Cyrano de Bergerac

Romantische Komödie in fünf Aufzügen von Edmond Rostand

Bei schlechtem Wetter wird vor Ort entschieden, ob die Vorstellung stattfindet.

1640. – Cyrano de Bergerac, exzentrischer Degenheld und Dichter, der mit Florett wie Worten gleichermaßen formvollendet zu fechten versteht, hat sich in seine schöne Cousine Roxane verliebt. Zwar wäre es für ihn ein Leichtes, die Dame mit seiner galanten Dichtung zu verführen, doch fürchtet er von ihr – wie von allen Frauen – wegen seiner großen Nase, durch die er sich entstellt fühlt, zurückgewiesen zu werden.

Auch Christian de Neuvillette, den die Natur zwar mit blendender Schönheit, nicht jedoch mit sonderlich großen Geistesgaben beschenkt hat, ist in die schöne Roxane verliebt. Ihm jedoch fehlen buchstäblich die Worte, um sich ihr zu erklären.

Von Selbstzweifeln gequält bietet Cyrano dem Konkurrenten letztendlich an, ihm im Werben um die Angebetete seine Stimme zu leihen. Sofort erliegt Roxane dem Charme von Cyranos Worten, ohne zu bemerken, dass sie sich – von Christians Schönheit geblendet – eigentlich in die Poesie des Dichters verliebt hat. Dieser verbirgt Zeit seines Lebens seine wahren Gefühle vor ihr…

 

Als sein Versdrama »Cyrano de Bergerac« im Jahre 1897 zur Uraufführung kam, glaubte Edmond Rostand selbst nicht an den Erfolg des Stückes. Das historische Vorbild seiner Titelfigur, der Dichter und Degenfechter, politische Freigeist, Autor utopischer Romane und glänzende Gesellschaftskritiker Savinien Cyrano de Bergerac (1619–1655) war nahezu dem Vergessen anheimgefallen, die zeitgenössische Literatur bevorzugte modernere Themen und doch wurde das Stück zu einem der größten Erfolge in Frankreichs Theatergeschichte, der bald seinen Widerhall in anderen Künsten wie Oper und Film fand. Einzigartig ist die Verbindung von Witz und tiefem Empfinden, Romantik und spielerischer Leichtigkeit, die sich in diesem Werk vereinen. Der Name des Dichters, der sein tief fühlendes und überaus verletzbares Inneres vor der Gesellschaft durch eine Maske beißenden Spotts schützt und trotz seines makelhaften Äußeren der leeren Schönheit seines Konkurrenten haushoch überlegen ist, wurde durch diese »romantische Komödie« unsterblich.

Regie: 
Siegfried Bühr
Bühne: 
Siegfried Bühr
Bühne: 
Steven Koop
Musikalische Leitung: 
Tobias Hofmann
Dramaturgie: 
Gabriele Rebholz
Premiere am ,
Freilichtbühne im Turm Baur
stattZEITUNG.in
»Ein perfekter Theaterabend, selbst Petrus spielte mit«

Ein perfekter Theaterabend, selbst Petrus spielte mit: "Cyrano de Bergerac" im Turm Baur.  Ausverkauft war die Premiere im Turm Baur: "Cyrano de Bergerac"

 

Schon vor Beginn der Vorstellung wurde das Publikum auf das eingestimmt, was es in Edmond Rostands Versdrama "Cyrano de Bergerac" zur Genüge vorgeführt bekommen sollte: Facetten der Liebe.

 

Da konnte für einen Taler der Busen einer Schönheit begrapscht werden, ein Angebot, das nicht ernst gemeint war, aber zu frühreren Zeiten der sexuellen Revolution als reale Form des "Begreifens" durch die Medien geisterte. Und dann präsentierte eine Schöne freche Balladen über die Liebe, insbesondere in der außerehelichen Form, unterstützt durch eindeutig zweitdeutige Schattenspiele.

 

Und dann der erste Akt: Im Rücken der Zuschauertribüne mischten sich Schauspieler und Zuschauer im Stehen. Nach diesem Auftakt ging es dann mit "normaler Sitzordnung" weiter.

