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Meine gottverlassene Aufdringlichkeit - Pressestimmen

Christian Muggenthaler, www.christian-muggenthaler.de – 03.12.2012
»...das Leid des Alleinseins...«
»Die Eroberung des Ingolstädter Stadtraums durch das dortige Theater schreitet fort. Am Samstagabend war es eine Wohnung in der Innenstadt, die zum Spielort wurde: In der Regie von Donald Berkenhoff sprach dort Denise Matthey den Monolog ›Meine gottverlassene Aufdringlichkeit‹ von Christoph Nußbaumeder. Dergestalt entstand ein auf einer Bühne niemals herzustellender intimer Einblick in das Wohnweh einer rund 30-jährigen Frau, die dermaßen an Einsamkeit leidet, dass ihr Schmerz an Tapeten und spärlichem Mobiliar klebt. Das Premierenpublikum saß in einer Unwohlfühlzelle handelsüblichen Alleinseins inmitten dichtbevölkerten Wohnumfelds: Draußen hörte man die wirkliche Welt, einen bellfreudigen Hund und wegfahrende Lachleute, drinnen wurde die Theaterszenerie immer wirklicher, Matthey eine der vielen, die da stadtauf stadtab an Vereinzelung und innerer Zersiedelung leiden. In Nußbaumeders nah an die Realität gestelltem Ein-Personen-Stück geht es um eine junge Dame, die Kunstwissenschaften studiert hat und jetzt beauftragt ist, für ein Auktionshaus zu versteigernde Gemälde anzupreisen. Wofür das alles? Draußen spuken das wirkliche Leben, die tatsächliche Kunst, echte Männer, drinnen wird die Frau zum rotweinschlürfenden Geist, der nur noch mit erfundenen, imaginierten Gegenübern kommunizieren kann, dem polternden Künstler von oben, dem toten Maler aus dem Fachbuch. Klingelt der Nachbar von oben dann wirklich, ist sie unten längst zu besoffen, um in andere Gefühle als Panik zu verfallen. Der Theaterabend entschlüsselt das Leid des Alleinseins exakt, das irgendwann so unüberwindbar wird wie der Badewannenrand für einen Krabbelkäfer. Der Text des gebürtigen Eggenfeldeners und jetzigen Berliners Nußbaumeder ist so unspektakulär wie irgend möglich und wartet doch mit blitzlichtartigen Alltagserkenntnissen auf. Etwa, dass es im Leben eines modernen Menschen eigentlich keine Zeit mehr gibt zwischen jung und alt. Oder dass, wer es allen recht machen will, sich selbst nicht gut tut. Denise Matthey lässt die Fremde, Namenlose, eindringlich durch sich dringen, und nachher geht das Publikum hinaus in die Ingolstädter Nacht, froh, beieinander gesessen zu sein.«
Isabella Kreim, Kulturkanal – 03.12.2012
»Wunderbar inszeniert und gespielt ...«
»Chefdramaturg und Regisseur Donald Berkenhoff hat den neuesten Theater-Monolog Nußbaumeders mit dem etwas sperrigen Titel ›Meine gottverlassene Aufdringlichkeit‹ mit Denise Matthey als Figur einer schlecht bezahlten, frustrierten und vereinsamten jungen Kunsthistorikerin spontan zusätzlich auf den Spielplan gesetzt und inszeniert. [...] Einen interessanten Theaterabend haben Regisseur Donald Berkenhoff und Darstellerin Denise Matthey auf jeden Fall - nicht auf die Bühne, sondern in eine leerstehende Wohnung in der Donaustraße gebracht. Die bis 2008 bewohnte Wohnung der Familie Peters war Ende der 1950er Jahre sicher der letzte Schrei an bürgerlicher Wohnkultur. Eine großgemusterte Blumen-Papageien-Tapete im Wohnraum, grau und golden gestrichene Schmiedeeisen-Ornamente unter dem Rundbogen-Mauerdurchbruch. Der ungewöhnliche Spielort macht die Zuschauer zu Voyeuren auf der Einsamkeitsinsel