Schlaflos in Ingolstadt

Von Erz-, Schutz- und anderen Engeln

Eine szenisch-musikalische Luftbespielung

Was tun in Ingolstadt, wenn die letzte Kneipe, das Theater, die Kinos geschlossen haben? Was tun, wenn Einsamkeit sich ins Herz schleicht? Oder Sehnsucht. Oder schwarze Gedanken. Oder Langeweile. Wenn man Trost sucht oder ein Lachen? Oder mit Freunden zusammensein möchte?
Man könnte sich zum Beispiel auf eine Reise begeben. Auf die Dächer von Ingolstadt. Seltsamen Wanderern und Flügelwesen begegnen, Helfern und Begleitern durch die Nacht. Oder war das jetzt doch nur der Sanka? Oder die Polizei? Und was sind das für berückende Töne und bezaubernde Musik? Dramatische Szenen zwischen Himmel und Erde!

Folgen Sie uns auf eine Reise durch die Ingolstädter Nacht. Die Fahrt beginnt vor dem Theater. Und dort endet sie. Was dazwischen geschieht, werden wir erfahren.
Das Sugarcane-Orchestra unter der Leitung von Ariel Zuckermann wird Sie auf der Reise begleiten! Der Abend findet nur einmal statt und die Reiseplätze sind limitiert.
Schlaflose Kulturgenießer buchen am besten schnell.
Bitte festes Schuhwerk anziehen und den Personalausweis nicht vergessen. Schwindelfreiheit wäre kein Fehler. (Es sind ca. 160 Stufen zu überwinden.)

Mit: Ariel Zuckermann, dem Sugarcane-Orchestra, Berit Barfred Jensen, Christina Niessen (Sopran), Tamara Gura (Mezzosopran), Tobi Hofmann & Friends, Ensemble, Statisterie und
Jugendclubs des Stadttheaters


Treffpunkt: Theaterkasse
Eintritt 45.- Euro / 30.- Euro (ermäßigt)

