Die Grönholm-Methode

Schauspiel von Jordi Galceran

Vier Bewerber haben sich zu einem Vorstellungsgespräch um einen Managementposten in einer großen Firma eingefunden. Die Kandidaten, drei Männer und eine Frau, haben die Schlussphase des Auswahlverfahrens erreicht. Jetzt geht es ums Ganze.

 

Es gilt, die unterschiedlichsten Aufgaben zu lösen, die immer rätselhafter und absurder werden. Verschärft wird die Atmosphäre des Misstrauens gleich zu Beginn: Ein Spion aus der Personalabteilung scheint sich unter ihnen zu befinden, der als Undercover-Agent den Aspiranten hautnah auf den Zahn fühlt. Unter dem enormen Konkurrenzdruck entstehen zweifelhafte Koalitionen, die Bewerbung der Kandidaten entwickelt sich zu einer ehrgeizigen Schlacht.

 

Zynisch, unterhaltsam und mit viel schwarzem Humor analysiert Jordi Galcerans Stück einen der erbarmungslosesten Vorgänge der Arbeitswelt: das Bewerbungsgespräch. Mit Mitteln der Komik steigert der Autor die Techniken und Methoden eines rücksichtslosen Auswahlverfahrens ins Extreme und spiegelt damit einen zunehmend aggressiver werdenden Arbeitsmarkt, auf dem die Würde des Einzelnen auf der Strecke bleibt.

Regie: 
Daniel Ris
Ausstattung: 
Steven Koop
Dramaturgie: 
Annabelle Köhler
Premiere am ,
Kleines Haus
Dauer: 105 Minuten
Isabella Kreim, Kulturkanal – 08.10.2012
»...in jeder Sekunde spannend...«
»Bühnenbildner Steven Koop hat einen weißen Raum mit Fontana-Schlitzen gebaut, der in der Schlussphase kafkaesk transparent wird. Die Anweisungen an die vierköpfige Bewerbergruppe erscheinen als PowerPoint-Text auf einem Bildschirm oder anonym über eine Schublade, die magisch aus der Wand fährt. Die Kandidaten sind in einem edel gestyltes Überwachungs-Labor gefangen. Sie tun alles, was sie glauben, dass es dem geforderten Profil entspricht. Wir spüren als Zuschauer, dass sich diese Menschen verbiegen. Wir vermuten, dass sie ihre Biografien erfinden, dass wir es hier mit gefälschten Identitäten zu tun haben könnten. Nur der künftige Arbeitgeber scheint längst alle privaten Details der Bewerber ausspioniert zu haben. [...] Die vier wunderbar differenzierten Schauspieler Victoria Voss, Nik Neureiter, Peter Reisser und Stefan Leonhardsberger und ihr Regisseur Daniel Ris schlachten das well made play weder in Richtung Psychokrimi noch als Comedy aus. Es ist in jeder Sekunde spannend zu beobachten, wie sich die vier Laborratten mit feinen psychologischen Tricks gegenseitig belauern und auf den Zahn zu fühlen scheinen und es macht neugierig, den schmalen Grat zwischen Wahrheiten und fingierten Rollenspielen herauszufinden. So geraten die Zuschauer unversehens selbst in die Rolle des Beobachters, des Amateur-Betriebspsychologen, der beurteilt, wer wohl unter diesen vier Bewerbern das Rennen machen könnte. Nik Neureiter spielt den Pragmatiker, der auch mal ausrastet und aus seinen Ressentiments kein Hehl macht , aber schließlich durchaus soziale Kompetenz beweist, um seine Kontrahentin emotional auszuhebeln. [...] Oder ist Peter Reisser der optimale Kandidat, weil er so jovial plaudert, so zerknirscht sein kaputtes Privatleben eingesteht und sich so spontan kindisch freut, wenn er eine Aufgabe bewältigt hat? Victoria Voss spielt klischeefrei die Traumbesetzung einer weiblichen Führungskraft, kühl, attraktiv und besonnen. Sie zeigt durchaus Empathie. Alles reine Taktik? Und sie erweist sich als tough bis zur Selbstaufgabe, als sie mitten im Bewerbungstest ein persönlicher Schicksalsschlag trifft. Es gibt durchaus einiges zu lachen in diesem grausigen Psychospiel. Über die absurd kleinen Hütchen etwa, die sich die Bewerber für ein Rollenspiel als Politiker, Clown, Geistlicher und Torero aufsetzen müssen und über die Hilflosigkeit, mit der Stefan Leonhardsberger zu begründen versucht, warum ausgerechnet der Torero das meiste Anrecht hat, mit dem einzigen Fallschirm ein brennendes Flugzeug zu verlassen. Die Stückdramaturgie hält einige überraschende Wendungen ins Surreale bereit. Die vier Kontrahenten aber bleiben in dieser subtilen Inszenierung glaubwürdig in allen abstrusen Situationen, in die sie gebracht werden. [...] Eine sehenswerte Aufführung - dank der hervorragenden Darsteller psychologisch spannend und in Bezug auf ihren realen Kern durchaus diskussionsanregend.«
Peter Skodawessely, Augsburger Allgemeine – 09.10.2012
»...elegant und präzise in Szene gesetzt...«
»In Ingolstadt jetzt wurde es [ »Die Grönhom-Methode«] von Daniel Ris elegant und sehr präzise in Szene gesetzt. Und vor allem: Der Regisseur hatte dafür mit Victoria Voss, Stefan Leonhardsberger, Nik Neureiter und Peter Reisser ein exzellentes Darsteller-Quartett zu Verfügung! »Die Grönholm-Methode«: Bestens passend zu »Rasender Stillstand«, dem Motto der jetzt gestarteten Spielzeit 2012/2013 des Stadttheaters Ingolstadt.«