Ein Klotz am Bein

Komödie in drei Akten von Georges Feydeau

Fernand de Bois d’Enghien ist bankrott. Seine Finanzen bedürfen dringend einer Sanierung. Deshalb will er die reiche Vivianne heiraten. Er muss nur noch seine Geliebte, die Chansonsängerin Lucette,  abservieren. Doch der Feigling Fernand verschiebt seinen Vorsatz bis ultimo. Dann ist guter Rat teuer. Denn »Le Figaro« kündigt bereits seine Ehe mit der Tochter von Baronin Duverger an und der Ehevertrag soll noch heute unterschrieben werden. Fernand, der gerade eine »letzte« leidenschaftliche Nacht bei Lucette verbracht hat, schafft es wieder nicht, Klartext zu reden, verstrickt sich stattdessen in ein halsbrecherisches Lügengespinst und der Tanz in den Abgrund kann beginnen.

 

Fernand wird zum Gejagten, er verbirgt sich in Schränken, verheddert sich in einer delikaten Lage nach der anderen, gerät in lebensbedrohliche Situationen und ein eifersüchtiger südamerikanischer General ist ihm auf den Fersen, der seinerseits ein Auge auf Lucette geworfen hat. Dieser ist entschlossen, jeden Nebenbuhler ohne Pardon aus dem Weg zu räumen. Die Ereignisse überschlagen sich. Zum Schluss bleibt keiner ungeschoren, wer immer Fernand begegnet, wird in den Strom aus Missverständnissen, Verrat und Leidenschaften hineingerissen.

 

Man nehme »ein Gramm Verwicklung, ein Gramm Pikanterie, ein Gramm Beobachtung«, so lautet Feydeaus Rezeptur, nach der er seine erfolgreichen Komödien anrichtete. Was scheinbar harmlos beginnt, endet in einem Feuerwerk an Verrücktheiten, kurz: im blanken Wahnwitz. George Feydeau wirft einen Blick hinter die Kulissen des ehrenwerten Bürgertums und entlarvt in seiner Komödie die doppelbödige Sexualmoral, den Egoismus und die Geldgier der scheinbar »braven« Bürger. Der Meister des Boulevardtheaters überlässt nichts dem Zufall. Seine Komödien sind ebenso brillant wie präzise gebaute Kompositionen aus pointiertem Sprachwitz und furioser Situationskomik.

Regie: 
Folke Braband
Ausstattung: 
Stephan Dietrich
Dramaturgie: 
Donald Berkenhoff
Premiere am ,
Großes Haus
Dauer: 95 Minuten
Peter Skodawessely, Augsburger Allgemeine – 29.04.2013
»95-Minuten-Vergnügen«

»Das Leichte ist das Schwerste! Nichts ist schwieriger als einen rasanten, leichtfüßigen Schwank stilgerecht auf die Bühne zu bringen. Folke Braband, viele Jahre lang am ›Theater am Kurfürstendamm‹ in Berlin tätig und somit außerordentlich Boulevarderfahren, ist einer, der dieses Metier beherrscht. Jetzt bewies er es – nach seiner Produktion von Jacques Offenbachs ›Die Großherzogin von Gerolstein‹ in der zurückliegenden Spielzeit – einmal mehr in Ingolstadt. Und zwar mit einer turbulenten Inszenierung von Georges Feydeaus klassischer Situations- und Verwechslungskomödie ›Ein Klotz am Bein‹.
Im Großen Haus des Stadttheaters hatte das chaotische –pausenlose – 95-Minuten-Vergnügen Premiere.
(…)Brabands Devise, gekonnt die Balance zu halten zwischen Farce und Klamauk, lautet: Tempo, Tempo und Slapstick nonstop! Und das Ensemble auf der von Stephan Dietrich sparsam-zweckmäßig eingerichteten Bühne – Doris Buchrucker, Renate Knollmann, Denise Matthey, Teresa Trauth, Olaf Danner, Jan Gebauer, Ulrich Kielhorn, Ralf Lichtenberg, Peter Reisser, Enrico Spohn, Lukas Umlauft sowie Simon Mack am Piano – folgt willig den Vorgaben des Regisseurs, dabei hemmungslos chargierend.
Ein Gag jagt, präzise wie ein Uhrwerk tickend und beinahe atemlos, den anderen. Und auch Auftritte in langen Herren-Unterhosen samt Nostalgie-Sockenhaltern bzw. in Damen-Dessous und -Miedern werden dabei nicht gescheut!«