Männerhort

Komödie von Kristof Magnusson

Ein ganzer Samstag. – Immer wieder samstags herrscht für Lars, Helmut und Eroll Alarmstufe Rot. Denn sie werden von ihren Frauen ins Shoppingcenter verschleppt. Das halbe Wochenende verbringen die Männer zwischen Schuhen, Fummeln, Modeschmuck, geplagt von umsatzgierigen Verkäuferinnen und endlosem Warten vor Umkleidekabinen. Sie machen gute Miene zum bösen Spiel. Aber die Nerven liegen blank und an den Rand der Erschöpfung getrieben, beschließen sie dem samstäglichen Leidensweg Linderung zu verschaffen. Sie gründen den Männerhort.

Der Hort ist der Heizungskeller des Einkaufparadieses. Hierher flüchten sich die gepeinigten Männer, während über ihnen Umtauschaktionen und Schnäppchenjagden weitertoben. Hier unten ist die Welt wieder in Ordnung. Sie schauen Fußball, gönnen sich ein Bier, sie reden über Technik, Sport, ihre Jobs und natürlich über Beziehungsstress. Und sie denken an Waldemar, der es nicht geschafft hat. Dieser sitzt in der Psychiatrie und zählt zwanghaft Umtausch-Bons.

Aber die Idylle droht aufzufliegen, als Mario, der Brandschutzexperte, den Geheimraum entdeckt und sie erpresst: Er will auch in den Männerhort. In dieser auswegslosen Situation wird der heldenhaften Leitsatz beschworen: »Einer für alle – Alle für einen!«. Doch diese Faustregel wird nicht nur einmal auf eine harte Probe gestellt.

 

Kristof Magnusson gelingt eine herzhafte Komödie, die durch unerwartete Wendungen verblüfft, und in welcher die Geschlechter-Klischees genussvoll aufs Korn genommen werden. Auch wenn die Frauen nicht anwesend sind, sind sie doch stets bedrohlich nahe und sehr gefürchtet. Sie sind der Auslöser für schwerste Krisen. Selbst der hartgesottenste Mann muss schließlich mehr von sich preisgeben, als er je zu träumen wagte. Machofassaden bröckeln, sensible Seelchen werden entblößt, Lebenslügen kommen auf den Tisch und auf manch’ klug ersonnene List folgt naturgemäß ein böses Erwachen.

 

 

 

Wegen einer Erkrankung des Schauspielers Jan Gebauer übernimmt Peter Reisser ab dem 03. Januar  die Rolle des Feuerwehrmanns »Mario«.

Regie: 
Katrin Hiller
Ausstattung: 
Stefan Röhrle
Dramaturgie: 
Gabriele Rebholz
Premiere am ,
Studio im Herzogskasten
Dauer: 100 Minuten
Peter Skodawessely, Augsburger Allgemeine – 26.11.2012
»...pfiffiges Spiel mit den Geschlechterklischees...«
»In Ingolstadt jetzt haben Regisseurin Katrin Hiller und Dramaturgin Gabriele Rebholz erkennbar viel augenzwinkernde Sympathie für die Protagonisten des 100-Minuten-Stücks, stellen sie zu keinem Zeitpunkt unangemessen bloß, machen sie nie verletzend lächerlich, sondern zeigen durchaus (weibliches) Verständnis für sie. Was aber das Vergnügen beim Zusehen und Zuhören überhaupt nicht mindert, denn dadurch erst und durch Kristof Magnussons pfiffiges Spiel mit den Geschlechterklischees sowie durch viele unerwartete Wendungen bekommt »Männerhort« seinen ganz besonderen, witzigen Reiz, fernab von jeglichem Klamauk und platter Klamotte.«