Musikalische Leitung: 
Tobias Hofmann
Regie: 
Knut Weber
Dramaturgie: 
Gabriele Rebholz
Regie: 
Donald Berkenhoff
Musikalische Leitung: 
Nina Wurman
Dramaturgie: 
Sophie Scherer
Musikalische Leitung: 
Ariel Zuckermann
Dramaturgie: 
Knut Weber
Bühnenbild/Requisite: 
Beate Gölzner
Kostüme: 
Charlotte Labenz
Premiere am ,
Down-Town
Christian Muggenthaler, Landshuter Zeitung/Straubinger Tagblatt – 11.10.2012
»Wie machen die das bloß?«
»Über die gesamte Stadt breiteten sich die Theaterleute aus, bespielten unter dem Titel »Schlaflos in Ingolstadt« in Form einer breit angelegten nächtlichen Theaterperformance Straßenzüge, Hochhausdächer, Parkhäuser und Donauufer. In allerlei Gebäuden wurden die Passagiere von Spielszene zu Spielszene geführt, kulminierend in einem Barock-Konzert des Sugarcane-Orchestras unter Leitung von Ariel Zuckermann auf der Audi-Dachterrasse, während im Hintergrund ein großer Holz-Engel in lichterlohem Feuer-Gepränge stand. Dutzende von Mitarbeitern organisierten im Hintergrund hektisch den Ablauf von Szenenwechseln und Busfahrten, alles á la minute, und als nach mehreren Stunden Engelserscheinungen die Busse am Klenzepark zum großen Finale auf der Donaubühne gegenüber dem Haupthaus die Reisenden ausspuckte, waren die von diesem logistischen Riesenaufwand zum Saisonbeginn mehr als beeindruckt. Und baff: Wie machen die das bloß? [...] Das Stadttheater Ingolstadt ist derzeit der Shooting Star unter den bayerischen Bühnen – Staatstheater mit Ausnahme Nürnbergs inklusive. Stillstand? Erst mal gar nicht.«
Peter Skodawessely, Augsburger Allgemeine – 05.10.2012
»...ergreifend schön...«
»Mit einem einmaligen Abend ist Intendant Knut Weber in seine zweite Spielzeit in Ingolstadt gestartet: »Schlaflos in Ingolstadt« war die Überschrift der Eröffnung und das knapp fünfstündige aufwendige Spektakel wurde auch nur ein einziges Mal zur Aufführung gebracht. Mit sechs Bussen wurden die 300 »Reiseteilnehmer« kreuz und quer durch Ingolstadt gefahren, mussten dabei unterwegs auch auf sieben und auf neunstöckige Hochhäuser steigen, stets begleitet von Ensemblemitgliedern des Stadttheaters, die als Engel verkleidet waren. Denn um die und alle ihre Formen, Darstellungen und Verkleidungen ging es an diesem einfallsreichen und stellenweise poetisch-magischen Abend. Einer der Höhepunkte dabei war ein halbstündiges Klassik-Konzert auf dem Dach des Audi-Aggregate-Centers, mitten im Werksgelände des Automobilbauers: Eingeleitet von Rilkes »Engelsliedern« interpretierten die schwedische Sopranistin Therese Wincent und die amerikanische Mezzosopranistin Tamara Gura unter der Leitung des weit über Deutschland hinaus bekannten Ariel Zuckermann, ergreifend schön das mittelalterliche Gedicht »Stabat mater« in einer von Giovanni Battista Pergolesi 1736 komponierten Version. Die spannende, mit vielen Gags und Überraschungen gespickte Tour endete an der Donaubühne. Dies war dann der Ausklang eines Abends, der – ein großes Wort, aber dennoch zutreffend – unvergesslich bleiben wird. Gewagte Mischung aus Musik und Texten Intendant Knut Weber und seinem Team – Donald Berkenhoff, Hannah Lau, Rainer Steinhilper und Jochen Reichler sowie Tobias Hofmann und Nina Wurman (Musik), um nur einige aufzulisten – ist es nämlich gelungen, mit einem künstlerischen und organisatorischen Kraftakt und vor allem mit ihrer gewagt-eigenwilligen Mischung aus Musik, Texten (unter anderem von J. W. Goethe, Bertolt Brecht, Franz Werfel sowie Karl Valentin) und visuellen Darstellungen entlang der Reisestrecke, Ingolstadt in einem ganz anderen, ganz neuen Licht zu zeigen. Und auch Engel – oder was immer man darunter verstehen mag – faszinierend und verblüffend zugleich sicht- und hörbar zu machen.«
Isabella Kreim, Kulturkanal – 01.10.2012
»Reality-Theater«
»Der Engel mit der Posaune auf der Theater-Terrasse kämpft gegen den Bühnen- Wolken-Nebel. Ein schönes Bild. [...] Der teuflische Moderator und der Posauenenengel mit den gefiderten Flügeln setzen sich aufs Motorrad und brausen über den Theaterplarkplatz davon. Unser Reise-Engel ist Nik Neureiter als Tiroler Bauernbub mit knorrigem Spazierstecken. Stumm geht er durch den Bus, klebt mir einen Aziehbild-Engel auf den Mantel. Sphärenmusik dringt durch die Lautsprecher. Ein Text. Wie Karl Valentin sich das Jenseits vorstellt und sich fragt, woher die Engel kommen. Ob sie wirklich alle nackig sind, auch wenn sie das Amorettenalter überschritten haben. Und auch die männlichen Engel? Besichtigung Nordbahnhof. In der Wartehalle steht Desine Mathey im Astronautenanzug auf einer Bank, 2 Gestalten mit rotem und schwarzem Umhang sitzen abgewandt zu ihren Füßen, werden sich erst später als immaterielle Wesen neben sie stellen. Aus dem offenen Friseursalon dringt penetrant der Sound eines Haartrockners. Die Zeitreisende aus Franz Werfels Roman »Stern der Ungeborenen« versucht im Universum der Zukunft mit den wissenschaftl-technischen Erkenntnissen des 20. Jahhrunderts die Präsenz der Astralleib-Gestalten zu klären. Wir wandern weiter, durch den Nordbahnhof hindurch, von Engelslyrik beschallt, zum Rösshaus. Was denken die Normalreisenden von uns oder von diesem gefallenen Penner-Engel, der da vor seinen Flaschen hockt? In einem Baum hängt, von einer drapierten Stoffwolke bekrönt, eine Engelsgestalt, blickt uns starr an. [...] Die holzbohlenbelegte Dachterasse mit dem Blick auf die Lichtskultpur der Raffinerie, den Bahnhof und die ganze Stadt ist sicher auch für Grillpartys geeignet. Jetzt warten wir auf den Herrn aus dem Prolog im Himmel aus Goethes »Faust«. Er sitzt auf dem Dach über uns. [...] Irdische Nachrichten hat Dramturg Donald Berkenhoff Goethes Mephisto untergeschoben. Es geht zurück zum Nordbahnhof, ins Parkhaus [...] Es gibt Rilke -Texte auf kahle Wände proijeziert zur geistigen Wegzehrung. Oben Strandleben bei Mondschein. Menschen in Schlafanzügen und Morgenmänteln dösen auf der Couch und in Liegestühlen. Eine Band mit Tobias Hofmann, dem musikalischen Leiter des Theaters, spielt. [...] Die Sky-Bar bietet Drinks an. Der Vollmond scheint in unserem Rücken. So stehen wir und hören zu. Nachtsongs - musikalischer Hochgenuss. Zurück in den Bus. Wärme. Wir fahren zu Audi. Stop and Go-Verkehr. Oh ein Unfall! Krankenwagen, Sanitäter in ihren orangenen Leuchtjacken bemühen sich um Verletzte. Reality-Theater. [...] Ein weisser Schutzengel steht in der Unfall-Szene: Organisatorische Gesamtleitung des Abends Rainer Steinhilper. »Wir bedanken uns für die Unterstützung bei BRK Ingolstadt und Kehrlheim und der Polizeidirektion Ingolstadt.« Auf der anderen Straßenseite ein gelber Engel vom ADAC. Wir fahren durch das Audi-Werk. Eine gigantische Stadt in der Sadt. Ein nächtliches Metropolis. Ein großer Engel beschützt das Gelände – nur heute Nacht. Wir steigen der Technischen Entwicklung aufs Dach. Uns erwarten – wie bei einem Empfang – freundliche Damen mit Tabletts mit Sektgläsern. Neben den üblichen weissen Stehtischen liegen gestapelt und verschnürt 300 Decken. Es ist sinnvoll, eine zu nehmen. Auf der riesigen, holzbelegten Terrasse sind Stühle aufgestellt. Ein Konzert erwartet uns. Zunächst noch Engel-Gedichte von Rainer Maria Rilke. Dann betreten die Musiker das kleine Podium. [...] Das Sugarcane-Orchestra des Ariel Zuckermann [...] - und zwei Sängerinnen, deren Stimmen wunderbar harmonieren. Pergolesis »Stabat mater«. [...] Auf der Donaubühne nocheinmal Texte, Songs. Der Engel der Geschichte von Walter Benjamin. Ein Schiff der Schanzer Fischerstecher fährt vorbei, Acheron, der den Styx, den Eingang zur Unterwelt, entlang patroulliert. Inzwischen wartet der Posaunenengel auf dem Fußgängersteg. Es ist fast Mitternacht.«