Wie im Himmel

Stück von Kay Pollak

Deutsch von Jana Hallberg

Das Glück, den richtigen Ton zu finden. – Stardirigent Daniel Daréus wird international gefeiert. Er ist auf dem Höhepunkt seiner Karriere angekommen. Aber Daniel ist auf der Suche nach mehr: Er will die absolute musikalische Perfektion; das vollkommene Konzert. Sein Perfektionismus wird zur Besessenheit und um ihn herum wird es zusehends einsamer. Sein Ehrgeiz und sein Zynismus haben ihn abgestumpft für das einfachste menschliche Gefühl. Und dann schlägt das Schicksal zu: Auf einer Welttournee erleidet er eine schwere Herzattacke und ist gezwungen, sich zurückzuziehen.

Er kehrt in sein Heimatdorf zurück. Vom örtlichen Chorleiter wird Daniel gebeten, den Kirchenchor zu leiten. Zögernd nimmt er das Angebot an. Seine unkonventionellen Arbeitsmethoden stellen alsbald das ganze Dorf vor eine große Herausforderung. Disziplinlosigkeit, Eifersüchteleien und Intrigen gilt es zu überwinden. Doch plötzlich öffnen sich neue Perspektiven: Mit der Aufgabe, den richtigen Ton zu finden, stellt sich für die Chormitglieder auch die Frage: Wer bin ich und wie möchte ich leben?
Aber die Arbeit im Chor schweißt nicht nur zusammen, sondern polarisiert die Dorfbewohner, die sich in glühende Verehrer und wütende Feinde ­teilen. Der Dirigent wird zum Katalysator für verloren geglaubte Sehnsüchte, Träume und Leidenschaften, aber auch für verdrängte Verletzungen und Konflikte. Daniel trifft auf Gewalt, Missgunst und Bigotterie.

Doch allmählich werden die Chormitglieder selbstbewusster und mutiger. Sie nehmen sich das Recht, ihr Leben spüren zu wollen und sich aus verlogenen Lebensentwürfen zu befreien. Und auch Daniel ­erfährt, dass Musik gebrochene Herzen heilen kann und das grenzenlose Glück, das in dieser wieder gefundenen Freiheit liegt.

»Wie im Himmel« ist eine tief bewegende, humorvolle, zarte und leidenschaftliche Geschichte über die Kraft der Musik, die Suche nach dem Glück, über den Triumph der Lebensfreude und es ist ein Stück über das schönste aller Gefühle: die Liebe.

Regie und musikalische Leitung: 
Tobias Hofmann
Bühne: 
Steven Koop
Dramaturgie: 
Sophie Scherer
Premiere am ,
Großes Haus
Dauer: 150 Minuten, mit Pause
Dr. Isabella Kreim, Kulturkanal – 03.02.2014
»...überwältigenden Macht der Chor-Musik...«

»Die Reaktion des Premierenpublikums ist der Beweis für die im Film ›Wie im Himmel‹ und nun auf der Ingolstädter Theaterbühne behauptete überwältigenden Macht der Chor-Musik.  Am Ende von Gabriellas Song, gesungen von einem 80köpfigen Chor aus Ensemble, Projektchor und Großem Chor Ingolstädter Sänger, mit der wunderbaren Renate Knollmann als Solistin, springen die Zuschauer von  den Sitzen und applaudieren minutenlang im Stehen. Und nicht einmal Tobias Hofmann, der Musikalische Leiter und  Regisseur der Aufführung, war auf eine solche Begeisterung und die Zugabe-Rufe des Publikums vorbereitet. Aber es half nichts. Das Mikrofon musste noch einmal auf die Bühne gebracht und der in seinen Steigerungen zu Herzen gehende Song des schwedischen  Filmkomponisten Stefan Nilsson musste einfach wiederholt werden!

Bereits der Film ›Wie im Himmel‹ aus dem Jahr 2004 von Kay Pollak erreichte ein Millionenpublikum, und zumindest Nominierungen für den Oscar. Dies ist erstaunlich, denn eigentlich ist die rührselige Geschichte vom Star-Dirigenten Daniel Dareus, der nach einem Burnout und Herzanfall in sein schwedisches Heimatdorf zurückkehrt und mit dem dortigen Kirchenchor der Dorfbewohner die wahre, echte Musik findet, ziemlich unzeitgemäß und ein Stoff wie aus einem österreichischen Heimatfilm der 1950er Jahre, (...). Neben dem  aus meiner Sicht doch reichlich verkitschten Künstlerschicksal wird vor allem eines erzählt: Die Musik, das Singen in Gemeinschaft  verändert die Menschen. Auf der Suche nach dem richtigen, ihrem eigenen Ton, finden die Dorfbewohner sich selbst. (...)

