Die Schneekönigin

Märchen nach Hans Christian Andersen

Für Menschen ab 5 Jahren

Winter. – Nach »Peterchens Mondfahrt« in der Spielzeit 2011/2012 präsentiert das Stadttheater Ingolstadt mit »Die Schneekönigin« einen weiteren Klassiker des Weihnachtsmärchens. »Die Schneekönigin« ist ein Kunstmärchen des dänischen Dichters Hans Christian Andersen.

 

Der Teufel erschuf vor langer Zeit einen Zauberspiegel, der alles Schöne und Gute hässlich macht und das Böse schön. Eines Tages zersprang der Spiegel. Wen die Splitter im Herzen treffen, wird kalt wie Eis, wen sie im Auge treffen, sieht die Welt nur hässlich und böse.

 

Als die Nachbarskinder Kai und Gerda miteinander spielen, wird Kai von einem Splitter ins Herz und ins Auge getroffen. Sofort beginnt er, Gerda zu verspotten. Und als die Schneekönigin mit ihrem Schlitten vorbeifährt, entführt sie Kai in ihr prächtiges Eisschloss im Norden. Kai verfällt ihrer kalten Schönheit und lebt in einer kalten Scheinwelt.

Als Kai nicht zurückkommt, macht sich Gerda auf die Suche nach ihm. Sie erlebt viele Abenteuer, trifft auf einen Prinz und eine Prinzessin, auf Räuber und ein sprechendes Rentier und auf eine weise Frau. Durch ihren Mut, ihre Ehrlichkeit und ihre Beharrlichkeit findet sie Kai in der Eiseskälte des Schlosses der Schneekönigin. Zwar ist er unzugänglich für Gerda und kann ihre wahre Freundschaft nicht erkennen – aber ihre warmen Tränen lassen sein Eisherz schmelzen und die Splitter verschwinden.

 

»Die Schneekönigin« ist ein Stück über die Kraft der Freundschaft und eine Fabel über den Sieg des Guten im Menschen.

