Das tragödische Leben des Käsejungen (DSE)

Ein Schauspiel von Finegan Kruckemeyer; Konzept: Andy Packer

Erzähltheater für Kinder ab 5 Jahren und die ganze Familie

Käseplanet. – Dies ist die Geschichte von einem Jungen aus Käse, der auf einem Planeten aus Käse lebt. Als seine Heimat von einem Meteorit getroffen wird, bleibt davon nur noch ein Fondue übrig. Auch die Eltern des Jungen gehen im Feuer verloren. Cheeseboy ist allein. Er macht sich auf den Weg zur Erde, um seine Eltern zu suchen und erlebt dort eine Reihe von Abenteuern. Er bastelt Papierschiffe und schickt sie in den Ozean, in der Hoffnung, sie würden seine Eltern wiederbringen, er trifft auf ein Zigeunerpaar, das nach dem Mond sucht und findet neue Freunde. Seine Eltern aber findet er nicht wieder.

 

»The Tragical Life of Cheeseboy« ist wunderlich und schräg. Wie ein Magier baut der Erzähler Schritt für Schritt die faszinierende Welt von Cheeseboy auf. Die ist traurig und komisch.

 

»Das tragödische Leben des Käsejungen« entstand als Auftragswerk für die Theatergruppe Slingsby in Adelaide, Australien - http://www.slingsby.net.au

Regie: 
Donald Berkenhoff
Kostüme: 
Donald Berkenhoff
Bühne: 
Bettina Reinisch
Video: 
Bettina Reinisch
Musik: 
Tobias Hofmann
Premiere am ,
Werkstatt/Junges Theater
Dauer: 50 Minuten
Isabella Kreim, Kulturkanal – 16.04.2012
»...schön anarchisch...«
«Die Inszenierung des Chefdramaturgen und Regisseurs Donald Berkenhoff am Jungen Theater Ingolstadt ist die deutschsprachige Erstaufführung des 2008 in Australien uraufgeführten ›Cheeseboy‹ von Finegan Kruckemeyer, eines deutschstämmigen Iren, der in Australien lebt. Darf ein Junge aus Käse Käse essen? Nun ja, wir sind ja auch aus Fleisch und essen Fleisch. Nicht jeden Käse darf er essen, aber z.B. Brie. Und der macht ihn so stark, dass der Käsejunge zum Mond fliegen kann. Mit solchen Überlegungen zu den kleinen Zuschauern und mit Songs, zu denen er im gelben Sessel sitzt, eine der vielen Steh- und Nachttischlampen anknipst und zur Gitarre singt, stoppt der Erzähler Lukas Umlauft seinen rasanten Aktionismus, mit dem er die Geschichte erzählt. Der Stoff passt zum Spielzeitmotto ›Fremde Heimat‹. Denn die Erde und das Meer sind für den Käsejungen ziemlich fremd. Der Junge ist aus Käse und kommt vom Käseplaneten, den ein Meteor allerdings zu Käsefondue hat schmelzen lassen. Die kleine Plastikfigur liegt in einer transparenten Box, die mit der Anweisung ›sanft schaukeln‹ durch die Zuschauerreihen gereicht wird. Denn der Käsejunge hat den Käsewelt-Untergang in einem Boot verschlafen. Er gerät auf die Erde, versucht Strandburgen zu bauen, die immer wieder von Ebbe und Flut weggespült werden bis er den Mond bittet, sich schlafen zu legen. Aber nur brennend heiße Sonne, nur Tag, ist auch nicht optimal: Die Wandernomaden, die der Junge trifft, eine Astrologin und ein Astronom, sind arbeitslos, wenn es keine Nacht mehr gibt. Schließlich wird der Mond wieder scheinen. Aber seine Freunde sind weg und seine Eltern werden auch nicht wieder auftauchen. Aber irgendwie ist der Käsejunge doch - guten Mutes - angekommen auf der fremden Erde. Die Geschichte ist etwas wirr. Und Lukas Umlauft, in Schlafanzug und Bademantel, kämpft auch bisweilen sehr komisch-hektisch mit all dem Requisiten-Kuddelmuddel, das er vorfindet. Ein absurdes Wohnzimmer: Ein Tisch mit Plastik-Grünpflanzen und Hydrokultur-Blähton-Kügelchen, die er zusammenschiebt, wenn der Käsejunge Strandburgen baut, die immer wieder von der Flut, einem blauen Plastiktuch, weggeschwemmt werden. Und bei einer besonders großen Springflut stopft er einfach alle Utensilien samt Pflanzen in einen blauen Plastik-Müllsack. Mit einem Stoff-Zebra und einer Puppe spielt er den Astronomen und die Astrologin, die ihm als Wandernomaden mit einem hölzernen Spielzeugauto begegnen. Als Mond bläst er einen gelben Luftballon auf, einen ganzen Sack voller Papierschiffchen schüttet er als Flaschenpost auf seiner Suche nach den Eltern aus. Lukas Umlauft spielt einen sanften Jungen, den eine wilde Erzählleidenschaft packt. Und Regisseur Donald Berkenhoff schenkt ihm dafür keinen Theaterzauber. Alles, was der Erzähler, spontan wirkend, braucht und erfindet, um seine Geschichte anschaulich zu machen, findet er, indem er die spießige Wohnzimmereinrichtung demontiert und umfunktioniert oder aus dem Kinderzimmer nebenan, Backstage, holt. Ein Stoffkamel ist ein Käsehändler, der ihm den Brie, zurecht gerissene Papierstreifen, verkauft. Ein Buch über die Titanic dient zur Illustration eines Schiffes und die Grünpflanzen werden unwirsch aus ihrer Hydrokultur gefegt samt Blähtonkügelchen, wenn der Pflanzentisch als Tafel aufgerichtet werden muss, um schnell mal ein Riesenhaus mit vielen Zimmern aufzuzeichnen. Das ist alles schön anarchisch, oft witzig und manchmal auch etwas drastisch, wie aus der biederen Ordentlichkeit ein Fantasieraum-Chaos von Käseplanet, Erde und Mond wird. Und zudem ist es frech unpädagogisch: Denn wo ist zuhause der Requisiteur, der hinterher alles wieder aufräumt und auf Anfang setzt? Aber das ist noch nicht alles: Miterzählerin der Käsejungen-Geschichte ist Bettina Reinisch mit ihrer Kamera, deren Bilder live in Bildschirm-Größe auf die Rückwand projiziert werden. Sie umschleicht den Protagonisten, filmt den Gummi-Käsejungen in Großaufnahme, zoomt auf das Feuerzeug-Flämmchen, das das Bootsseil durchschmelzen lässt, liefert Bilder vom Spielzeugauto in Müll, die wirklich so aussehen wie die Fernsehbilder nach dem Tsunami. Und sie filmt die kleinen und großen Zuschauer, die gar nicht mehr wissen, wo sie jetzt hinschauen sollen, wenn Lukas Umlauft sie auf dem Bildschirm anspricht und ihnen dabei den Rücken zukehrt. Ein bisschen verwirrend, diese Käsejungen-Geschichte. Aber eine allzu überschaubare, durchschaubare, ordentliche Welt wäre ja auch ziemlich langweilig.«