 

Regisseur Tobias Hofmann hat die kalkulierte Emotionalität des Films entschlackt. So gibt es keine Engelsbilder mit Lena. Auch der Schluss ist glücklicherweise nicht ganz so tränendrüsentreibend wie im Film – und emotionalisiert dennoch im Vertrauen auf die Kraft des Schluss-Chores.

 

Die filmische Erzählweise wechselnder Schauplätze ist geschickt durch fließende Übergänge auf die weitgehend leere Bühne gebracht. Eine blaue Opera-Folie im Hintergrund lässt schwedische Weite und natürlich den Himmel assoziieren(...) In den wenigen, klug gesetzten Bühnenelementen von Steven Koop lassen sich Radfahren und Chorprobe, Ehedialog und Chorwettbewerb in Wien zügig erzählen.

 

Die Schauspieler sind wie ein gutes Musikensemble geführt. Jeder bekommt sein Solo, ohne sich den Gesamtklang störend in den Vordergrund zu spielen.

Auch Peter Reisser, ein Schauspieler mit fundierten musikalischen Fähigkeiten, spielt als Daniel in erster Linie die Kaputtheit dieser Figur, sein Zögern, seine Überforderung, geradezu tragikomisch in seinen kommunikativen Defiziten, und er lässt das Charisma  eines missionarischen Musikers nur hie und da aufblitzen. So schlecht ihr Ruf unter den Dorfbewohnern auch sein mag: Julia Marondes Lena strahlt die klare Reinheit einer nordischen Dorfschönheit aus, und zudem eine große Sanftmut, mit der sie ihre Liebesenttäuschungen bewältigt und darauf wartet, dass Daniel endlich das Herz und ein Licht aufgeht.

Und auch die besondere Methode des Chorleiters, die  längst Allgemeingut in der Chorpädagogik ist, wird glücklicherweise durchaus mit komischen Akzenten umgesetzt. Wenn alle sich zu therapeutischen  Körperlockerungen auf den Bauch klopfen und schließlich auf den Boden legen, mit dem Kopf auf dem Bauch des anderen, und vor allem als wunderbarem Kissen auf dem massiv ausgestopften Fatsuit von Thomas Schrimm, ist das sogar ziemlich lustig.

Die Sanftheit, mit der Thomas Schrimm ansetzt, bevor seine Verzweiflung über seine jahrelange Demütigung aus ihm herausbricht, ist eine der wunderbaren Soli dieses Abends. Und auch Jan Gebauers geschwätziger Arne, der den Chor mit Enthusiasmus pushen möchte, ist hinter der polternden Fassade eine zart liebenswerte Figur. Den Strindbergschen Sexualmoral-Clinch des Pastorenehepaars spielen Stefan Viering und Petra Welteroth mit dramatischen Akzenten. Karlheinz Habelt ist wie immer eine rührende Figur, Eva Behrmann profiliert ihre Florence mit ihrem resoluten Kirchenaustritt und ihrer stillen Vorfreude auf die Wienreise. Olivia Wendt spielt herrlich verkniffen die Ex-Chorleiterin und intrigante Pfarrgemeinde-Zicke sowie eine mondäne Managerin. Peter Polgar ist ein aggressiver Ehemann, dem man natürlich auch ein Insichgehen, eine Abkehr von seiner Gewaltbereitschaft zutraut. Enrico Spohn macht den behinderten Jungen Tore mit spastisch verkrampften Händen zu einem grandiosen Hingucker im Chorensemble. Und natürlich überragend, wie Renate Knollmann zum ersten Mal Gabriellas Song anstimmt.

 

Die Premiere von ›Wie im Himmel‹ war jedenfalls ein rauschender Erfolg. Theater fürs Herz. Und wem das zu simpel ist: Im März gibt es Elfriede Jelineks ›In den Alpen‹ (...).«

Julia Bellinghausen, IZ – 05.02.2014
»...frenetischem Beifall und Jubel...«

»Wie im Himmel der Theaterkunst fühlten sich die Gäste vergangenen Samstag bei der Premiere des neuen Stücks ›Wie im Himmel‹ im Stadttheater Ingolstadt. Mit frenetischem Beifall und Jubel bedachte das Publikum die Leistung der Schauspieler und die Stimmgewalt des Chores. Kein Wunder, denn das Stück von Kay Pollak ist eine tief bewegende, humorvolle, zarte und leidenschaftliche Geschichte über die Kraft der Musik, die Suche nach dem Glück, über den Triumph der Lebensfreude und die Liebe: (...)«