Regie: 
Knut Weber
Bühne: 
Herbert Buckmiller
Kostüme: 
Julia Buckmiller
Kostüme: 
Barbara Kloos
Video: 
Stefano Di Buduo, Steven Koop
Musikalische Leitung: 
Nina Wurman
Dramaturgie: 
Gabriele Rebholz
Premiere am ,
Großes Haus
Dauer: 70 Minuten
Isabella Kreim, Kulturkanal – 12.11.2012
»...zauberhaftes Vexierspiel zwischen Zeichentrick, Film und Theater-Wirklichkeit...«
»Intendant Knut Weber inszeniert ›Die Schneekönigin‹ als Multimedia-Märchentraum. Zwei Raben, die beiden ungarischen Schauspieler Péter Polgár und Péter Valcz, begleiten uns auf der Reise zur Schneekönigin im Großen Haus des Stadttheaters Ingolstadt.... ›Wann geht jetzt der Fernseher an?‹, fragt hinter mir scherzhaft ein ungeduldiger Junge und er betätigt dabei eine imaginäre Fernbedienung. Doch auch wenn sich der rote Bühnenvorhang durch keine Schnelllauf-Taste beeinflussen lässt: Selbst mit allen TV-Effekten verwöhnte Kids werden aus dem Staunen nicht herauskommen, denn Regisseur Knut Weber hat für das Märchen ›Die Schneekönigin‹ von Hans Christian Andersen ein zauberhaftes Vexierspiel zwischen Zeichentrick, Film und Theater-Wirklichkeit erfunden, das auch erwachsene Zuschauer entzücken kann. Und zwar mit einer anmutig liebevollen, handgezeichneten Bilderbuch-Ästhetik, die so weit weg ist vom digitalen Videoclip oder den Bildschirmschoner-Fraktalbild-Spielereien wie das knuffige Rentier Hugo vom kalten Herz der Schneekönigin. Gezeichnete Schneeflocken wirbeln ›auf der Leinwand‹ und gehen in Bühnenschnee über, der aus dem Schnürboden fällt. Die reale Schauspielerin Gerda boxt auf der Bühne die Geisterwesen auf dem Video zur Seite, um in den Eispalast aus Theaterkulissen Eintritt zu finden. In Großaufnahme gefilmt sehen wir das schöne, aber böse triumphierende Gesicht von Chris Nonnast, während sie als Bühnenfigur der Schneekönigin bedrohlich still auf die Kinder Kay und Gerda zugeht. In dem sprechenden Rentier auf der Bühne stecken ganz offensichtlich zwei Darsteller, so hübsch wie es den Kopf dreht, oder in den Schoß der Räubertochter gekuschelt einschläft, mit den Raben Tango tanzt oder sich sogar in zwei getrennt agierende Hälften auflösen kann. Dann aber sehen wir die reale Darstellerin der Gerda auf einem gezeichneten Rentier entschweben – im Videofilm nach dem Blue-Box-Verfahren. Ähnlich durchschwimmt Joana Tscheinig als Gerda eine gezeichnet animierte Unterwasserwelt oder rudert auf einem realen Kahn vor Kulissenwellen, auf die Video-Wellen projiziert werden. Reale Baumstämme bilden einen Räuberwald, witzig wird mit einer zweidimensionalen Kutschen-Attrappe gespielt. Theatermagie, darstellerische Spielfreude, Zeichentrick- und Videofilm überlagern sich raffiniert zu einer märchenhaften Erzählweise, die manchmal auch Augenzwinkernd ironisch die Schwächen des jeweils anderen Mediums kommentiert. Und so macht diese Bildphantasie nicht nur staunen, sondern ist sogar eine Lehrstunde in Medienkompetenz, um lustvoll reale und Bildschirm-Figuren, Zeichentrick und Bühnenillusion zu unterscheiden. Neben der bezaubernden Poesie der von Andrea Adriani animierten Zeichnungen von Roberta Gentili und der Videos von Stefano Di Buduo und Steven Koop und der realen Kulissen von Herbert Buckmiller ist eine Fülle weiterer durchaus witziger Einfälle zu sehen. Der stotternde Räuberhauptmann oder die einem Saunazelt entsteigende finnische Windsbraut von Chris Nonnast, das sehr britische Prinzenpaar und natürlich die beiden behenden und mitfühlenden Erzähler-Raben. (...) Spannender an der Vorlage ist allerdings, und hierin liegt vielleicht der eigentliche pädagogische Wert dieser Geschichte, dass Gut und Böse nicht sofort unterscheidbar sind. Schönheit und Status wie bei der Schneekönigin besagen noch nicht, dass ihre Nähe erstrebenswert ist. Und auch die anderen Figuren, die Blumentante, die finnische Sauna-Fee oder die Räuber sind – auch dank der phantasievollen Kostüme von Julia Buckmiller und Barbara Kloos – nicht sofort als mitfühlend oder eigennützig durchschaubar. Aus dem hervorragenden Ensemble stechen neben Joana Tscheinig und Paul Schaeffer als Kinder vor allem Chris Nonnast in ihren wechselnden Rollen und die kraftvolle Shadi Hedayati als englische Prinzessin und Räubertochter heraus. Die atmosphärische Musik und die maßvoll ausgewählten Lieder von Nina Wurman fügen sich in das fein ausgewogene Geflecht dieses Multimedia-Märchens, bei dem kein Element als bloßer Show-Effekt hervorsticht. Es dürfte ziemlich einmalig in der Theaterlandschaft sein, dass sich ein Intendant als Schwerpunkt der eigenen Regietätigkeit auf das Kinderstück stürzt um damit, und nicht mit einem Klassiker oder brisanten Gegenwartsdrama zu zeigen, welche Art von Theater ihm wichtig ist. Und wir haben gesehen: Nicht die Verfügbarkeit neuer Medien ist schuld, wenn wir - inzwischen auch oft auf dem Theater – viel Oberflächenreiz- und Beliebigkeitsüberflutung beklagen. Man kann auch so raffiniert s/w-schlicht und phantasievoll damit umgehen wie Knut Weber und sein Team. Die herzlosen Fraktalbildsplitter des Teufelsspiegels habe da keine Chance. Und so können bei dieser ›Schneekönigin‹ selbst Erwachsene wieder entzückt, mit Kinderaugen staunen.«
Claudia Vorndran, Neuburger Rundschau – 14.11.2012
»...ideenreich und humorvoll, kindgerecht und mutig...«
»Wenn die Herzenswärme das ewige Eis zu schmelzen bringt, wenn die Liebe stärker ist als jeder Bann, dann ist die Zeit des Weihnachtsmärchens. Dieses Jahr steht auf dem Programm des Ingolstädter Stadttheaters „»Die Schneekönigin« von Hans Christian Andersen. Am vergangenen Freitag hatte dieses bezaubernd inszenierte Stück Premiere im Großen Haus und wurde mit einem tosenden Applaus belohnt. Die Inszenierung von Knut Weber war ideenreich und humorvoll, kindgerecht und mutig. Das technische Zusammenspiel von Videoaufnahmen, Stimmen im Hintergrund und der Einspielung von Musik war perfekt. Hatte Knut Weber schon im vergangenen Jahr mit »Peterchens Mondfahrt« sein gutes Händchen für Kinderstücke bewiesen, so topte er sich selbst mit dieser Inszenierung. Seien es die Tango tanzenden Raben, die die Kinder spontan applaudieren ließen, oder Hugo das Rentier, das bei Zeiten sein Hinterteil verlor und das junge Publikum zu schallendem Gelächter aufforderte. Selbst bei Angst einflößenden Szenen mit der eiskalten Schneekönigin (Chris Nonast) bewies Knut Weber kindgerechte Sensibilität und streifte sie nur kurz, um sich dann wieder auf die schöneren und guten Seiten des Stückes zu konzen trieren. Tapferkeit und Mut, die Treue und Liebe zu ihrem Freund Kay lies Joana Tscheinig als Gerda spüren und ihre unbegrenzte Kraft und Freundschaft übertrug sich auf das Publikum. Die Kinder fieberten mit ihr, durchlebten gemeinsam die Geschichte und freuten sich letzt endlich über den Sieg der Liebe im Kampf gegen die Schneekönigin. Die beiden Gastschauspieler vom Theater KOMA, Péter Polgár und Péter Valcz, waren in den Rollen als Raben und Räuber eine wahre Bereicherung. Mit Clownerie und Körperbeherrschung brachten sie das Publikum zum Lachen und erzählten mit Spannung die Geschichte von Freundschaft, Liebe und dem langsamen Erwachsenwerden. Der langanhaltende Applaus zeigte, wie gelungen diese Inszenierung war und, wie sehr sie das Publikum beeindruckt hat.«