 

Ein brillanter Richard Putzinger, der beim Schlussapplaus mit Bravorufen überschüttet wurde, spielte den Titelhelden in einer insgesamt überzeugenden und mit viel Beifall aufgenommenen Inszenierung von Siegfried Bühr.

Peter Skodavessely, Augsburger Allgemeine
»Freilicht für die Liebe«

»Nachdem vor genau zwölf Monaten an gleicher Stelle Regisseur Siegfried Bühr mit ›Das Mädchen aus der Feenwelt oder Der Bauer als Millionär‹ sowohl beim Publikum als auch bei den Kritikern bestens angekommen war, lag es nahe, ihn auch in diesem Jahr die Inszenierung der Saison abschließenden Freilichtproduktion zu übertragen. Und Bühr enttäuschte nicht. Zumindest zunächst. Ebenso überraschend wie einfallsreich seine Idee, die halbstündige Einstimmung darauf um und inmitten der auf den Zugang zu den Zuschauertribünen wartenden Abendbesuchern spielen zu lassen. Das war fulminant, das hatte Leben, das führte passend und witzig ein in die höfische Welt in Frankreich in der Zeit um 1640, in der Edmond Rostands (1868-1918) ›romantische Komödie‹ spielt.

 

Danach aber verflachte Bührs Inszenierung etwas, verkam zum lediglich noch ordentlichen Allerwelts-Freilicht-Spektakel. Die Poesie und der Zauber von Rostands bzw. Cyranos Verse verflüchtigten sich im großen Halbrund der Spielstätte in der vor 170 Jahren erbauten klassizistischen Festungsanlage Turm Baur nahe der Donau. Das war schade, denn gerade das ist es ja, was die Magie dieses Werks seit seiner Uraufführung 1897 in Paris so auszeichnet.

Ähnlich verhielt es sich auch mit der romantischen Komponente des Stücks: Sie wurde zu sehr überlagert von den ›Nur-Schau-Elementen‹ der Aufführung, die die Geschichte des wegen seiner unförmigen Nase verspotteten Pariser Poeten, Philosophen und Fechtkünstlers Cyrano erzählt. Er kann Roxane, die Auserwählte seines Herzens, nicht für sich gewinnen und tröstet sich damit, für seinen Rivalen Christian – einem hirnlosen Beau – herzbewegende Liebesbriefe zu verfassen…

 

Dass der dreistündige Abend dennoch nicht enttäuschte, lag am wirkungsvoll agierenden Ensemble des Stadttheaters. Und da in erster Linie an Hauptakteur Richard Putzinger: Sein ebenso wortgewaltiger wie kampfbereiter Cyrano war darstellerisch wie sprachlich einfach brillant! Nicht minder überzeugend ihm zur Seite Patricia Cordiun als Roxane und Enrico Spohn als Christian.«

Sabine Roelen, BLICKPUNKT
»Wenn Männer zu sehr lieben«

»Ein Tanzbär an der Kette, eine Stelzenläuferin, ein chinesischer Zauberer, Musikanten, Edelleute in farbenprächtigen Kostümen und kreativen Perücken tummeln sich im Innenhof des Turm Baur. Auch das Publikum darf am Jahrmarktstreiben hautnah teilnehmen: Stehend, mitten unter dem fahrenden Volk, unter Musketieren und Kadetten. Das ist der Auftakt der Romantischen Komödie ›Cyrano de Bergerac‹, die am Samstagabend Premiere hat.   

