Wimmeln

Wimmelbilderbuchtheater für Kinder ab 4 Jahren und die ganze Familie

Stadt. – Dieser Strand ist derart voll, dass man am liebsten das Weite suchen möchte. Doch für Kinder ist er seit Jahrzehnten ein willkommener Ort, zu dem sie gedanklich reisen. Auch auf dem Markplatz der Stadt ist es laut und unübersichtlich. Was ein Gewimmel! Ein Gemüsehändler versteckt die faulen Birnen unterm frischen Obst, die Marktfrau streitet mit ihrer Nachbarin, ein kleiner Junge rennt so schnell er kann nach Hause, ein Bettler schlurft vorüber und dort hinten versteckt sich Greta, damit Jona sie nicht finden kann. Und dann da hinten links das große Haus! Da trägt sich so manches zu. Im einen Zimmer wird zu Abend gegessen, im nächsten feiern Kinder Geburtstag und die Untermieterin klopft empört an die Decke. Dort drüben wird jemand beim Baden überrascht, und in der Küche nebenan schleudert eine Frau gerade einen Pfannkuchen in die Luft.

 

Ali Mitgutsch hat diese menschlichen Ameisenhaufen gemalt, er gilt als Erfinder der Wimmelbücher, die in keinem Kinderbuch-Regal fehlen dürfen. Fantastische Geschichten, ganz ohne Worte. Dutzende kleine Alltagsszenen werden zu schrägen Geschichten versponnen. In seinen Bildern wird gestritten, sich geärgert, umarmt und geküsst. »Ich möchte nicht die heile Welt zeigen, sondern die heilbare Welt«, sagt Mitgutsch. Und zeigt alles, was jeder sehen kann, wenn man genau hinschaut. So betrachtet er seine Bücher als eine Schule des Sehens. Allein in Deutschland wurden sie über 5 Millionen Mal verkauft, zum Teil in riesigen Formaten, in denen Kinder immer wieder versinken.

 

Nun kommen die Wimmelbücher zum ersten Mal auf die Bühne. Ein fantastisches Alltagsmärchen, das reine Gewimmel in der kleinen Werkstatt. Theater ohne Worte. »Rundherum in meiner Stadt« (1968), das erste der sogenannten »Wimmelbilderbücher«, wurde mit dem Deutschen Jugendbuchpreis ausgezeichnet und hat seinen Erfinder in aller Welt bekannt gemacht.

Konzept, Regie, Choreografie: 
Julia Mayr
Konzept, Regie, Choreografie: 
David Williams
Ausstattung: 
Dietlind Konold
Premiere am ,
Werkstatt/Junges Theater
Dauer: 60 Minuten
Isabella Kreim, Kulturkanal – 18.05.2012
»Es wimmelt nur so von zauberhaften Ideen!«
»Mit den unerschöpflichen Ideen der Regisseurin Julia Mayr und des Choreographen David Williams ist genau soviel zu sehen wie in den Wimmelbilderbüchern, nur nicht alles auf einmal. Fünf Schauspieler und Tänzer spielen etwa zwei Dutzend Figuren und erzählen unzählbare Geschichten ohne Worte und Episoden: auf der Straße, bei Tag und bei Nacht, Frühlingsgefühle, sommerliche Schwimmbadfreuden und gemeinsames Frösteln im Winter, Warten und hektisches Handytelefonieren, Szenen auf der Parkbank und in einem kleinen Haus mit Briefkasten, das von der Bühne rollen kann. Und es gibt Fenster zum Hof, aus denen man einem Vorbeigehenden eine Wäscheleine zu halten geben oder ihn aus dem Kopftopf probieren lassen kann. (...) Wir erleben eine wunderbare zarte Annäherung zwischen der aus Liebeskummer weinenden Frau und dem Müllmann, der nicht nur auf die Bühne rollende Äpfel, sondern auch das verheulte Taschentuch mit seiner Greifzange zärtlich aufnimmt, mit der er sogar winken kann. Wir sehen in den Fenstern zum Hof Zähneputzen und Rasieren am Morgen oder zwei südländisch temperamentvoll palavernde Frauen. Im Herbst flattert ein Drachen im Wind und Regenschirme tanzen. Wie endlos ist der Schal, den das Mädchen aus dem Fenster zieht, als es Winter wird? Und für die Kinder besonders reizvoll: Es schneit. Schlitten und Skier und wieder das kleine Haus, in das sich alle an Weihnachten mit ihren Geschenken zusammenkuscheln. Weihnachtsbaumkugeln und blühende Zweige mit Vögelchen, auch Ausstatterin Dietlind Konold trägt mit vielen Details zum Charme dieses Wimmelbuchtheaters bei. Wer Tänzer, wer Schauspieler ist kann man bei Michael Amelung, Lukas Umlauft, Barbara Schmick, Yahsmine Macaira und Maria Tietze – fast - nicht unterscheiden, denn Alltagshabitus und Choreographie, Slapstick und Situationskomik gehen fließend ineinander über. Ja,es wimmelt nur so von zauberhaften Ideen, Situationen, Bildern, Schauspiel und Tanz. Und der Ablauf der Jahreszeiten gibt den Rhythmus vor für melancholische und fröhliche, temperamentvolle und ruhige Stimmungen. Man kann sich nicht sattsehen an den vielen Geschichten ohne Worte in diesem wunderbaren Wimmelbuchtheater.«