der Protagonistin. Wir sind mitten in der Altbauwohnung der jungen Frau, sitzen ihrer Schreibtischplatte gegenüber - und frieren sogar genau so wie sie, die vergeblich gegen die nicht mehr funktionierende Heizung unter den großen Fenstern tritt. Wunderbar inszeniert und gespielt ist der Einstieg in den Monolog. Mehrmals schlurft Denise Matthey aus dem angrenzenden Raum an ihren Schreibtisch, schreibt post-it-Zettel, klebt sie an die Wand, besorgt sich Taschentücher, holt eine Thermoskanne, räumt mal etwas weg, blättert in den aufgeschlagenen Kunstkatalog auf ihrem Schreibtisch, schreibt so etwas wie die Überschrift an ihrem PC, murmelt unverständliches vor sich hin: typische Arbeitsbeginn-Vermeidungsstrategien, sehr privat gespielt. Auf dem Boden liegen ein Pizza-Karton, zerknülltes Papier, Spuren lustlosen Arbeitens und des alleine Lebens. Anders als bei der Uraufführung in Berlin, einer inszenierten Gesprächs-Runden-Situation, wendet sich die junge Frau an keine Zuhörer. Ein Selbstgespräch also. [...] Aus der Wohnung darüber hört man immer wieder Schritte. Ein Maler wohnt da. Sie hat zwar seinen Namen vergessen, ist aber in ihn verliebt, startet schnell einen Entmüllungs- und Staubsauge-Versuch, falls er doch klingelt, um sie zur Party abzuholen. Sie gibt in komisch rheinischem Dialekt die selbstzufriedenen Lebensweisheiten ihrer Oma zum Besten und erinnert sich an die demotivierenden Auseinandersetzungen mit ihrem Vater. […] Eindrucksvoll, wie Donald Berkenhoff und Denise Matthey den Monolog strukturiert und gestaltet haben, vom quasi privaten vor sich hinwursteln zu einem zumindest theatralischen Aufbruch.«
Peter Skodawessely, Augsburger Allgemeine – 04.12.2012
»Bravo!«
»›Ich will einfach nur leben, ein wenig glücklich sein.‹ Das ›einfach‹ ist es, was die junge Frau möchte, die da in ihrem Arbeitszimmer sitzt und am Computer über den Texten zu einem Auktionskatalog brütet. Die Premierenbesucher hörten ihr und ihren Gedankengängen am Samstagabend in einer großen Wohnung in der Ingolstädter Donaustraße gebannt zu. ›Meine gottverlassene Aufdringlichkeit‹, verfasst von Christoph Nußbaumeder, in diesem September erst in Berlin uraufgeführt, wurde jetzt vor 40 Zuschauern – mehr Platz war nicht in dem Wohnzimmer – von Donald Berkenhoff in Szene gesetzt. Und gerade diese Enge, diese Nähe zu der Stückprotagonistin machten diesen 70-Minuten-Monolog so faszinierend. Und natürlich vor allem Denise Matthey: Sie verkörperte, stellenweise nicht ohne Witz, diese Anfangsdreißigerin […] mit all deren Sehnsüchten, Träumen, Zweifeln und Widersprüchlichkeiten. Bravo!«
Sabine Roelen, intv – 03.01.2013
»...realitätsnah, sensibel und berührend.«
»›Meine gottverlassene Aufdringlichkeit‹ – so heißt das jüngste Stück von Christoph Nußbaumeder. Donald Berkenhoff inszenierte den Monolog. Und Denise Matthey spielt überzeugend die gebildete, aber einkommensschwache Frau mit den vielen Selbstzweifeln. (...) Sie will einfach nur leben und ein bisschen glücklich sein. Aber ohne Liebe, ohne entsprechende Entlohnung, ohne Perspektive – das macht traurig und wütend. ›Meine gottverlassene Aufdringlichkeit‹ ist ein starkes Porträt einer Geisteswissenschaftlerin – realitätsnah, sensibel und berührend. Die Produktion passt perfekt in die ehemalige Wohnung der Familie Peters mit ihrem verblichenen Charme der 50er- und 60er Jahre.(...)«