stadttheaters Premiere hatte. (...) Übliche Beziehungsgeschichten, aber mit hintergründigem, bösem Humor erzählt. (...) Regisseur Folke Braband hat das gut gebaute Stück effektvoll eingerichtet. In Tom Prestings Bühne dominiert auf flachem Podium Mutters großes Bett, in dem sich die Hinterbliebenen tummeln, ohne zur Ruhe zu kommen. (...) Exzellent auch die Kostümausstattung (Polly Matthies). Vorzüglich agiert das Schauspieler-Ensemble (...) In zwei Stunden Theater vom Besten, ebenso unterhaltsam wie hintersinnig.«

Kulturkanal Ingolstadt, Isabella Kreim – 02.04.2014
»...spielerische Höchstform...«

»Regisseur Folke Braband (...) führt das Ensemble großartig in den reinsten Wahnsinn eines hysterischen Gelächters beim Anprobieren von Mutters antiquierten Kleidern, in rasanten verbalen Schlagabtausch oder furiose Gerangel im Ehebett oder am Sarg der toten Mutter, um immer wieder das komödiantische Rad anzuhalten und Raum zu lassen für das Aufbrechen von Trauer, Verzweiflung und Schmerz über das Zerbrechen der Beziehungen und Lebensentwürfe. Überdrehte Komik und ruhiger Ernst sind perfekt dosiert und ausgewogen, sodass weder Sentimentalität noch Albernheit aufkommen.

Und die sechs Darsteller laufen zu spielerischer Höchstform auf. Da ist die auch in ihren Heulanfällen herrlich überdrehte Teresa Trauth als extrovertierte Nervensäge Catherine, sowie die resolute, pragmatische Kämpferin von Eva Mannschott mit dem herrlichen Trotzbesäufnis einer Asketin und Renate Knollmann als vernunftgesteuert beherrschte Mary, deren Verdrängungen immer verzweifelter durchbrechen. Auch die beiden Männer, Richard Putzinger als feiger Softie und Frauenversteher und Ulrich Kielhorn als total überforderter Ehemann von Teresa haben ebenso komische wie berührende Momente. (...)

Begeisterter Applaus für diese großartige Aufführung, die auf witzige Weise familiäre Prägungen und unausgetragene Konflikte thematisiert wie sie so ähnlich wohl in jedem Familiengedächtnis gespeichert sind.«