Sein oder Nichtsein

Komödie von Nick Whitby nach dem Film von Ernst Lubitsch

Kurz vor Beginn des Zweiten Weltkriegs. – Die Theatergruppe des Warschauer Stadttheaters steckt mitten in den Proben der Nazi-Satire »Eine Geschichte von Hitler«. Weil die polnische Regierung aus Angst vor politischen Konsequenzen die Premiere verbietet, wird stattdessen allerdings kurzfristig »Hamlet« auf den Spielplan gesetzt. Was der selbsternannte erste Schauspieler des Hauses, Joseph Tura, nicht ahnt: Seine Frau Maria nutzt die Zeit während seines weltberühmten Monologs, um sich mit ihrem Liebhaber in der Garderobe zu treffen. Der junge attraktive Stanislaw kämpft als polnischer Flieger in England – und hat von dort brisante Nachrichten mitgebracht. Ein feindlicher Agent ist unterwegs, um den örtlichen Untergrund auffliegen zu lassen. Als kurz darauf die deutschen Truppen in Polen einmarschieren, müssen die Schauspieler im wahrsten Sinne des Wortes um ihr Leben spielen. In ihren Nazi-Kostümen und auf der zum Gestapo-Hauptquartier umfunktionierten Bühne versuchen die Schauspieler alles, um in den Besitz der verräterischen Unterlagen zu kommen. In einer Zeit, in der die Welt auf dem Kopf steht und jeder Moment alles ändern kann, beginnt zwischen Eitelkeit, Mut und nackter Verzweiflung ein wahnwitziges Spiel um Leben und Tod.

 

Berühmt geworden ist »Sein oder Nichtsein« durch die Verfilmung von Ernst Lubitsch, die 1942 im amerikanischen Exil entstand. Gegen die anfänglichen Vorwürfe, der Film würde sich über das Leiden der Polen lustig machen, avancierte »Sein oder Nichtsein« schnell zu einem Filmklassiker, der Situationskomik und unfassbares Grauen untrennbar vereint.

Regie: 
Cornelia Crombholz
Bühne: 
Marcel Keller
Kostüme: 
Marion Hauer
Musikalische Leitung: 
Nina Wurman
Dramaturgie: 
Sophie Scherer
Ausstattungsassistenz: 
Beate Gölzner, Christina Huener, Charlotte Labenz
Premiere am ,
Großes Haus
Dauer: 135 Minuten, mit Pause
Florian Welle, Süddeutsche Zeitung – 08.10.2012
Gelungener Saisonauftakt
»Nick Whitby vergrößerte in seiner 2008 am Broadway uraufgeführten Theateradaption noch einmal die Fallhöhe. Er machte aus der Warschauer Truppe um ihre Stars Josef und Maria Tura ein wahres Provinzensemble. Die Handlung spielt nun in Posen, wo man all diese liebenswerten Dilettanten viel eher vermutet als in der polnischen Hauptstadt. Bei Cornelia Crombholz dürfen die Ingolstädter Darsteller dementsprechend chargieren: Richard Putzinger als Josef Tura oder Renate Knollmann als Provinz-Diva Maria Tura. Und erst recht, wenn sich alle als Nazis kostümieren, Heil Hitler! brüllschreien und schauerlich zackig sind. Crombholz’ rasante Inszenierung, begleitet von drei furios aufspielenden Klezmer-Musikern, orientiert sich weniger an Lubitsch als an Rainer Werner Fassbinder und seinem »Lili Marleen«-Film. Renate Knollmann kommt in ihrem Glitzerkleid schygullahaft glamourös daher, und wenn man nach der Pause schließlich ins Gestapo-Hauptquartier blickt, dann hat Bühnenbildner Marcel Keller ganze Arbeit geleistet, um die Gigantomanie des Dritten Reiches zu entlarven: Kitsch und Tod eben, wie schon in »Lili Marleen«. Zu sehen sind meterhohe Hakenkreuzfahnen, brennende Fackeln und ein riesiger Reichsadler. Und hinter einem Schreibtischklotz thront Gruppenführer Erhardt, den Thomas Schrimm verkörpert. Schrimm ist nach einer famosen Franz-Woyzeck-Interpretation in der letzten Spielzeit nun festes Ensemblemitglied, und wen man sich da ans Haus geholt hat, ist hier zu erleben. Einen, der gleichzeitig gemeingefährlich, jämmerlich und urkomisch sein kann - ein Theatervieh eben. Der Saison-Auftakt ist den Ingolstädtern jedenfalls gelungen.«
Christian Muggenthaler, Landshuter Zeitung/Straubinger Tagblatt – 11.10.2012
»... man kann und muss lachen...«
»Im Haupthaus an der Schlosslände das Großunternehmen »Sein oder Nichtsein« nach dem Film von Ernst Lubitsch und der Bühnenumsetzung von Nick Whitby, geprägt von maximalem (Bühne: Marcel Keller, Kostüme: Marion Hauer) Ausstattungsaufwand, von dem man zu Beginn schon fürchten musste, er werde die Komödie in ihrem Rythmus erdrücken. Aber Regisseurin Cornelia Crombholz hat es geschafft, dem Film-Stoff nicht, wie man es so oft sieht, möglichst originaltreu nachzujagen, sondern ihm, wie das Theater da ja auch mit klassischem Dramen-Stoff macht, eine eigene Note zu geben. »Sein oder Nichtsein« [...] bekommt in Ingolstadt den nötigen beunruhigenden Untersog: Ja, man kann und muss über das alberne Nazi-Gepränge lachen - aber das schreckliche Gewaltsystem vermittelt dennoch Grauen. Komödie ist hier ganz Schrei nach Humanität. [...] Das Stadttheater Ingolstadt ist derzeit der Shooting Star unter den bayerischen Bühnen – Staatstheater mit Ausnahme Nürnbergs inklusive. Stillstand? Erst mal gar nicht.«
Peter Skodawessely, Augsburger Allgemeine – 08.10.2012
»...hintergründiges Vergnügen!«
»Ebenso wie die Darstellertruppe im Stück selbst harmoniert auch das von Regisseurin Cornelia Crombholz mit viel Sinn für den turbulenten Inhalt der pointierten Vorlage geleitete Ingolstädter Ensemble bestens: vital Richard Putzinger als selbstverliebter Möchtegern-Starschauspieler Josef Tura, hinreißend Renate Knollmann als dessen flatterhafte Ehefrau Maria, herrlich einfältig Thomas Schrimm als der bereits erwähnte SS-Gruppenführer Erhardt sowie der jugendlich-frische Anjo Czernich als verliebter Flieger-Leutnant. Sie machten den Abend zu einem hintergründigen Vergnügen! »Sein oder Nichtsein« in Ingolstadt: Ein despektierliches, überdrehtes Stück, das nachdenklich macht, obwohl es zum Lachen reizt!«
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