 

Mit Edmond Rostands Versdrama ›Cyrano de Bergerac‹ beweist Siegfried Bühr den richtigen Riecher für die Freilicht-Produktion des Stadttheaters Ingolstadt. 20 Schauspieler, 15 Statisten und fünf Musiker setzt der Regisseur für seinen Spagat eines leichten Sommertheaters mit Tiefgang ein. Der besondere Clou im Turm Baur: Die Zuschauertribüne steht in der Mitte des Innenhofs, so dass sich zwei Spielflächen ergeben: Hinter der Tribüne (für den ersten Akt) und vor der Zuschauertribüne (für die weiteren vier Akte). Die beiden Bühnen geben Raum für eine berührende Geschichte Mitte des 17. Jahrhunderts: Cyrano de Bergerac (Richard Putzinger) leidet unter seinem ›Nasenungetüm‹. ›Oft quält’s mich unermesslich, dass ich so wüst bin‹, sagt der exzellente Fechter und Dichter. Der eloquente Cyrano hat sich in die schöne Roxane (Patricia Coridun) verliebt. Aus Angst vor einem Korb verheimlicht Cyrano ihr jedoch seine Gefühle. Roxane wiederum hat den gutaussehenden, aber einfach strukturierten Christian von Neuvillette (Enrico Spohn) als Liebsten auserkoren. Cyrano unterstützt Christian und verfasst für ihn vollendete Gedichte und Liebesbriefe. Und nicht nur das: In einer köstlichen Balkonszene übernimmt Cyrano sogar Christians Part und entzückt Roxane live mit seiner Poesie. Den Belohnungskuss holt sich jedoch Christian ab – das Verwirrspiel nimmt an Fahrt auf. Die Tragik auch: ›Auf seinen Lippen küsst sie meine Worte.‹, stellt Cyrano fest.       

 

100 Perücken im Einsatz

Roxane gesteht Christian, ihn nicht mehr wegen seiner „äußeren Hülle“ zu lieben. Vielmehr ist es die vermeintliche Dichtkunst Christians, die Roxane so fasziniert. Der Zuschauer wird Zeuge des Gefühlsdramas zweier Männer. ›In mir liebt sie nur deine Seele‹, erkennt Christian – und will „den Pakt“ zerschlagen. Er drängt Cyrano, Roxane alles zu sagen. Doch es kommt anders… Siegfried Bühr lässt in fünf realistischen Bildern die romantische Dreiecksgeschichte zweier Männer, die dieselbe Frau lieben, entstehen. Ein neuer Arkadengang verschmilzt optisch mit dem historischen Turm Baur. Der Anbau ermöglicht eine vielfältige Nutzung über vier Akte hinweg. ›Dazu kommt ein großer Reichtum an Figuren und prachtvollen Kostümen. Wir brauchen fast 100 Perücken, weil etliche Schauspieler mehrere Rollen spielen. In der Garderobe sieht es aus wie bei einer großen Hollywood-Produktion.‹, verrät Bühr.

 

Optisch und inhaltlich reizvoll 

Edmond Rostands Versdrama über die historische Figur Savinien Cyrano de Bergerac (1619-55) liegt in Adaptionen als Film und Oper vor. Der Inhalt des Stücks ist zeitlos. ›Das zentrale Thema ist die Liebe. Ebenso wie die Untersuchung, inwieweit der Verstand dazu gehört oder inwieweit der Verstand beim Lieben hinderlich ist. Insofern hat das Stück auch eine sehr tragische Komponente: Die Schwierigkeit zu lieben.‹, so Siegfried Bühr. Tragisch ist vor allem das tiefe Empfinden Cyranos, der durch seine Dichtkunst Roxanes Herz zu rühren vermag – und dennoch die Geliebte nicht für sich gewinnen kann. Facettenreich als sensibler Liebender wie als spöttischer Haudegen: Richard Putzinger als Cyrano. Überzeugend auch Patricia Coridun als starke Roxane, die weiß, was sie will. Etwas blass bleibt Enrico Spohn als Christian. Zu den optischen Leckerbissen des Stücks gehört die Fechtszene zwischen Cyrano und Vicomte Valvert (Anjo Czernich) im ersten Akt. Ein akustisches Highlight bieten die Live-Musikanten, u.a. mit  Drehleier und Geige bei ihrem Jahrmarktsauftritt (Musikalische Ltg: Tobias Hofmann). In knapp drei Stunden entfaltet das prächtig ausgestattete Sommerspektakel (Bühr/ Koop/Busching) seine magische Wirkung. ›Cyrano de Bergerac‹- noch bis zum 24.07. im Turm Baur. Ansehen!«